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Meine EM: Ronaldo erlegt kollabierende Tschechen

Tschechien – Portugal 0:1

Eine Halbzeit lang hatte Portugal nicht viel zu bieten, was eine Qualifikation fürs Halbfinale rechtfertigen würde. In der zweiten Halbzeit zeigte das Team jedoch eine Leistungssteigerung, die zu einem klaren, wenn auch hart erarbeiteten Sieg reichte. Tschechien enttäuschte hingegen offensiv und hatte außer der Aussicht auf ein Elfmeterschießen nicht viel zu bieten.

Tschechische Manndeckung, rochierende Portugiesen

Tschechiens Ansatz war eine Art Zwitter aus Mann- und Raumdeckung in der Defensive, mit der Portugal lange Probleme hatte. Die Außenverteidiger verfolgten Ronaldo und Nani fast über den ganzen Platz. Dadurch kam der schwache Spielaufbau der Portugiesen über die Holzfüße Pepe und Bruno Alves noch mehr zum Vorschein. Nach und nach bekam man aber einen Dreh in das Spiel. Moutinho überzeugte als Ballverteiler in der Zentrale und Ronaldo versetzte die tschechische Abwehr mit ständigen Positionswechseln in Panik. Nani hielt dagegen die Außenbahn und sorgte für Breite im Spiel, wechselte dabei aber gelegentlich auf den linken Flügel, was Gebre Selassie vor Probleme stellte.

Nach vorne ging bei Tschechien wenig bis gar nichts. Torchancen waren Mangelware und es war überhaupt nur selten ein Ansatz zu erkennen, wie man es bis vors portugiesische Tor schaffen könnte. Rosickys Fehlen machte sich an allen Ecken und Enden bemerkbar. Sein Stellvertreter Darida blieb offensiv völlig wirkungslos und die einsame Spitze Baros durfte gelegentlich mal einem langen Ball hinterher jagen oder ein hohes Anspiel zurücklegen – mehr nicht. Auf der linken Seite sorgte Pilar sporadisch für Gefahr, doch auch er war meistens zu sehr in defensive Aufgaben eingebunden, um wirklich zum Problem für Portugal zu werden.

Portugal erhöht den Druck, Ronaldo gewinnt das Duell mit dem Pfosten

Konnte man bis zur Pause immerhin von einer starken Defensivleistung der Tschechen sprechen, die Portugal weitgehend neutralisierte, verlor man in der zweiten Halbzeit sukzessive den Zugriff auf die portugiesischen Stürmer. Nach der Einwechslung von Hugo Almeida hatte man im Zentrum einen Spieler für hohe Anspiele, was sich nicht gut mit der tschechischen Taktik vertrug, das Spiel der Portugiesen auf die Flügel zu lenken. So hielt man Portugal zwar von Schnittstellenpässen in den Strafraum ab, sah sich aber einer zunehmenden Gefahr nach Flanken ausgesetzt. Als Ronaldo zwölf Minuten vor dem Ende zum 1:0 traf, war der Treffer längst überfällig.

Bei allem Lob, das man für die portugiesische Leistungssteigerung aussprechen muss, fällt es schwer, die Mängel im Spielaufbau wegzureden. Die Defensivabteilung wurde gegen Tschechien zudem kaum gefordert, aber ich sehe Portugal nicht unbedingt als unüberwindbares Abwehrbollwerk. Gegen Spanien (oder Frankreich?) kommt nun der echte Einstufungstest. Werden sie dort so diszipliniert und abwartend spielen, wie über weite Strecken gegen Deutschland? Dort ging es auf Kosten der Offensivkraft. Das Mittelfeld der Portugiesen gefällt mir hingegen immer besser, neben dem starken Veloso vor allem auch Moutinho, der sich von Spiel zu Spiel steigerte. Zwar fehlt ohne Danny im offensiven Mittelfeld noch immer ein Spieler für die Zwischenräume, aber immerhin klappt nun die Ballverteilung aus dem zentralen Mittelfeld. Dadurch ist man nicht mehr so abhängig von den Flügeln und Ronaldos individueller Klasse – auch wenn diese hier spielentscheidend war.

Tschechien war mit dem Gruppensieg schon mehr als gut bedient und scheidet zu Recht aus dem Turnier aus.

Meine EM: 3. Spieltag: Showdown ums Viertelfinale

Gruppe A

Polen – Tschechien 0:1

Die beiden Außenseiter sind weitergekommen und ich muss zugeben, dass ich nur die beiden unterlegenen Favoriten vor dem Turnier richtig eingeschätzt habe. Polen ist letztlich vor allem an seinem zu schwachen Kader gescheitert. Über Rechts war man gefährlich und mit viel Einsatz und Motivation spielte man phasenweise gut auf. Viel mehr hatte das Team aber nicht zu bieten. Je länger die Spiele dauerten, desto einfallsloser wirkte das, was Smudas Spieler ablieferten. Dazu kam der größer werdende Druck und wohl auch die Versagensangst. Zwei Punkte sind für einen Gastgeber ein Armutszeugnis und so kann sich niemand über das Ausscheiden beschweren. Tschechien war sicher kein übermächtiger Gegner, hat aber eine technisch starke Mannschaft und konnte sich trotz taktischem Blackout gegen Russland am Ende sogar als Gruppensieger durchsetzen. Ich sehe das eher als Schwäche der Gegner, denn als Zeichen, dass Tschechien auf dem Weg zurück in die europäische Spitze ist. Im Prinzip reichte ihnen eine gute halbe Stunde gegen Griechenland und ein konzentriertes, solides Spiel gegen Polen zum Weiterkommen. Dennoch hätte ich nicht damit gerechnet, dass sie es packen.

Griechenland – Russland 1:0

Russland ist im Nachhinein dann doch eine große Enttäuschung, auch wenn sie im Prinzip nur das wahr gemacht haben, was ich vor dem Turnier vermutet habe: Als Kontermannschaft sind sie mitunter weltklasse, aber gegen einen defensiven Gegner und mit viel Zeit am Ball gehen ihnen die Ideen aus. Die offensiven Spielzüge gegen Tschechien waren großartig und sicher ein Highlight der Vorrunde. Gebracht hat es ihnen nichts außer Vorschusslorbeeren. Gegen Polen spielten sie lange auf Sparflamme und versäumten es, den Vorrundensack zuzumachen. Gegen die defensiven Griechen gerieten sie dann in Panik und fanden keine geeigneten Mittel. Da kann die Torschussstatistik noch so gut aussehen, viele echte Torchancen waren nicht dabei. Deshalb ist der Sieg der Griechen zwar etwas glücklich, beschweren können sich die Russen hingegen nicht. Damit wären wir auch schon bei der Freak-Mannschaft des Turniers. Schlechter als Griechenland kann man nicht in ein Turnier starten: Vom Gegner überrannt, 0:1 hinten, unberechtigter Platzverweis für den einen, Kreuzbandriss für den anderen Innenverteidiger. Im zweiten Spiel sah es noch schlimmer aus. Von Tschechien ließ man sich in den ersten fünf Minuten gleich zwei Dinger einschenken und kam trotz deutlichen Einbruch beim Gegner kaum zu eigenen Torchancen. Und dennoch steht Griechenland im Viertelfinale, weil man eine unglaubliche Zähigkeit an den Tag legt und im letzten Spiel gegen Russland sehr stark verteidigt hat. Ich hätte Griechenland spielerisch etwas stärker erwartet, aber Deutschland wird an der griechischen Defensive zu knabbern haben.

Gruppe B

Deutschland – Dänemark 2:1

Am Ende musste Deutschland noch mal zittern. Portugal führte gegen Holland, Deutschland brauchte einen Punkt und beim Stande von 1:1 unterzog man Bendtners Trikot im deutschen Strafraum einem gründlichen Reißtest. Über einen Elfmeter hätte man sich nicht beschweren können, aber zum Glück blieb die Pfeife stumm und wenig später entledigte Lars Bender das Team von allen unmittelbaren Sorgen. Am Ende stehen neun Punkte auf Deutschlands Konto und das in der schwersten Gruppe des Turniers. Ohne Kritikpunkte kommt man auch im dritten Spiel nicht aus, doch das sollte eher Hoffnung machen als Angst. Eine bessere Mannschaft habe ich im Turnier bislang nicht gesehen und wenn dann sogar noch Steigerungspotenzial und eine starke Bank vorhanden sind, ist das eine glänzende Ausgangslage. Aber Turniere laufen in der K.O.-Runde ja bekanntlich nur selten so ab, wie man nach der Vorrunde denkt. Um Dänemark tut es mir etwas leid, denn sie haben ein tolles Turnier gespielt und sich gut verkauft in der Gruppe. Man merkt dem Team an, dass es Olsens System verinnerlicht hat. So konnte man auch in der “Todesgruppe” mithalten. Lediglich Christian Eriksen hat mich etwas enttäuscht.

Niederlande – Portugal 1:2

Portugal ist gegen Dänemark mit einem blauen Auge davon gekommen, hat sich im letzten Spiel gegen die Niederlande jedoch rehabilitiert. Vor allem Ronaldo zeigte, dass er Portugal mit seiner individuellen Klasse auf ein anderes Niveau heben kann. Aber genau deshalb sehe ich immer noch nicht, wie sie sich mit dieser starken Abhängigkeit von den Flügeln und Ronaldos Geniestreichen sowie dessen weitgehendem Verzicht auf Defensivarbeit auf höchstem Niveau durchsetzen wollen. Gegen Tschechien sollte es aber noch reichen. Für die Niederlande fallen mir hingegen kaum noch Worte ein. Da lief von A bis Z so ziemlich alles falsch, was falsch laufen kann in solch einem Turnier. Zusätzlich zu den bereits bekannten Problemen (schwacher Spielaufbau, kein Ineinandergreifen von Offensive und Defensive, Egoismen einzelner Spieler) ließen die Holländer immer mehr auch jeglichen Mannschaftsgeist vermissen und scheiden so völlig zurecht als Gruppenletzter aus. Zweifellos die Enttäuschung des Turniers.

Gruppe C

Italien – Irland 2:0

Vom Spiel habe ich nur die Tore gesehen. Das 2:0 von Balotelli war überaus sehenswert und verdeutlicht den Zwiespalt, in dem Prandelli steht. Das schlampige Genie spielen lassen oder nicht? Man will auf seine Klasse nicht verzichten, aber das Risiko eines Blackouts ist immer mit im Spiel. Ansonsten bleibt nur festzuhalten, dass Italien die Pflichtaufgabe gelöst hat und diesmal nicht Opfer eines 2:2 im Parallelspiel wurde.

Spanien – Kroatien 1:0

Der Tenor war eindeutig: Langweiliges Spiel der Spanier. Überhaupt scheinen viele vom endlosen Tiki Taka inzwischen eher genervt zu sein. Aber man kann es auch umdrehen: Vielleicht ist Spanien einfach vom Rest der Fußballwelt genervt – oder schlimmer noch: gelangweilt. Als Welt- und Europameister müssen sie nichts mehr beweisen. Da kann so eine Gruppenphase gegen Gegner, die die letzten Monate damit verbracht haben, sich die perfekte Taktik gegen die Spanier zu überlegen, schon ziemlich ermüdend sein. Bei allen Zweifeln, die man ob der vermeintlichen Ineffektivität und der fehlenden Breite im Spiel haben kann und bei allem Lob, das sich Kroatien und vor allem Italien verdient haben: Geschlagen haben sie die Spanier nicht. Spanien ist das “Team to beat”, sie sind der Titelverteidiger, sie sind der Maßstab. Die Herausforderer müssen sich an ihnen abarbeiten und da ist es schon beachtlich, dass mit einiger Luft nach oben “mal eben” sieben Punkte eingefahren wurden. Spanien hat ein wenig gewankt, mehr als Deutschland sogar, aber mehr war es letztlich nicht. Ein klarer Elfmeter wurde den Kroaten verweigert, aber später hätte auch Spanien einen bekommen müssen und am Siegtor gab es regeltechnisch auch nichts auszusetzen. Kroatien fehlte am Ende ein Tor, sonst hätten sie Italien noch verdrängt. Für mich waren sie eine der positiven Überraschungen des Turniers und es ist schade, dass sie in dieser starken Gruppe nicht weitergekommen sind.

Gruppe D

Ukraine – England 0:1

Was für ein schräges Fußballspiel. Das mäßige Niveau in Gruppe A hat wohl niemanden überrascht, aber Gruppe D war keinen Deut besser. Die Ukraine wirkte wie ein ziellos zusammengeschusterter Haufen, der irgendwie den Ball zum nächsten Mann schob und hoffte, dass dabei so etwas wie ein Spielaufbau herauskommt. Jenseits der Mittellinie wurde dann der Turbo gezündet und es ging in hohem Tempo nach vorne. Die Engländer brauchten eine Weile, bis sie sich darauf eingestellt hatten. So kam die Ukraine zu einigen guten Torgelegenheiten. Mit der Zeit biss man sich am englischen Abwehrbollwerk jedoch die Zähne aus. Die Engländer erfüllten zumindest die Erwartungen, die man vor dem Turnier an sie hatten. Das sieht nicht schön aus, ist spielerisch meilenweit von Spanien oder Deutschland entfernt, aber es ist effizient und holt derzeit das beste aus den Spielern heraus. Ich bin gespannt, wie weit sie mit diesem geradlinigen und britischen Fußball kommen können. Der zweite Gastgeber ist hingegen ausgeschieden und auch hier kann man (Torrichter hin oder her) wenig Argumente finden, warum es anders sein sollte.

Frankreich – Schweden 0:2

Verkam anscheinend zu einer Art Freundschaftskick. Schweden stand schon vorher als Gruppenletzter fest und spielte befreit auf. Eigentlich habe ich zu ihnen im letzten Beitrag alles geschrieben und an meiner Meinung ändert auch der Sieg gegen Frankreich nichts. Die Franzosen verstehe ich nicht so recht, sie machen immer das Gegenteil von dem, was ich erwarte. Ihren Ansatz in der Offensive finde ich interessant, aber es scheint eine recht breite Streuung zu geben, was die möglichen Ergebnisse angeht. An einem guten Tag Spanien schlagen? Vielleicht. Aber warum dann nicht an einem mittelmäßigen Tag Schweden besiegen und Gruppensieger werden? Ob das wirklich nur das Gefühl der Sicherheit war, dass beim anderen Spiel eh nichts mehr anbrennt? Oder das Fehlen von Cabaye? Ich weiß nicht.

Meine EM: 2. Spieltag, Gruppe A

Griechenland lässt bei der Niederlage gegen Tschechien spielerische Qualität vermissen. Russland holt in einem packenden Spiel einen etwas glücklichen Punkt gegen Polen, die das letzte Spiel unbedingt gewinnen müssen.

Griechenland – Tschechien 1:2

Schon im ersten Spiel hatten die Griechen Probleme ins Spiel zu finden und brauchten recht lange, bis sie Polens rechte Seite in den Griff bekamen. Auch gegen Tschechien waren sie gegen die schnellen Angriffe zu Beginn des Spiels vor allem über ihre linke Abwehrseite wehrlos. Diesmal gerieten sich mächtig unter die Räder und lagen nach sechs Minuten schon 0:2 zurück. Ohne die beiden etatmäßigen Innenverteidiger musste Santos umstellen und Katsouranis in die Viererkette stellen (wie schon nach dem Platzverweis im Spiel gegen Polen). Das griechische Mittelfeld ist ohnehin dünn besetzt und mit einem unfitten Karagounis liegt zu viel Verantwortung bei Maniatis. Die Angriffsreihe war besetzt wie in der Schlussphase gegen Polen, mit Salpingidis und Fortunis auf Außen und Samaras in der Mitte. Die drei blieben jedoch lange voneinander und vom Rest des Teams isoliert.

Es dauerte erneut rund eine halbe Stunde, bis Griechenland sich einigermaßen fing. Tschechien spielte nach der Führung die technische Überlegenheit im Mittelfeld gut aus und kam sporadisch gefährlich vors Tor, ohne großes Risiko gehen zu müssen. Griechenland kam erneut über den Kampf zurück ins Spiel, hatte aber große Probleme, das eigene Angriffsspiel aufzuziehen. Die Rolle von Fotakis war mir nicht ganz klar, denn er spielte als Zehner weder einen Ballverteiler noch stieß er in die Lücken zwischen Abwehr und Mittelfeld. Nach dem Seitenwechsel wurde es besser, wenn auch auf überschaubarem Niveau. Santos behob mit seinen beiden Wechseln die gröbsten Problemstellen, mehr nicht. Tschechien begnügte sich damit, das Spiel aus dem eigenen Drittel fern zu halten und Griechenland baute trotz zunehmender Dominanz im Mittelfeld keine echte Torgefahr auf. Ein Fehler von Cech brachte sie dann noch einmal heran, doch insgesamt war die Leistung zu dürftig, um sich einen Punkt zu verdienen. Tschechien zeigte sich nach dem Schock gegen Russland verbessert. Man hielt gegen Griechenland die Räume zwischen den Linien enger und spielte besser über die Flügel, doch wegen der frühen 2:0 Führung sind die Spiele schwer miteinander vergleichbar. Die Lethargie in der zweiten Halbzeit hätten sie sich gegen einen stärkeren Gegner nicht erlauben können.

Polen – Russland 1:1

Mehr als ein Fußballspiel, dabei hätte das Geschehen auf dem Platz für meinen Geschmack voll und ganz ausgereicht. Es war eins der besseren Spiele dieser EM, obwohl mich die Russen über weite Strecken etwas enttäuschten (bzw. das bestätigten, was ich vor dem Turnier erwartet habe). Polen ging die Partie etwas gemächlicher an als das Auftaktspiel, wollte nicht überdrehen. Dennoch erspielten sie sich in der ersten Halbzeit ein leichtes Übergewicht. Russland zeigte nur selten die einstudiert wirkenden Spielzüge, mit denen man gegen Tschechien begeistert hatte. Torchancen entstanden hier eher zufällig. Ein Standard brachte dann die etwas glückliche russische Führung.

Polens Rechtslastigkeit macht die Mannschaft leicht ausrechenbar und ist dennoch schwer zu verteidigen. Auch Shirkov hatte arge Probleme mit Kuba und Piszcek. Ansonsten wartete Smuda erstaunlich lange, bis er seiner Mannschaft etwas mehr Offensivpower verlieh und ließ sein Team bis in die Schlussphase recht vorsichtig agieren. Die Angst vor dem Nackenschlag durch einen russischen Konter war deutlich spürbar. Dann kam Kuba und erzielte ein Traumtor. Der Antritt, der Pass in die Schnittstelle, die Mitnahme bei höchstem Tempo und der Abschluss waren großartig und machen den Treffer in ihrer Kombination zu einem der schönsten bei diesem Turnier. Nach dem Ausgleich zeigte Polen dann, dass man sich offensiv vorher etwas unter Wert verkauft hat. Der Sieg wäre am Ende nicht unverdient gewesen.

Mit dem Ergebnis können beide Mannschaften leben. Dank der besonderen Konstellation können alle vier Teams der Gruppe noch aus eigener Kraft ins Viertelfinale kommen – auch Griechenland. Mit einem Sieg gegen Russland wäre man sicher weiter (auch im Fall, dass Tschechien unentschieden spielt und drei Teams je vier Punkte haben, da Tschechien aus dem direkten Vergleich dann mit 3 Punkten und -2 Toren hinter Griechenland mit 3 Punkten und minimal +-0 Toren liegen würde).

Meine EM: 1. Spieltag, Gruppe C

Das bislang beste Spiel bei dieser EM fand am Sonntag zwischen Spanien und Italien statt. Zwei Teams mit interessanten taktischen Ansätzen lieferten sich über 90 Minuten ein packendes und fußballerisch hochwertiges Duell. Das konnte man von Kroatien gegen Irland nicht gerade behaupten. Hier brachten sich die Iren durch kuriose Gegentore schnell um jegliche Siegchance.

Spanien – Italien 1:1

Wer einen Durchmarsch der Spanier in diesem Turnier erwartete, sah sich ebenso getäuscht, wie diejenigen, die vom italienischen Fußball nur die Klischees kennen. Spanien spielte im gewohnten 4-3-3, doch mit einer unerwarteten Taktik. Ähnlich wie Barcelona verzichtete man auf einen Stoßstürmer und ließ mit Iniesta, Silva und Fabregas drei Mittelfeldspieler in der vorderen Dreierreihe auflaufen. Italien konterte diese Taktik mit einem 3-5-2/5-3-2, über das schon länger spekuliert worden war. Die italienische Taktik war klar: Das enge Spiel der Spanier durch sechs Spieler in der Mitte numerisch kontern und mit variablen Wingbacks den Platz auf den Außen nutzen.

Die spanischen Außenverteidiger kamen nicht gut damit zurecht, dass sie keine direkten Gegenspieler hatten und wussten häufig nicht, ob sie aggressiv gegen die Wingbacks pressen oder sich lieber zurückhalten sollte. Die italienischen Stürmer, vor allem Cassano, lauerten auf die Räume, die sich dadurch ergaben. Spanien riskierte jedoch in der 1. Halbzeit nicht allzu viel. Dadurch fehlte dem Spiel die Breite und konzentrierte sich stattdessen aufs Zentrum 20 – 35 Meter vor dem italienischen Tor. Bei den italienischen Gegenangriffen zeigte sich dann, dass die Mannschaft keineswegs nur mauerte. Die Wingbacks schoben häufig weit mit nach vorne um den Platz auf den Flügeln zu nutzen und Andrea Pirlo spielte stark als tiefliegender Spielmacher. Seine Vorarbeit vor dem 1:0 war große Klasse, ebenso wie di Natales Abschluss. Damit dürfte sich Letzterer zurück ins Team gespielt haben, während Balotelli eine lustlose Vorstellung ablieferte.

Spanien kam dann jedoch gut zurück ins Spiel. Als man sich fragte, was (bzw. wer) wohl der Plan B der Spanier ist, funktionierte der Plan A dann doch noch, dank eines genialen Moments von Silva, der auf Fabregas durchsteckte. Diese Lücken in der Fünferkette hatten sie vorher vergeblich gesucht. In der Schlussphase zeigte dann Fernando Torres, dass seine Schnelligkeit noch wichtig werden könnte im Turnier, auch wenn er zwei Großchancen vergab. Ganz ohne Stoßstürmer und Flügelstürmer wird auch Spanien nicht auskommen. Hat Italien mit der Dreierkette einen Masterplan gegen die Spanier gefunden? Ich glaube nicht, dass viele andere Teams dieses System gegen sie übernehmen werden. Erstens fehlt es dazu an der nötigen Eingespieltheit (die Italiener sind das System gewohnt) und zweitens hat Italien keine starken Flügelspieler, die man für die Formation opfern müsste.

Kroatien – Irland 3:1

Direkt im Anschluss gab es dann wieder fußballerische Magerkost. Irland hat bei dieser EM nur dann eine Chance, wenn es gelingt lange die Null zu halten und dann einen Konter zu setzen oder die Stärke bei den Standards zu nutzen. Wenn man sich direkt in der Anfangsphase ein kurioses Gegentor fängt wie gegen Kroatien, hat man eigentlich keine Optionen mehr. Zwar kam Irland dank eines Kopfballtors von St. Ledger noch einmal zum Ausgleich, doch die Gegentore kurz vor und nach der Halbzeit machen dann endgültig eine Strich durch Trapattonis Matchplan.

Irland war durch die gute Organisation trotz mangelnder individueller Qualität zu einer Art Geheimfavorit in der Gruppe C erklärt worden (auch von mir). Doch fußballerisch sind sie eindeutig das schwächste Team im Turnier. Das wurde nach dem Rückstand mehr als deutlich. Es gab praktisch keinen Plan B, der über lange hohe Bälle und Standards hinausgeht. Die Spieleröffnung wirkt fast schon anachronistisch. Man mag die Kampfbereitschaft der Iren bewundern, aber wenn sie den Gegner nicht durch langes Halten eines 0:0 zermürben, sind sie leider nicht konkurrenzfähig. In den kommenden beiden Spielen sind sie noch mehr Außenseiter und erhalten weitere Chancen, mit ihrem disziplinierten Defensivspiel zu beeindrucken. Gegen Kroatien ist ihnen dies nicht im Ansatz gelungen.

Kroatien ist nach diesem Spiel schwer einzuschätzen. Sie waren klar die bessere Mannschaft in einem eher niveauarmen Spiel. Der Spielverlauf kam ihnen jedoch entgegen und sie mussten keine langen Phasen des Anlaufens aufs Tor bewältigen. Sie haben individuell gute Spieler und sind technisch auf hohem Niveau, so viel war vorher schon klar. Wie gut sie wirklich sind, wird man wohl erst gegen Italien sehen. Irland stellte leider keinen ernsthaften Test für sie dar.

Meine EM: 1. Spieltag, Gruppe A

Ein interessanter Auftakt der Europameisterschaft. Das erste Spiel wurde geprägt von stürmischen, später nervösen Polen und tapfer kämpfenden Griechen, vor allem aber von einem Schiedsrichter, der seiner Aufgabe nicht gewachsen war. Im zweiten Spiel zeigten die Russen eine starke Leistung gegen die unbedarften Tschechen.

Polen – Griechenland 1:1

Die polnische Anfangsoffensive war beeindruckend und zeigte direkt Wirkung bei den abwartenden Griechen. Vor allem über die rechte Seite fand man immer wieder den Weg an den Strafraum. So fiel das 1:0 konsequenter Weise über diese Seite nach einer Flanke auf den starken Lewandowski. Das griechische Dreiermittelfeld kontrollierte zwar das Zentrum, doch Samaras und Ninis auf den Flügeln ließen die Außenverteidiger zu häufig aus den Augen. Es dauerte eine Weile, bis Griechenland Mittel und Wege fand, das polnische Angriffsspiel etwas zu stoppen. Gerade als es gelungen war, das hohe Tempo aus den Aktionen der Polen zu nehmen, wurde das Spiel durch die gelb-rote Karte gegen Sokratis durcheinander gewirbelt. Man kann schon fast dankbar sein, dass Schiedsrichter Carballo später den Elfmeter für Griechenland gab, sonst hätte es bereits am ersten Tag der EM eine Heimschiedsrichter-Diskussion losgetreten. Es war jedoch schnell offensichtlich, dass Carballo mit der Leitung dieses Spiels überfordert war und keine klare Linie in seinen Entscheidungen hatte.

Im Nachhinein war der Platzverweis für Griechenland zumindest in diesem Spiel ein Glücksfall. Durch den Ausfall beider etatmäßiger Innenverteidiger (Avraam musste mit einer Verletzung runter) und die Unterzahl stellte Trainer Santos auf ein 4-4-1 um, zog Katsouranis zurück in die Innenverteidigung und brachte zur Halbzeit Salpingidis für den ineffektiven Ninis ins Spiel. Durch die Systemänderung zogen sich die Außenstürmer nun weiter mit zurück und ließen den Polen weniger Platz auf den Flügeln. Durch die Mitte tat sich Smudas Team schwer, vor das gegnerische Tor zu kommen und so ergab sich eine Pattsituation. Karagounis, der vermutlich nicht richtig fit ist und mit seiner Langsamkeit in der ersten Halbzeit ein Problem für sein Team darstellte, konnte sich nun gut in das Spiel hineinkämpfen, aber es war sein Nebenmann Maniatis, der für Schwung im griechischen Angriffsspiel sorgte. Der Pass auf Torosidis vor dem Ausgleichstor war stark und Polen wirkte nach dem Treffer geschockt. Mit zunehmender Dauer wurde die Nervosität und auch die Ideenlosigkeit immer deutlicher. Polen wollte den Sieg erzwingen, doch es war nun das Spiel der Griechen, die tapfer dagegen hielten und sich einen Punkt erkämpften.

Polen kompensierte die mangelnde Klasse auf manchen Positionen mit großer Einsatzfreude. Man sah in der zweiten Halbzeit jedoch auch, wie der Heimvorteil zum Ballast werden kann, wenn der Gegner das Tempo aus dem Spiel nimmt und die Räume eng macht. Griechenland steht nun gegen Tschechien vor dem Problem, beide Innenverteidiger ersetzen zu müssen. Zudem muss man sich fragen, ob sie Karagounis durchs Turnier schleppen können oder ob er nicht eher zum Ballast wird.

Russland – Tschechien 4:1

Die spielstarke russische Mannschaft hat zwei Schwächen: Die Innenverteidigung und das Erarbeiten und Verwerten von Torchancen gegen tief stehende Gegner. Tschechien attackierte früh und wollte so wohl die erste Schwäche ausnutzen. Das Pressing funktionierte gut und man erspielte sich schnell ein Übergewicht im Mittelfeld. Nach spätestens einer halben Stunde war jedoch klar, dass man voll ins offene Messer der Russen gelaufen war und das Spiel trotz des späteren Anschlusstreffers entschieden ist.

Russlands Konter waren erstklassig, die Pass- und Laufwege wirkten gut aufeinander abgestimmt. Kerzhakov ist trotz der vergebenen Chancen die richtige Wahl als Mittelstürmer und Dzagoev nutzte mit seiner Technik und seinen überraschenden Läufen die Schwächen der bräsigen tschechischen Hintermannschaft aus. Vor allem die Vorstöße von Shirokov machten jedoch den Unterschied aus, weil Tschechien hierauf über 90 Minuten keine Antwort fand. Hier war der deutlichste Unterschied zwischen den beiden Mannschaften auszumachen, deren 4-3-3-Systeme sich ansonsten hätten neutralisieren können. Beide Seiten ließen immer wieder Lücken zwischen Abwehr und Mittelfeld entstehen. Während die Tschechen in Rosicky eher einen klassischen Ballverteiler im offensiven Mittelfeld hatten und so besonders auf die Läufe der Flügelstürmer angewiesen war, nutzte Russland mit Shirokovs Vorstößen diesen Raum wesentlich besser.

Spätestens jetzt hat Russland die Favoritenrolle in Gruppe A inne. Man sollte jedoch nicht übersehen, dass Tschechien viel zu unbedarft nach vorne spielte, zumal die eigene Abwehr nicht gerade das Prunkstück der Mannschaft ist. Nach dem Rückstand agierte man zudem vorne viel zu hektisch, um die russischen Abwehrschwächen offenzulegen und die vorhandenen Räume zu nutzen. Russland wird mit viel Selbstvertrauen in die verbleibenden Spiele gehen, aber so leicht wie gegen Tschechien werden sie es in diesem Turnier wohl nicht noch einmal haben.

 

Meine EM: Tschechien ist kein Schwergewicht mehr

Vorbei die Jahre, in denen die Tschechen zum (mindestens erweiterten) Favoritenkreis bei großen Turnieren gehörten. 2004 begeisterten sie noch mit tollem Fußball, bügelten die Deutschen mit ihrer B-Elf aus dem Turnier und schienen unaufhaltsam zu sein – nur um dann im Halbfinale an Rehhagels totaler Defensive zu scheitern. Richtige Starspieler, wie man sie ihn der Vergangenheit in Nedved oder Poborsky hatte, sind nicht mehr vorhanden im Kader, auch wenn mit Peter Cech, Milan Baros und Tomas Rosicky noch drei Namen verblieben sind, die an die großen Zeiten erinnern. Im Jahr 2012 gibt Tschechien dennoch nicht das Bild einer Mannschaft ab, die sich erneuert hat und vor neuen Erfolgen steht.

Personell nicht mehr erstklassig

Dass man in der Qualifikation hinter Titelverteidiger Spanien landete, ist kein Indiz für mangelnde Klasse. Dass man die schwachen Schotten erst am letzten Spieltag noch überholen konnte und mit Montenegro ein eher glückliches Los in den Play-Offs erwischte, darf einen aber schon an den Qualitäten der Tschechen zweifeln lassen. In die ausgeglichene Gruppe A geht die Tschechische Republik daher als leichter Außenseiter. Die Rolle wird dem Team von Michal Bilek entgegen kommen. Ihre Chance besteht vor allem darin, dass sie von ihren Gegnern unterschätzt werden könnten.

Das Dreiermittelfeld mit dem in der Vorbereitung verletzten Rosicky an der Spitze ist das Prunkstück des Teams und ist in der Lage mit den anderen Gegnern der Gruppe mitzuhalten. Über die Flügel entwickeln die Tschechen jedoch zu wenig Gefahr und so erscheint es wenig wahrscheinlich, dass sie in einem ihre EM-Spiele dem Gegner spielerisch überlegen sein könnten. Gegen den Ball arbeiten sie gut und diszipliniert. Derbe Klatschen sind daher eher nicht zu befürchten, auch wenn mich die Viererkette in den Spielen, die ich von Tschechien gesehen habe, nicht richtig überzeugt hat.

Vielleicht entpuppt es sich als Vorteil, dass man erst am letzten Spieltag auf Polen trifft, die (vorausgesetzt sie sind vor dem Spiel noch nicht sicher qualifiziert) an ihren eigenen Nerven scheitern könnten. Die Chancen auf ein tschechisches Weiterkommen sind ansonsten jedoch eher gering, ich würde sogar sagen am niedrigsten von allen Teams der Gruppe A.

Meine Prognose: Tschechien scheidet als Letzter in der Gruppe A aus.

Tschechiens Gruppengegner:

Polen
Griechenland
Russland