Schlagwort-Archiv: Thomas EIchin

Class of ’00

Kaum war der Klassenerhalt fix, wurden die ersten personellen Konsequenzen gezogen. Die Verträge von Claudio Pizarro und Philipp Bargfrede wurden um je ein Jahr verlängert und etwas überraschend, aber letztlich doch nicht ganz unerwartet wurde Thomas Eichin seines Amtes enthoben.

Der Reformer Eichin: Gescheitert oder vollendet?

Thomas Eichin war keine einfache Persönlichkeit und galt als schwer vermittelbar im beschaulichen Bremen. Sein Umgangston war schroff und bisweilen respektlos – das hörte man vielfach von Mitarbeitern aus allen Bereichen. Durch seine harte Linie bei Personalentscheidungen (insbesondere Nachwuchs und Scouting) machte er sich etliche Feinde im Verein.

Dennoch zeigen die vielen negativen Reaktionen auf seinen Rauswurf, dass man Eichin in Werders Umfeld sehr wohl verstand. Seine Transferbilanz ist nicht ohne Makel, doch er hat das schwere Erbe, das er nach einigen Jahren der Misswirtschaft und Transferpleiten antrat, gut bewältigt. Er hat den Konsolidierungskurs mitgetragen und trotzdem einen zuletzt wieder konkurrenzfähigen Kader zusammengestellt. Sein Pragmatismus war nicht immer leicht zu verdauen, doch im Großen und Ganzen hatte er ein gutes Gespür für die richtigen Entscheidungen.

Mich persönlich störte an Eichin vor allem das Fehlen einer klaren Linie bei der Kaderplanung. Es war zu viel Gelegenheitsshopping dabei und zu wenig Ausrichtung am eigenen Bedarf. Die Fehler des letzten Sommers wurden diesen Winter zwar ausgebügelt, doch der Schlingerkurs bei der Einbindung des Nachwuchses und das Übersehen der Kaderlücken im Mittelfeld, während nahezu das gesamte Transferbudget in den Angriff investiert wurde, bleiben hängen. Nicht zu vergessen war es (bei aller Kritik) Skripniks beste Personalentscheidung der Saison, die Werders Problem im Mittelfeldzentrum zumindest vorerst löste: Die Versetzung von Florian Grillitsch auf die 6er-Position.

Vermutlich hat man es bei Werder ähnlich gesehen und Eichin als eine Übergangslösung betrachtet. Als Aufsichtsratschef Bode von Eichin bei dessen Vertragsverhandlungen letztes Jahr düpiert worden war, hatte er noch zähneknirschend zu seinem Geschäftsführer gehalten. Nun, da die Konsolidierung nach Ansicht der Verantwortlichen abgeschlossen ist, braucht man den Mann fürs Grobe nicht mehr. Dass Eichin eine Veränderung auf der Trainerbank nicht erst zum Saisonende wollte, war bekannt. Die Lesart, dass sich der Aufsichtsrat nun für Skripnik entschieden hat und deshalb Eichin entlassen hat, ist deshalb naheliegend.

Die Werder-Familie schlägt zurück

Ich glaube jedoch nicht, dass die Personalie Skripnik der ausschlaggebende Punkt war. Es dürfte vielmehr um die Entscheidungshoheit im Verein gegangen sein. Als Geschäftsführer Sport sah Eichin die Beantwortung der Trainerfrage als sein Hoheitsgebiet an. Schon im Winter war jedoch bekannt geworden, dass Skripnik ohne die Zustimmung des Aufsichtsrats nicht entlassen werden darf und Bode seinen früheren Mitspieler stützte. Wenn die Charakterbeschreibungen Eichins auch nur ansatzweise stimmen, ist es schwer vorstellbar, dass er diesen Eingriff in seine Souveränität einfach hingenommen hat. Auf der anderen Seite fühlten sich die verbliebenen Mitglieder der “Werder-Familie” durch Eichins Reformkurs zunehmend bedroht und befremdet.

Bereits Anfang letzter Woche war durchgesickert, dass es zum Wochenende einen Versuch von Teilen des Aufsichtsrats geben würde, Eichin zu entmachten. Welche Seite letztlich die Informationen an die Medien gesteckt hat, die zu den “Es kann nur einen geben”-Schlagzeilen über Eichin und Skripnik geführt haben, ist unerheblich. Die Zuspitzung war letztlich unvermeidlich und nur eine Frage des Zeitpunkts. Dass Eichin einen Machtkampf mit Bode nicht würde gewinnen können, überrascht ebenfalls nicht.

Altes, neues Werder

Die Frage lautet also: was nun? und sie ist mit Baumanns Berufung als Nachfolger alles andere als beantwortet. Die wichtigsten Positionen im Verein sind nun wieder mit Werder-Legenden besetzt: Bode, Baumann, Skripnik. Keiner von ihnen hat sich jedoch seine Sporen in der Position verdient, die er nun bekleidet. Man könnte daher vom Anfang einer Ära sprechen. Die neue Generation der Werder-Familie drängt nach vorne. Wohin sie den Verein steuern will, bleibt jedoch offen. Eichin stand nicht für die glorreiche Vergangenheit oder eine ebenso glorreiche Zukunft, sondern für Realismus und Pragmatismus in der Gegenwart. Wenn es bei seiner Entlassung tatsächlich um mehr als persönliche Machtspiele ging, müsste es nun auch inhaltlich einen Kurswechsel geben.

Gut möglich, dass im Verein die heile Welt aus vergangenen Zeiten wiederhergestellt werden soll: Weniger Ich, mehr Wir. Die Werder-Familie als Gegenentwurf zum Haifischbecken Bundesliga mit den freundlichen Gesichtern Bode und Baumann an der Spitze. Wenn man schon faktisch keine Kontinuität mehr hat im sportlichen Bereich, wird diese durch bekannte Gesichter zumindest gekonnt simuliert.

Wie es sich für eine gute Familie gehört, wird hinter den Kulissen fleißig intrigiert. Der Disput mit Eichin ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. Aus der hinteren Reihe melden sich die ehemaligen Macher Lemke, Fischer und Born in schöner Regelmäßigkeit zu Wort. Was sie off the record sagen, ist dabei weitaus interessanter. Quintessenz: Außer mir kann es eigentlich keiner. Es ließe sich eine hervorragende Seifenoper daraus machen, doch nach außen hin hält sich die Familie weitestgehend an die Omertà.

Das Bremer mia san mia

Wie ist der Umstand zu bewerten, dass Bode, Baumann, Skripnik, Frings, Pizarro und auch der womöglich bald hinzukommende Borowski einst alle zusammenspielten? Ein Argument gegen Erfolg ist es nicht, das beweist ausgerechnet das Dreigestirn Hoeneß, Rummenigge, Beckenbauer. Bei Werder hat es mit Schaaf und Allofs ebenfalls geklappt. Die Personalentscheidungen machen deutlich, dass man diesem Ideal weiterhin nacheifert. Mit den Namen Schaaf und Allofs ist jedoch nicht nur die Entstehung sondern auch der Untergang der letzten Erfolgsära des Vereins verbunden. Zu viel Schmoren im eigenen Saft, zu wenig Reflektion und äußere Einflüsse. Ob man mit Eichin, Schröder und Dutt die richtigen Leute gewählt hat, um die Außenperspektive in den Verein zu holen, kann jeder selbst bewerten.

Die Zeit der externen Einflüsse ist in Bremen mit Baumanns Berufung jedenfalls erstmal abgelaufen. Sie waren Mittel zum Zweck und der Zweck hat sich nach Bodes Einschätzung erledigt. Hier zeigt sich eine Parallele zum ungeliebten Rivalen aus München: Das Bremer mia san mia gibt sich weniger aggressiv, doch läuft letztlich auf dasselbe hinaus: Der Eindringling von außen passt sich entweder an oder wird wieder abgestoßen. Erfolg berechtigt nur vorübergehend zum Verbleib. Anders als in Bremen ist es beim FC Bayern jedoch schwer vorstellbar, dass Stallgeruch vor den Konsequenzen von Misserfolg schützt.

Rückendeckung oder Säge für Skripnik?

Damit kommen wir zur noch offenen Trainerfrage. Der eigentlich kaum mehr tragbare Skripnik bräuchte dringend ein klares Bekenntnis seiner Vorgesetzten. Dass weder Bode noch Baumann bislang dem Trainer ihr Vertrauen aussprachen, macht die schwierige Situation, in der sie sich befinden, deutlich. Warum man Skripnik nach über 1 1/2 Jahren noch mehr Zeit geben sollte, die bekannten Mängel in seiner Arbeit abzustellen, ist selbst für seine Fürsprecher schwer zu beantworten. Andererseits würde es nicht zum nun eingeschlagenen Kurs passen, als nächstes den ewigtreuen Skripnik zu entlassen. Das wäre so typisch… Eichin?

Es deutet sich daher ein Kompromiss an, der einerseits sehr spannend, andererseits aber auch etwas halbgar wäre: Assistenztrainer Florian Kohfeldt könnte zum Cheftrainer befördert werden. Somit hätte man auch auf der Trainerposition eine gewisse Kontinuität mit Stallgeruch (Kohfeldt ist seit 2001 im Verein), könnte aber gleichzeitig Skripnik aus der schwierigen Situation herauskomplimentieren. Kohfeldt hat seinen Trainerlehrgang als Jahrgangsbester abgeschlossen, gilt als taktisch gewieft und in der Mannschaft beliebt. Wie groß sein Einfluss im derzeitigen Trainerteam ist, lässt sich von außen schwer ausmachen. Welchen Stellenwert er als Cheftrainer zwischen den Werderlegenden Pizarro und Fritz auf sowie Bode und Baumann neben dem Platz haben würde, ist ebenfalls fraglich.

Fazit: It’s complicated!

Das Schöne am Fußball ist: Aus dem Chaos kann etwas Neues, Großes entstehen. Der Optimist in mir möchte daran glauben, dass unter Marco Bode, der sich mit Eichins Entlassung als Machthaber im Verein etabliert hat, tatsächlich etwas Großes entstehen kann. Der Realist zweifelt hingegen an Baumanns Eignung und den richtungsweisenden Entscheidungen im Verein. Der Pessimist hält Bodes Außendarstellung in der letzten Pressekonferenz für eine Farce und hat sich außerdem vor ein paar Tagen schon hier geäußert.

Auch wenn es mangels einer erkenntlichen Neuausrichtung noch schwierig zu bewerten ist, sehe ich Eichins Entlassung zum jetzigen Zeitpunkt als Fehler an. Zu viele Fragezeichen stehen hinter dem Namen Baumann, zu wenig Erfahrung bringt die sportliche Leitung (zu der ich Bode trotz seine eigentlich anderen Funktion zähle) mit, zu schlecht ist der Beigeschmack der Seilschaften zwischen den Beteiligten. In einem halben Jahr wird man schlauer (und meine Zweifel hoffentlich widerlegt) sein.

Winterpausengedanken

1. Testspiele

Drei Siege und eine deftige Niederlage – so sieht die Bilanz bisher aus. Gesehen habe ich nur das Testspiel in Duisburg, und das war grauenvoll. Ergebnisse aus Testspielen sind mir zwar relativ egal und zur Einordnung der Leistungen muss man die Trainingsumstände mit einbeziehen (Wurde vor dem Spiel noch trainiert? Gab es eine Vorbereitung wie bei einem Pflichtspiel? Was waren die Maßgaben des Trainers?). Unabhängig davon kann man aber festhalten, dass Werder gegen den Drittligisten nicht den Hauch einer Chance hatte, defensiv so trottelig wie eh und je agierte, sowie insgesamt den Eindruck erweckte, nicht sonderlich an diesem Spiel interessiert zu sein. Laufbereitschaft? Kompaktes Verschieben? Einstudierte Offensivaktionen? Alles Fehlanzeige. Man sollte meinen, dass knapp zwei Wochen vor Beginn der Rückrunde jede Chance gesucht wird, sich dem Trainer auf seiner Position aufzudrängen. Allerdings macht es dem Trainer die Auswahl auch nicht leichter, wenn keiner der in Frage kommenden Spieler eine ansprechende Leistung zeigt. Am ehesten wusste noch Aycicek zu überzeugen, da er zumindest einige gute Ideen in der Offensive hatte, aber es war, um es deutlich zu sagen, keineswegs eine Leistung, mit der man in einer Bundesligamannschaft positiv herausstechen sollte.

Zu hoch hängen sollte man das Spiel jedoch nicht. Schon die Testspiele zuvor haben gezeigt, dass defensiv noch viel Arbeit vor dem Team liegt. Skripnik sprach denn auch von einer “gesunden Niederlage”, weil den Spielern nun die Defiziten deutlicher gemacht werden könnten. Das war hoffentlich eine Standardfloskel, denn wenn das Team ernsthaft Spiele wie in Duisburg bräuchte, um auf die tiefgreifenden Probleme im Defensivspiel aufmerksam gemacht zu werden, könnte man die Hoffnung auf den Klassenerhalt wohl schon jetzt begraben.

2. Abgänge

Weiß endlich wo’s lang geht: Eljero Elia

Drei Spieler wurden in der Winterpause abgegeben und bei allen Dreien war es sowohl absehbar, als auch vernünftig. Ludovic Obraniak hatte zwar eine neue Chance bekommen unter Viktor Skripnik, war jedoch schnell wieder aus der erweiterten Stammelf gerutscht und stand zuletzt nicht nur hinter Nachwuchshoffnung Aycicek, sondern auch hinter dem Siebzehnjährigen Eggestein. Eine Trennung war somit unausweichlich. Nils Petersens Wechsel zu Freiburg überraschte nur insofern, als dass man damit einen direkten Konkurrenten vermeintlich stärkte (wobei auch der Witz die Runde machte, dass man die Freiburger damit gezielt schwächen wollte). Bei Petersen kamen zwei Dinge zusammen, die ihn bei Werders aufs Abstellgleis beförderten: 1.) Ein anhaltendes Formtief, gepaart mit langen Durststrecken ohne Treffer, was – wie bei Stürmern üblich – zu einem Verlust des Selbstbewusstseins führte. 2.) Generelle Vorbehalte gegen seine Tauglichkeit, da seine Schwächen (Technik, Ballbehauptung, Spiel mit dem Rücken zum Tor) auch in guten Phasen allzu deutlich sichtbar waren. Die erstarkte Konkurrenz mit Selke und Lorenzen bedeutete letztlich Petersens Aus in Bremen.

Etwas anders gelagert ist der Fall bei Eljero Elia. Nachdem er die letzte Saison mit recht ansprechenden Leistungen als zweiter Stürmer neben Di Santo beendete, wurde er im Laufe der Hinrunde wieder zum Pflegefall auf zwei Beinen. An Elias sportlichem Potential bestanden nie Zweifel, doch es gibt gute Gründe dafür, dass er in der Bundesliga auf seiner Position nie zu einem überdurchschnittlichen Spieler wurde – und erst recht nicht zu einem Leistungsträger, der seinen qua Gehalt herausragenden Status im Kader rechtfertigen würde. Einerseits zählt Elia zu den Spielern, deren einziger Treibstoff das Selbstbewusstsein ist. Das wurde immer dann deutlich, wenn er eines seiner spärlichen Erfolgserlebnisse hatte und in der Folge sichtlich aufblühte. Andererseits scheint Elia kaum zur kritischen Selbstreflexion fähig. Das wurde immer dann deutlich, wenn Kritik an ihm aufkam oder er nicht berücksichtigt wurde. Weder konnte er aus diesen Rückschlägen irgendwelche Lehren ziehen, noch die Kritik in positive Energie umwandeln. Die Diskrepanz zwischen dem Bild, das er in der Öffentlichkeit gerne von sich zeichnen wollte (“bester Linksaußen Europas”) und seinen überdeutlichen Selbstzweifeln auf dem Platz, die nach jeder schlechten Szene zu wachsen schienen, könnte größer kaum sein. Elia wäre gerne ein Künstler, lässt aber das einfache Handwerk vermissen. Das kann sich ein Verein wie Werder in der aktuellen Situation nicht leisten. Bei Southampton, einem gut eingespielten Kollektiv mit der besten Defensive der Premier League, mag das anders aussehen. Ob Elia dort jedoch mit den unweigerlich kommenden Rückschlägen besser fertig wird, steht auf einem anderen Blatt.

3. Zugänge

Alle drei Abgänge spielten unter Skripnik keine Rolle mehr im Team. Sie müssen somit nicht direkt ersetzt werden. Die Forderung nach Neuzugängen ist daher auch losgelöst von diesen Transfers. Die Schlagrichtung hat sich dabei in den letzten Monaten jedoch ein Stück weit geändert. Zwar fordern Teile der Fans immer noch einen Großeinkauf und “dass der Verein endlich mal richtig ins Risiko geht”. Eine grundlegende Änderung der Einkaufspolitik hat es trotzdem nicht gegeben. Das dürfte zu einem nicht unwesentlichen Teil an der gelungenen Integration mehrerer Nachwuchsspieler unter Viktor Skripnik liegen. Der als “alternativlos” bezeichnete Weg der Einbindung eigener Talente wird nun auch gegangen, nicht nur ausgemalt. Ohne Neuzugänge dürfte es dennoch schwierig werden, die Klasse zu halten. Dabei stehen nun nicht mehr offensive Hoffnungsträger wie Bryan Ruiz im Mittelpunkt des Interesses, sondern erfahrene Spieler auf den wichtigsten Defensivpositionen: Torwart (siehe unten), Innenverteidigung und defensives Mittelfeld.

Wird entweder der der neue Micoud oder der neue Diego: Levin Öztunali

In der Innenverteidigung stehen theoretisch vier erfahrene Spieler zur Verfügung, doch durch Prödls Verletzung (und schwierige Vertragssituation) und Caldirolas tiefes Formloch ist die Position, die im Sommer noch tief genug besetzt schien, zum großen Problem geworden. Nachwuchsmann Hüsing scheint mir noch nicht weit genug zu sein und Lukimya sollte in einer Bundesligamannschaft nicht mehr als ein Ergänzungsspieler sein. Bleibt lediglich Gálvez als Konstante, der bislang aber auch nur an Prödls Seite wirklich überzeugen konnte. Ein weiterer Innenverteidiger wäre wünschenswert, ergibt aber nur bei einem gleichzeitigen Abgang Sinn. Einziger Kandidat dafür wäre Caldirola (Lukimyas Vertrag wurde erst verlängert und wer kauft schon einen verletzten Prödl, der im Sommer ablösefrei zu haben ist?). Ob man die Hoffnung in den Italiener aber schon vollständig aufgegeben hat, weiß ich nicht. Mehr als ein weiteres Leihgeschäft kann ich mir dennoch nicht vorstellen.

Die Problematik im defensiven Mittelfeld besteht schon so lange, dass ich schon nicht mehr damit gerechnet habe, dass man sie bei Werder noch bemerkt. Es ist mir unbegreiflich, dass seit Baumanns Karriereende, also seit fünfeinhalb Jahren bzw. elf Transferphasen, nie Geld für einen richtig guten Sechser in die Hand genommen wurde (Makiadi lasse ich nicht gelten, denn bei ihm war vorher klar, dass er kein eigentlicher Sechser ist, sondern wahlweise Achter/Box-to-Box-/Verbindungsspieler). Wahlweise setzte man auf den Nachwuchs (Bargfrede), holte unerfahrene Talente (Trybull) oder schulte Spieler um (Kroos, Gálvez). Wie konnte ein Verein, der soviel auf seine Tradition mit der Raute im Mittelfeld gibt, nur die Bedeutung einer solch wichtigen Position so massiv unterschätzen? Doch auch die lokale Presse träumt noch immer von einem neuen Johan Micoud, statt sich die Konkurrenz anzuschauen und einen Daniel Baier zu fordern. Neuzugang Levin Öztunali ist für mich daher eher eine “Zugabe”, ein Spieler für die Breite in der Offensive, der im Sommer für ein Jahr die Nachfolge Junuzovics antreten könnte.

Auf der Sechserposition ist der Bedarf im Kader meiner Meinung nach am Größten (siehe Punkt 5). Im Winter wird es doppelt schwer, dieses Versäumnis nachzuholen. Gesucht wird kein reines Kampfschwein oder Zweikampfgott, sondern ein intelligenter und technisch starker Spieler vor der Abwehr, der gutes Positionsspiel, Passicherheit und strategische Fähigkeiten mitbringt. Kein leichtes Anforderungsprofil, aber andere Vereine haben bewiesen, dass man keinen dicken Geldbeutel braucht, um dort fündig zu werden.

4. Torwartdiskussion

Die dritte kritische Position ist die des Torwarts. Hier ist Eichin alles andere als clever vorgegangen, hat sich sehr früh weit aus dem Fenster gelehnt und somit dazu beigetragen, dass Werder in diesem Winter ein großes Torwartproblem hat. In erster Linie liegt der Grund dafür natürlich in Wolfs Leistungen. Leider konnte er sich nach seiner soliden Rückrunde nicht weiterentwickeln, sondern ließ genau die Mängel erkennen, die ihm seine Kritiker schon lange vorhalten: Probleme bei der Strafraumbeherrschung, Antizipation und Spieleröffnung. Wolf geht wenige Risiken ein und schießt daher auch nur selten richtige (offensichtliche) Böcke. Mit seiner passiven Art hat er dennoch seinen Anteil an Werders wackliger Defensive. Ob er in der Hinrunde der schwächste oder nur einer der schwächsten Stammtorhüter der Liga war, möchte ich nicht beurteilen. Festhalten kann man aber, dass er mit den gezeigten Leistungen nicht die unumstrittene Nummer 1 sein sollte.

Doch keine Konkurrenten: Richard Strebinger und Raphael Wolf

Durch Eichins Äußerungen wurde dieses Problem jedoch nach außen getragen und inzwischen zeigen sich alle Beteiligten so genervt von der Situation, dass jedes noch so überzeugend vorgetragene Bekenntnis zu Wolf nicht mehr glaubwürdig ist. Die Diskussion soll mit aller Macht beendet werden. Wie aber soll das gehen, wenn offensichtlich wurde, dass Werders Vereantwortliche Strebinger und Husic für (noch?) nicht bundesligatauglich halten und aus dem Wunsch Felix Wiedwald als Herausforderer für Wolf zu verpflichten, nie einen Hehl machten? Wie könnten sie auch mit dem Status Quo zufrieden sein, dass die Nummer 1 schwächelt und niemand da ist, der (analog zu Wolf/Mielitz letzte Saison) die Situation nutzen könnte? Die nun gefundene Übergangslösung mit Casteels als Leihgabe bis Saisonende ist zumindest aus vertraglicher Sicht sinnvoll (sofern man mit Wiedwald bereits einig ist, wovon ich ausgehe). Sportlich sind jedoch gewisse Zweifel angebracht. Es ist nicht optimal, angesichts der Situation nur eine vorgebliche Nummer 2 zu verpflichten, doch zumindest hat Skripnik nun zwei Torhüter mit Bundesligaerfahrung im Kader und einen größeren Konkurrenzkampf auf der Position.

5. Gegentorflut

39 Gegentore setzte es in der Hinrunde, so viele wie noch nie in Werders Bundesligageschichte. Das ist überaus besorgniserregend und der Schlüssel zum Klassenerhalt wird sein, diese Flut an Gegentoren einzudämmen. Nur wie? Sowohl Schaaf (Rückrunde 2013) als auch Dutt (2013/14) haben dieses Problem nur zeitweise und unter weitgehendem Verzicht auf eigene Offensivbemühungen in den Griff bekommen. Bislang deutet wenig darauf hin, dass sich dies unter Skripnik ändert. Zwar ist Werder im Vergleich zum desaströsen ersten Saisonviertel etwas stabiler geworden, doch auch unter Skripnik setzte es im Schnitt zwei Gegentore pro Bundesligaspiel.

Die größte Stärke, die die Rautenformation in der Defensive hat, ist die 4-3-Stellung in Abwehr und Mittelfeld, mit der sich die Schnittstellen im Zentrum (zumindest in der Theorie) gut verschließen lassen. Diese Stärke muss Werder nutzen. Ich bin kein Fan davon, möglichst viele Offensivspieler in die Raute zu integrieren. Viel wichtiger ist die richtige Balance der hinteren drei Rautenspieler, zumal die Viererkette dahinter alles andere als sattelfest ist. Da Junuzovic auf der linken Halbposition gesetzt sein dürfte, sollte die rechte Halbposition meiner Meinung nach standardmäßig defensiver besetzt werden. Dies war in der Hinrunde der Fall, als Clemens Fritz von Skripnik dorthin versetzt wurde. Der in die Jahre gekommene Fritz hat jedoch bei allen verbliebenen Qualitäten deutliche Schwächen und funktioniert meiner Meinung nach nur vor einem deutlich überdurchschnittlichen Sechser. Ich sehe Bargfrede potentiell immer noch als solchen, aber mangels konstantem Aufbauspiel und strategischem Geschick nicht in einer Raute. Felix Kroos hingegen ist in diesen Bereichen stärker und an guten Tagen ein geeigneter Spieler für diese Position. Allerdings ist er zu unkonstant und zweikampfschwach, braucht somit zwingend einen zuverlässigen Ausputzer an seiner Seite – einen wie Bargfrede.

Vieles spricht also dafür, Kroos und Bargfrede neben Junuzovic spielen zu lassen, doch damit schafft man sich ein neues Problem: Wohin mit Clemens Fritz? So oder so sind es nur Notlösungen, die Werder mit dem aktuellen Kader aufbieten kann. Versucht Skripnik also die Flucht nach vorne, wie gegen Duisburg? Oder wird Werder doch noch auf dem Transfermarkt tätig?

6. Prognose

Die “Skripnik-Bilanz”, nach der Werder seit dem Trainerwechsel auf Platz 5 der Tabelle liegt, macht in der Tat Hoffnung, dass Werder in der Rückrunde mehr Punkte holen könnte, als in der Hinrunde. Vor allem in den Heimspielen hinterließ Werder einen guten Eindruck und holte 10 von 12 möglichen Punkten. Da man zum Rückrundenauftakt in den ersten vier Spielen dreimal im Weserstadion antreten darf, liegt der Gedanke nahe, dass Werder sich schon nach dem 21. Spieltag vom Tabellenende abgesetzt haben könnte. Da die Gegner jedoch Hertha, Leverkusen und Augsburg heißen, glaube ich nicht daran, dass dies so eintreten wird. Auch einen anhaltenden Aufwärtstrend erwarte ich nicht in der Rückrunde. Ich rechne mit einem Kampf um den Klassenerhalt bis zum Saisonende.

Torsten Frings und Viktor Skripnik: Hütchen- oder Hoffnungsträger?

Die Hypothek von vier Punkten aus den ersten neun Spielen wiegt noch immer schwer. Nichtsdestotrotz besteht bei der jungen Mannschaft die Chance, im Laufe der Rückrunde das Spielniveau zu steigern. Wenn es wider erwarten gelingt, die Defensive zu stabilisieren und Werder von Verletzungen verschont bleibt, möchte ich nicht ausschließen, dass das Team die guten Ergebnisse unter Skripnik fortsetzt und sich im Mittelfeld der Liga etabliert. Es gibt etliche Spieler im Kader, von denen man einen Formanstieg (Garcia, Caldirola, Kroos) bzw. eine Weiterentwicklung (Aycicek, Öztunali, Selke, Lorenzen, Zander) erwarten kann. Doch Entwicklungen verlaufen im Fußball selten linear. Gleichzeitig ist nicht sicher, ob Junuzovic, Di Santo und Bartels ihre Form aus der Hinrunde konservieren können.

Letztlich sind es vor allem die vielen Variablen in Werders Erfolgsformel, die mich an einem Leistungsschub zweifeln lassen. Solange die defensiven Probleme im Zentrum nicht gelöst sind – und hierzu zähle ich ausdrücklich Verstärkungen auf der Sechs und in der Innenverteidigung – zählt Werder für mich daher zu den vier bis fünf wahrscheinlichsten Abstiegskandidaten. Vom Potential her braucht es aber nicht viele Anpassungen, um aus dem Kader wieder ein Team fürs gesicherte Mittelfeld zu machen. Dies war – man erinnere sich – auch das vor der Saison ausgegebene Ziel. Noch ist es möglich, dies zu erreichen, aber durch das dünne Eis unter den Füßen schimmert weiterhin bedrohlich der Abgrund der zweiten Liga.

Werder Bremen vor der Saison 2013/14

Am Sonntag beginnt für Werder in Saarbrücken die Saison Eins nach Thomas Schaaf. Nachdem die letzten drei Jahre – egal wie man es dreht und wendet – die in Kombination erfolglosesten seit dem Wiederaufstieg 1981 waren, soll unter der Leitung von Robin Dutt und Thomas Eichin alles besser werden. Dabei werden die beiden neuen Entscheidungsträger nicht müde zu betonen, dass eine Umkehr der sportlichen Talfahrt Zeit braucht. Wird die kommende Saison also nicht mehr als ein Aussähen der Erfolgsspur für kommende Jahre?

“Besser als letzte Saison”

Sowohl der neue Trainer als auch der neue Sportdirektor wissen nur zu gut, dass sie es sich nicht leisten können, rein auf zukünftige Erfolge zu spekulieren, wenn in der Gegenwart der Abstiegskampf droht. Sie haben keinen Erfolgsbonus aus der Vergangenheit, der Schaaf und Allofs lange Zeit vor übermäßiger Kritik schützte. Andererseits hat sich die Erwartungshaltung in Bremen inzwischen der neuen Realität angeglichen. Kaum jemand erwartet für die Saison 2013/14 ernsthaft mehr als einen gesicherten Mittelfeldplatz oder würde einen solchen gar als Misserfolg bewerten. Deshalb tun Dutt und Eichin derzeit auch gut daran, die Erwartungen nicht grundlos zu schüren und jenseits des “besser als letzte Saison” kein offizielles Saisonziel auszuloben. Wie schnell aus einer trostlosen Stimmung eine Euphorie entstehen kann, die Werder auf dem Weg zurück in die Champions League Ränge sieht, haben wir zu Beginn der letzten Saison festgestellt.

In dieser Sommerpause ist die allgemeine Stimmungslage wohl mit “vorsichtig optimistisch” am besten beschrieben, wobei sich der Optimismus vor allem darauf bezieht, nicht erneut bis kurz vor Saisonende gegen den Abstieg kämpfen zu müssen. An einer überzogenen Erwartungshaltung wird man in dieser Spielzeit gewiss nicht scheitern. Nicht einmal die zwischenzeitliche Niederlagenserie in der Vorbereitung sorgte – außerhalb der einschlägig bekannten Medienerzeugnisse – für großen Wirbel. Zwar ist die Verunsicherung als Folge der miserablen letzten Rückrunde noch immer spürbar, doch die Bereitschaft der meisten Fans, dem neuen Trainer Zeit beim Formen seiner Mannschaft zugewähren, scheint ungebrochen.

Drahtseilakt für Dutt und Eichin

Dies kann sich freilich schnell ändern, wenn der Saisonbeginn ähnlich schwache Ergebnisse bereithält. Nicht umsonst hört man in diesem Sommer noch häufiger als sonst die Floskel, dass es auf einen guten Saisonstart ankomme. Hierbei wird jedoch auch der Drahtseilakt offensichtlich, den Dutt und Eichin zu bewältigen haben. Einer der Kritikpunkte lautete zuletzt immer wieder, dass junge Spieler bei Werder zu wenig Chancen und Einsatzzeit bekämen. Ein Vorwurf, der mit der Verjüngung des Kaders in den letzten Jahren nur bedingt ausgeräumt werden konnte. Denn problematisch war weniger eine generelle Vernachlässigung junger Spieler als eine zu geringe Durchlässigkeit zwischen eigenem Nachwuchsbereich und Profiteam. Dies zu ändern ist eine Aufgabe, die nur langfristig und mit großen Anstrengungen des gesamten Vereins gemeistert werden kann. Die Jugendarbeit soll verbessert und unter ein einheitliches Konzept gestellt werden, die U23 sich von Ihrem Image als Talentfriedhof befreien und die Profiabteilung den jungen Spielern mehr Einsatzzeiten ermöglichen. Gleichzeitig muss aber auch noch eine Bundesligasaison absolviert werden, in der klare Verbesserungen zumindest zur letzten Rückrunde erkennbar sein sollen.

Während bei der Jugendarbeit jedem noch so ungeduldigen Kritiker klar sein dürfte, dass die Erfolge der ergriffenen Maßnahmen frühestens in einigen Jahren beurteilt werden können, setzt in der Bundesliga schnell das ein, was als “Gesetzmäßigkeit der Branche” bezeichnet wird: Nur wer gewinnt hat recht. Solange Werder sich aus der Abstiegszone fernhält, wird die B-Note für die Bewertung von Robin Dutts Arbeit herangezogen: Wie entwickelt sich das Team? Wie funktioniert das neue System? Sind Verbesserungen im individual- und mannschaftstaktischen Bereich erkennbar? Stimmt die Einstellung? Gerät Werder jedoch erneut in den Abstiegsstrudel ist es schnell vorbei mit dem Blick für die Details. Dann werden erneut Fragen nach der Qualität des Kaders aufkommen und ob es nicht ein viel zu hohes Risiko war, erneut mit einer solch jungen Mannschaft in die Saison zu starten. Eichin wird sich für fehlende Transfers verantworten müssen und Dutt für die Fehler in seinem System.

Weichenstellungen für die Zukunft

Ich persönlich gehe mit einer gehörigen Portion Optimismus in die neue Saison. Nicht, weil ich glaube, dass nun, wo Schaaf nicht mehr Trainer ist, automatisch alles besser wird. Auch nicht, weil ich einen kometenhaften Aufstieg in den kommenden Jahren erwarte (der Vergleich mit dem BVB von 2008 hält sich hartnäckig), sondern weil Werder Bremen im Jahr 2013 etwas geschafft hat, was ihm viele Kritiker – und da will ich mich nicht ausnehmen – nicht mehr zugetraut haben: Der Verein hat sich von selbst erneuert. Es wurde mit Eichin ein Geschäftsführer von Außen hinzugeholt, der einen distanzierteren Blick auf die sportliche Situation hatte und somit frei von Sympathiebonus und Dankbarkeit für vergangene Erfolge Entscheidungen treffen konnte. Mit Dutt wurde ein Trainer verpflichtet, der sowohl zur jungen Generation der “Konzepttrainer” zählt, als auch schon Erfolge im Bundesligafußball vorweisen kann. Dazu kommen einige Personalentscheidungen im Nachwuchsbereich sowie die Einbindung des noch immer recht neuen Aufsichtsratsmitglieds Marco Bode, der sich die Jugendförderung auf die Fahnen geschrieben hat.

Häufiger habe ich in den letzten Monaten die Meinung gehört, Werder habe durch die Trennung von Thomas Schaaf sein Gesicht verloren. Dahinter steht jedoch auch immer die Chance, sich ein neues Gesicht anzueignen. Ich glaube, dass in diesem Jahr die entscheidenden Weichen dafür gestellt wurden. Vereine, die aufgrund ausbleibender Erfolge hauptberuflich in Erinnerungen an vergangene Heldentaten schwelgen, gibt es im deutschen Fußball wahrlich genug. Werder Bremen soll nicht einer von ihnen werden.

In diesem Sinne: Auf eine schöne und erfolgreiche Saison 2013/14!

Meine Top 10 der Hinrunde

Zum Jahresabschluss noch ein kleiner Countdown: Meine Top 10 Themen der Hinrunde

10. Tim Wiese

Für Wiese war es eine katastrophale Hinrunde, mit einer Flut von Gegentoren, etlichen Patzern, Verletzungen und letztlich dem Verlust des Stammplatzes. Das Kapitel Hoffenheim könnte schon bald vorbei sein. Die Häme aus Bremen geht mir aber fast schon etwas zu weit. Im Sommer regt man sich über die “blöden Hamburger” auf, die Elia unnötigerweise auspfeifen, und ein paar Monate später singt man Tim Wiese in die zweite Liga? Guter Stil geht anders.

9. Pyrotechnik

Allein heute Nacht werden sich wieder mehr Menschen an Feuerwerkskörpern verletzen, als in der gesamten Bundesligageschichte. Das soll kein Plädoyer für Pyrotechnik im Stadion sein, nur die absurden Ausmaße aufzeigen, die dieses eigentlich kleine Thema inzwischen erreicht hat. Ich wünsche mir für 2013 ein wenig mehr Sachlichkeit von allen Beteiligten beim Thema Stadionsicherheit.

8. Schiedsrichterdiskussionen

Ein leidiges Thema. Diskussionen über den Schiri gehörten schon immer zum Fußball, aber die hysterischen Züge, die sie in dieser Saison annahmen, gingen zu weit und waren am Ende einfach nur noch nervig. Grundtenor: Fehler macht jeder mal, aber bitteschön nicht gegen meine Mannschaft! Vielleicht sollten sich Spieler und Trainer zur Abwechslung mal selbst hinterfragen, ob und wie sie durch ihr ständiges täuschen, lamentieren und diskutieren zu der von ihnen kritisierten Situation beitragen.

7. Eintracht Frankfurt

Die (neben Freiburg) Überraschungsmannschaft kommt aus Frankfurt. Als Aufsteiger in die Bundesligaspitze vorgedrungen, lange Zeit Verfolger Nummer 1 der Bayern gewesen und dabei schönen Offensivfußball gespielt. Vehs Ansatz ist für die Bundesliga eher untypisch. In den letzten Jahren waren es eher die defensivstarken und offensiv effizienten Mannschaften mit gutem Umschaltspiel, die die Liga aufmischten. Frankfurt zeigt, dass es auch anders geht. Mal sehen wie lange.

6. Thomas Eichin

Kurz vor Jahresende wurde dann doch noch der neue Geschäftsführer Sport vorgestellt. Letztlich hat Werder hier vieles richtig gemacht, kühlen Kopf bewahrt, zunächst die wichtigsten internen Entscheidungen (Filbry, Baumann) getroffen und sich dann einen externen Mann mit gutem Profil dazu geholt. Schon bei den anderen Kandidaten hat sich gezeigt, dass man nicht weiter im eigenen Saft garen will, sondern dass frischer Wind von außen erwünscht ist. Dass Eichin erst nach Beendigung der DEL-Saison kommt, weil er dort noch seine “Mission zu Ende führen” will, macht ihn nicht unsympathischer.

5. 12:12

Die Stille war beeindruckend, fast schon beängstigend. Ein völlig neues Gefühl in einem Bundesligastadion, das an Sonntagnachmittage auf Amateurplätzen erinnerte. Beeindruckend auch, dass die Fans verfeindeter Vereine durchaus zusammenhalten, wenn es um eine gemeinsames Ziel geht. Beim letzten Heimspiel in Bremen kam es jedoch zu Auseinandersetzungen zwischen Unter- und Oberrang der Ostkurve, die sich gegenseitig auspfiffen.

4. Die deutsche Champions League

Alle drei deutschen Teams als Gruppensieger weiter. Wer hätte das nach der Auslosung schon gedacht? Die Bayern bis auf den Aussetzer gegen BATE gewohnt souverän, Schalke lässt Arsenal hinter sich und Dortmund macht endlich den Qualitätssprung auf internationaler Ebene. Sehr erfreulich für den deutschen Fußball. Auch wenn ich international nicht per se zu den deutschen Teams halte, gönne ich zumindest Schalke und Dortmund den Erfolg und hoffe, dass sie möglichst weit im Wettbewerb kommen.

3. Bayerischer Verfolgungswahn

Souveräner Herbstmeister. In Pokal und Champions League problemlos weiter. Dennoch wird man bei den Bayern das Gefühl nicht los, dass sie die Situation kaum genießen können. Nervöse Blicke über die Schultern, ob da nicht doch ein Klopp oder ein Di Matteo aus dem Windschatten heran gerauscht kommt. Dabei könnte man sich über das Erreichte durchaus jetzt schon freuen, denn nach dem Vize-Triple letzte Saison war das (trotz großem Portemonnaie) nicht selbstverständlich.

2. SC Freiburg

Absolut beeindruckend, was man in nur einem Jahr als Trainer bewirken kann. Streich hat sein Team innerhalb kurzer Zeit zu einer echten Pressingmaschine gemacht, die zuletzt ein bis zwei Klassen über der individuellen Stärke der Spieler agierte. Ich habe mir Streich im Sommer als Werdertrainer gewünscht und könnte mir immer noch gut vorstellen, dass sein System gut zu den Spielern hier passen würde. Zu der Hinrunde kann man Streich und den Freiburgern jedenfalls nur gratulieren.

1. Klaus Allofs

Erfüllte sich seinen Kindheitstraum und wurde Manager beim VfL Wolfsburg, in dessen Bettwäsche er große Teile seiner Jugend verbracht hatte. Hilft nun anderen Wölfe-Fans (Hecking, Arnautovic, De Bruyne) dabei, sich ebenfalls ihre Kindheitsträume zu erfüllen. Herzlichen Glückwunsch!

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern einen guten Rutsch und ein tolles, grünweißes Jahr 2013!