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Training mit Lell

Endlich mal wieder bei einem Werdertraining vor Ort gewesen. Wieder mal begleitet von meinem Neffen Lennart, inzwischen fünf Jahre alt. Beim letzten Mal gab’s für ihn ein Autogramm von Wiese, diesmal ein Werder Replica-Shirt in XS. Seine kleine Schwester kann noch nicht “Lenni” sagen, nennt ihn seit ein paar Wochen “Lell”. Wollen wir hoffen, dass seine Chancen auf eine Profikarriere dadurch nicht gefährdet werden.

Zu Werder: Ansehnliches Trainingsspiel mit einem Rautensystem ohne Özil in der A-Mannschaft. Im zweiten Teil dann ein 4-3-3 mit Özil und Arnautovic, dafür Hunt und Bargfrede raus. Marin in beiden Spielen im B-Team. Arnautovic mit einer schönen Flanke und Özil mit einem Kopfballtor. Messi halt. Borowski macht einen sehr guten Eindruck.

Neben dem Platz viele lustige Kommentare. Zu Arnautovic: “Also technisch ist er ‘ne Granate, wenn der ins Laufen kommt (schnalzt mit der Zunge).” Zu Fritz: “Wie heißt der? Fritz? Mit Nachnamen? Also der hat ja nen Moppelkopp. Das könnt ich auch noch!” Zu Özil: “Wenn er gehen will, dann soll er gehen. Für so viel Geld würde ich auch gehen. Meine Frau und die Kinder würde ich aber hier lassen.” Zu Rosenberg und Vranjes: “Also dass die hier ihre Verträge aussitzen und den fetten Reibach machen, das ist doch wirklich beschämend.”

Der beste Kommentar kam allerdings von meinem Neffen: “Die rennen ja so langsam, das sieht aus wie Joggen!” Andere brauchen für solche Weisheiten fünfundsechzig Jahre Lebenserfahrung.

Wiese in den Sturm

Tim Wieses Chancen bei der WM 2010 im Tor der deutschen Nationalmannschaft zu stehen sind eher gering. Beim Training mit seinen Werder-Kollegen am Donnerstag überlegte man sich daher eine Geheimtaktik, die den sympathischen Rheinländer doch noch in Jogis Kader bringen soll: Wiese spielte im Trainingsspiel einen klassischen Rechtsaußen. Man kommt nicht umhin, diese Position als Schwachstelle in Löws neuem Vier-Drie-Drie-System zu erkennen. Hier sehen Wiese und Trainer Schaaf offenbar die größten Chancen, noch auf den WM-Zug aufzuspringen.

Wiese vergab in bester Werderstürmer-Manier zwar auch die besten Torchancen, ließ seinen Gegenspieler Niklas Andersen mit einigen Tempodribblings jedoch reichlich blöd aussehen. Alles in allem dürften Schaaf und sein Trainergespann deshalb sehr zufrieden gewesen sein. Das Einsetzen von Spielern auf anderen Positionen hat bei Werder Tradition. So wurden die ehemaligen Stürmer Torsten Frings, Paul Stalteri, Clemens Fritz und Martin Harnik (mal mehr, mal weniger erfolgreich) in defensivere Rollen umpositioniert. Warum sollte dies nicht auch anders herum funktionieren?

Mein Neffe – 4 Jahre alt und riesiger Werder- sowie Wiese-Fan – freute sich jedenfalls jedes Mal, wenn Wiese den Ball zugespielt bekam. Er fragte mich zwar wiederholt, warum “Timmey” keine Handschuhe anhabe und gab sich mit meiner Antwort (“Frag doch mal den grimmigen Mann mit dem Schnauzer und der grauen Trainingsjacke.”) auch nicht wirklich zufrieden, doch insgesamt überwog die Freude, sein Idol mal aus nächster Nähe anschauen zu dürfen. Als er dann nach dem Training noch ein Autogramm auf sein Trikot bekam, war er vollends dahin geschmolzen und blieb auf der gesamten Rückfahrt sprachlos.

Tim Wieses neue Position hat noch einen weiteren positiven Nebeneffekt: Nun will mein Neffe nicht mehr unter allen Umständen Torwart werden, sondern liebäugelt mit einer Karriere als Torjäger. Gerd Müllers Rekord ist also wieder akut in Gefahr.