Schlagwort-Archiv: TSG 1899 Hoffenheim

Werder Bremen – TSG Hoffenheim 1:1

In einem Spiel, das viele Parallelen, aber auch einige Unterschiede zum Saisonauftakt gegen Hertha aufwies, holte Werder erneut einen Punkt. Musste man in Berlin noch von Glück sprechen, hätte Werder diesmal mehr als ein Unentschieden verdient gehabt.

Unterschiedliche Systeme, ähnliche Ausrichtung

Robin Dutt behielt das erfolgreiche System aus der zweiten Halbzeit gegen Hertha bei und ließ sein Team in einem flachen 4-4-2 mit zwei echten Stürmern spielen. Davie Selke rückte dabei in die Startelf, Alex Gàlvez übernahm den defensiven Part in der Doppelsechs. Etwas überraschend musste für Rückkehrer Sebastian Prödl Luca Caldirola weichen. Hajrovic hielt auf der rechten Seite überwiegend den Flügel besetzt, während Elia auf der anderen Seite etwas weiter einrückte. Hoffenheim trat wie erwartet im 4-2-3-1 an, mit Szalai als Zielspieler in der Spitze und der gefährlichen und flexiblen Dreierreihe Volland-Firmino-Elyounoussi dahinter.

Die grundsätzliche Ausrichtung beider Mannschaften war ähnlich: Beide Teams fokussierten sich jeweils stark auf die rechte Angriffsseite (bei Werder unter Dutt ein sehr ungewohnter Anblick). Bei Hoffenheim schob Rechtsverteidiger Strobl weit mit nach vorne, während sein Gegenüber Beck eher zurückhaltend agierte. Dafür rückte Volland häufig ein und zog Garcia recht weit mit ins Zentrum. Firmino und der offensive Sechser Rudy suchten ebenfalls häufig den Halbraum auf der rechten Seite. Offenbar wollte man so die noch fehlende Abstimmung zwischen Garcia und dem linken Innenverteidiger Lukimya ausnutzen. Ob Werders veränderte Ausrichtung eine Reaktion auf Hoffenheims Spielweise war, muss Robin Dutt beantworten. Jedenfalls hielt sich Garcia mit seinen Vorstößen merklich zurück und spielte insgesamt etwas tiefer als Clemens Fritz auf der anderen Seite. Selke und Di Santo suchten ebenfalls häufiger die rechte Angriffseite. Eine weitere Parallele zwischen den Teams war die klare Aufgabenteilung im Mittelfeld, wo jeweils ein absichernder (Gàlvez, Polanski) und ein vorstoßender (Junuzovic, Rudy) Sechser aktiv war.

Hoffenheim kontrolliert schwache erste Halbzeit

Anders als bei der Ausrichtung gab es in der Spielanlage doch sehr deutliche Unterschiede zwischen den Mannschaften. Hoffenheim wirkte hier ein ganzes Stück reifer und technisch versierter. Wenn es auch von Seiten der Gäste kein Kurzpassfestival war, lösten sie doch viele Situationen spielerisch, wohingegen Werder direkt auf den langen (und in der ersten Halbzeit oft unkontrollierten) Ball setzte. Gàlvez wurde häufig mit dem ersten Pass gesucht, doch diesem blieben meist nur lange Anspielstationen. Um die zweiten Bälle wurde umso intensiver gekämpft, sodass sich ein körperlich sehr intensives Spiel im Mittelfeld ergab, bei dem jeder dritte Pass nicht beim Mitspieler ankam. Schöner Fußball sieht anders aus.

Die Hoffenheimer Führung zur Pause war nicht unverdient, da die Spielzüge im Angriffsdrittel insgesamt strukturierter waren und insbesondere Firmino und Volland gut ins Spiel eingebunden werden konnten. Beim Hoffenheimer Führungstreffer sah Wolf erneut unglücklich aus, klebte für meinen Geschmack zu lange auf der Linie und kam erst heraus, als es schon zu spät war. Vielleicht ließ er sich jedoch auch von der Lethargie seiner Hintermannschaft anstecken. Insbesondere Fritz hatte einen seiner in diesem Spiel seltenen, in der Summe aber immer zahlreicheren Aussetzer und rückte zu weit ein (mehr noch als das stört mich jedoch sein Verhalten nach der Flanke, wo er teilnahmslos am Strafraum stehen blieb, ganz so als hätte es im Fußball noch nie einen Abpraller gegeben, den er eventuell noch klären könnte). Hajrovic schätzte die Situation ebenfalls falsch ein und lief nicht konsequent mit Firmino mit.

Werder dreht auf – aber vergibt den Sieg

Nach dem Seitenwechsel, den Dutt diesmal nicht für personelle Anpassungen nutzte, änderte sich der Spielverlauf. Werder kam nach und nach besser ins Spiel, während Hoffenheim die Spielkontrolle entglitt. Wie schon gegen Hertha kam Werder erst in der letzten halben Stunde richtig ins Rollen. Nach dem Ausgleichstreffer durch Gàlvez brachte Dutt Bartels, der auf dem rechten Flügel deutlich besser zurecht kam, als zuletzt auf der Halbposition in der Raute. Kurz darauf wurde er zu einem weiteren Wechsel gezwungen, da Selke nur knapp einem Platzverweis entgangen war. Petersen brachte ebenfalls Schwung in die Partie, hatte die größten Chancen das Spiel für Werder zu drehen. Die Chancenverwertung war jedoch mangelhaft. Über 90 Minuten kamen beide Teams nur zu je einem Schuss aufs Tor, von daher kann sich keiner von beiden über das Ergebnis beschweren.

Entscheidend für Werder war jedoch, wie man gegen einen spielerisch hoch eingeschätzten Gegner ins Spiel zurück gefunden hat. War die erste Halbzeit noch fußballerische Magerkost, zeigte Werder in der zweiten Hälfte viele Qualitäten, die man in der Schlussphase der letzten Saison gesehen hat. Junuzovic und Fritz kurbelten das Offensivspiel an, Di Santo war sehr präsent in der Offensive und man schaffte es mit einfachen, aber effektiven Spielzügen, die (trotz des starken Süle) noch keineswegs sattelfeste Hoffenheimer Abwehr von einer Verlegenheit in die nächste zu stürzen. Werders rustikale Innenverteidigung wird keinen Ästhetik-Preis gewinnen und ist für Freunde moderner Abwehrspieler eine Zumutung, erfüllt aber weitgehend ihren Zweck. Sorgen machen die technischen Schwächen von Selke und Petersen sowie die erneut sehr schwache Leistung von Garcia, zumal Lukimya nicht das taktische Verständnis von Caldirola hat und weniger seiner Lücken zustellt.

Bis zum nächsten Spiel bleiben nun zwei Wochen Zeit, in denen Werder nur auf wenige Nationalspieler verzichten muss. Gegen die formstarken Leverkusener wird nochmal eine Leistungssteigerung und vor allem eine bessere erste Halbzeit nötig sein, um Punkte mit nach Hause zu nehmen.

31. Spieltag: Fast geschafft

Werder Bremen – TSG 1899 Hoffenheim 3:1 (1:1)

Nachdem es hier beruflich bedingt einige Zeit still war, gibt es heute den vermutlich entscheidenden Schritt zum Klassenerhalt zu feiern. Werder besiegt im vorletzten Heimspiel die TSG Hoffenheim etwas glücklich mit 3:1 und hat drei Spieltag vor Ende neun Punkte Vorsprung auf den HSV.

Kampf und Kompaktheit

Dutt ersetzte den gesperrten Junuzovic durch Selassie und brachte wie erwartet den nicht mehr gesperrten Di Santo für Petersen zurück ins Team. Ansonsten blieb es bei der Rautenformation der letzten Wochen, mit Elia als beweglichem Halbstürmer. Hoffenheim ist die Freak-Mannschaft dieser Saison, mit einem bizarren Torverhältnis und spielerisch sehr starken Ansätzen. Gisdol setzte wie gewohnt auf die Offensivstärke seines Teams und ließ Volland, Firmino, Salihovic und Elyounoussi im formellen 4-2-3-1 System rochieren. Die Bremer Abwehr sollte durch quirlige Spielertypen und schnelle Kombinationen am Boden unter Druck gesetzt werden und nicht etwa mit der physischen Präsenz eines Modeste. Dies gelang in der Anfangsphase sehr gut. Hoffenheim nimmt im Angriffsdrittel keine Gefangenen, spätestens der dritte Pass geht vertikal in die Schnittstelle. Beim 0:1 in der 3. Minute bekommt Werders Mittelfeld trotz Überzahl Firmino nicht in den Griff, der auf Volland durchsteckt – eine symptomatische Szene für die erste Viertelstunde. Es schien nur eine Frage der Zeit, bis Hoffenheim das zweite Tor nachlegen würde.

Zum Glück ist Fußball ein Sport, bei dem sich mit einer einzigen Aktion die Dynamik des Spiels ändern kann. Bargfredes abgefälschter Schuss in den Winkel brachte Werder mit einem Schlag ins Spiel und plötzlich sah man, warum Hoffenheim trotz aller Qualitäten im Ligamittelfeld herumdümpelt. Werder erkämpfte sich im Mittelfeld ein leichtes Übergewicht, Rudy und Polanski kontrollierten das Zentrum nicht mehr und schon war Hoffenheims Offensive vom Spiel abgeschnitten und kam für den Rest der ersten Halbzeit nur noch sporadisch zu guten Situationen. Das technisch feinen Offensivspiel der Anfangsphase kam nicht mehr zum Tragen. Die Partie wurde immer mehr zu einem Kampfspiel zweier sehr eng agierender Teams, was Werder offensichtlich mehr behagte. Nun konnte man wieder die Mechanismen sehen, die schon in den letzten Wochen immer besser griffen. Di Santo behauptet die Bälle in der Spitze inzwischen ganz gut, während Elia auf seiner neuen Position aufblüht und sehr beweglich die Flügel besetzt (wäre er doch bloß etwas effektiver am und im Strafraum). Das Dreiermittelfeld hinter Hunt suchte leidenschaftlich die Zweikämpfe und besonders Torschütze Bargfrede erwies sich wieder einmal als Antreiber.

Großer Wille, glückliches Ende

Auch nach dem Seitenwechsel blieb das Spiel intensiv und kompakt. Nicht selten rückten beide Teams so weit auf die rechte oder linke Seite, dass eine gesamte andere Spielhälfte verwaist war. Dazu machten die Teams auch in der Vertikalen das Spielfeld eng. Längere Passstaffetten waren in dem engen Raum kaum zu sehen, was sich in schwachen Passquoten beiderseits sowie absurden 74 Einwürfen (dürfte ein Ligahöchstwert sein, gibt es dazu Statistiken?) niederschlug. Spannend wurde es folglich immer dann, wenn es einem Team gelang, die Kompaktheit des jeweils anderen zu überwinden. Dies gelang Hoffenheim in der zweiten Halbzeit etwas häufiger als Werder, obwohl die Hausherren insgesamt mehr vom Spiel hatten und auch größeren Aufwand betrieben, um das Spiel noch zu gewinnen. Im Gegensatz zur Anfangsphase war Hoffenheim vor dem Tor nun jedoch nicht mehr so effektiv und vergab seine Kontergelegenheiten fahrlässig. Der größere Siegeswille auf Seiten der Bremer brachte so – gepaart mit einer Portion Glück – die Entscheidung.

Die Geschehnisse der letzten Viertelstunde waren dann wie gemalt für den Jahresrückblick: Garcia bewies sein Gespür für wichtige Tore, Wolf hielt mit seinem abgewehrten Elfmeter gegen Salihovic den Sieg fest und Petersen sorgte nach seinem fürchterlichen Eigentor letzte Woche für das Happy End. Dank der Hamburger Niederlage am Abend dürfte Werder mit diesem Sieg gerettet sein. Mit nun 36 Punkten ist auch das angestrebte Saisonziel von 40 Punkten nicht außer Reichweite.

Auf ein abschließendes Wortspiel mit Ostern, Eiern und/oder Nest wird an dieser Stelle verzichtet.

Weichenstellung

Eine interessante Fußballwoche liegt hinter uns, in der wir noch einmal vor Augen geführt bekamen, dass Werder in der Tabelle derzeit in etwa dort steht, wo man hingehört: Im oberen Teil des Mittelfelds. Zunächst setzte es gegen taktisch wie technisch starke Leverkusener eine derbe 1:4 Heimniederlage, bevor man es der strauchelnden Truppe aus Hoffenheim mit gleicher Münze heimzahlen konnte.

Werder Bremen – Bayer Leverkusen 1:4

Das Spiel war schon allein in taktischer Hinsicht sehr interessant. Beide Teams spielen auf dem Papier ein 4-3-3, das jedoch völlig anders ausgelegt ist. Die Wechselwirkungen auf dem Spielfeld waren bemerkenswert: Durch die Mannorientierung der Bremer Flügelstürmer und das weite Aufrücken der Leverkusener Außenverteidiger spielte Werder gegen den Ball nicht das gewohnte 4-1-4-1, sondern eine Art 6-1-2-1, bei der Füllkrug und Elia häufig eine Position neben Selassie und Schmitz einnahmen. Da Leverkusens Außenstürmer eigentlich keine sind, sondern sich sehr zentral zwischen den Linien bewegen, hatte Werder meist 2 gegen 1 Überzahl auf dem Flügel, aber in der Mitte dafür häufig Unterzahl. Dadurch konnte das Pressing nicht wie gewohnt aufgezogen werden, da sonst zu große Teile des Mittelfelds entblößt worden wären. Die Innenverteidiger der Leverkusener konnten meist in Kombination mit einem abkippenden Mittelfeldspieler das Spiel kontrollieren und in Ruhe aufbauen.

Andersherum sah es so aus, dass Werder wie gewohnt im Spielaufbau mit breit agierenden Flügelstürmern und eher konservativen Außenverteidigern agierte. Leverkusen verteidigte dagegen ziemlich schmal und machte die Räume im Zentrum dicht. Werders Spiel wurde daher (wie auch gegen Mainz) gezielt auf die Außen gelenkt, wodurch häufig das direkte Spiel zwischen Außenverteidiger, Flügelstürmer und dem jeweiligen Achter gesucht wurde. In der Anfangsphase funktionierte dies überhaupt nicht, da Leverkusen die Spieler auf der Außenbahn geschickt isolierte und Werder relativ viele Risikopässe spielte, die auf dem nassen Rasen häufig misslangen.

Dies besserte sich nach der Pause, mit etwas Glück wäre in dieser Phase ein Unentschieden drin gewesen. Insgesamt hatte Leverkusen aber über 90 Minuten die bessere Spielanlage und Werder blieb bis zum Abpfiff bei der gleichen Grundausrichtung. Die Leverkusener Tore 2 und 3 fielen dazu zu besonders ungünstigen Zeitpunkten für Werder. Vor dem 0:2 hatte sich Werder gerade ein Übergewicht erspielt und drückte Bayer hinten rein. Als Schaaf Akpala bringen wollte, um auf den Ausgleich zu drängen, fiel das 1:3. Das Spiel war auch ein gutes Beispiel dafür, dass die Torschussstatistik lügen kann. Werder hatte viel mehr Torschüsse als Leverkusen, von denen viele jedoch nicht mehr als Halbchancen waren. Leverkusen hatte deutlich weniger Abschlüsse, von denen aber alle qualitativ gute Chancen waren. Am Ende war das Ergebnis zu hoch, aber auch ein Stück weit Ausdruck der im Vergleich zu Leverkusen noch fehlenden taktischen Reife.

1899 Hoffenheim – Werder Bremen 1:4

Zum Glück ist Fußball ein schnelllebiges Geschäft, das in englischen Wochen noch einmal beschleunigt wird. Das Spiel in Hoffenheim lief in etwa so, wie Spiele in Hoffenheim in dieser Saison häufig laufen: Der Gast ist besser und geht in Führung, nach dem Wechsel dreht Hoffenheim kurzzeitig auf und scheint auf dem Weg zum Ausgleich zu sein. Letztlich fällt dann aber doch wieder alles in sich zusammen und der Gast nimmt die drei Punkte mit.

Wie Werder die Verunsicherung der Gastgeber in der 1. Halbzeit ausgenutzt hat war stark, erst recht in Anbetracht der beiden Ausfälle im Mittelfeld. Das Pressing vor dem 0:2 fand ich fast noch schöner als die folgende Kombination nach Ballgewinn. Die Fortschritte im Vergleich zur letzten Saison manifestiert in einem Tor. Vor der Pause ließen de Bruyne und Petersen dann leider zwei Großchancen liegen, so dass Hoffenheim nach der Pause noch mal rankam. In der Phase zwischen dem 1:2 und dem 1:3 war die Angst in Werders Spiel fast greifbar. Das Team verteidigte tiefer und ging weniger ins Angriffspressing, alle (bis auf teilweise de Bruyne) arbeiteten defensiv mit, doch man schaffte es trotzdem nicht, Hoffenheim vom eigenen Tor fern zu halten. Umso wichtiger, in einer solchen Phase einen Standard zu nutzen und die Punkte zu sichern.

Auch wenn es gerade in der zweiten Halbzeit einige Dinge™ gab, die Grund zur Sorge geben, war es doch ein Spiel in dem man vor allem die positiven Aspekte festhalten sollte. Der Dreierpack von Arnautovic war die Belohnung für eine starke Saison und sollte ihm weiter Selbstvertrauen geben. Das neu zusammengestellte Mittelfeld hat mir ebenfalls gut gefallen. Besonders Ignjovski war als Sechser überraschend stark und hat meistens den Kontakt mit der Innenverteidigung gehalten. Auch Fritz hat sich nach seiner langen Verletzung wieder gut eingefügt und seine etwas defensivere Auslegung der Achterposition sorgte für mehr Rückhalt für de Bruyne und eine häufig gute Staffelung im Mittelfeld. Unwahrscheinlich, dass einer von beiden (auf der Position) in der Startelf bleibt, wenn Hunt und Junuzovic wieder fit sind, aber gut zu wissen, dass Werder auch mit anderer Mittelfeldzusammensetzung erfolgreich sein kann.

Fehleranalyse in drei Teilen

Normalerweise ist Kollege Johan Petersen vom Werder-Fußball-Blog für die grafische Aufarbeitung von Toren zuständig. Nachdem ich Werders katastrophale erste Halbzeit nun doch noch gesehen habe, versuche ich mich mal an einer Fehleranalyse anhand der drei ersten Gegentore, die viele Probleme aufzeigten, die Werder in der Defensive (nicht nur gestern gegen Hoffenheim) hatte.

Das 1:1

Ein Rechtsfuß als Linksverteidiger hat Vorteile, wenn sein Gegenspieler nach innen zieht. Ibisevic zeigte Pasanen vor dem 1:1 gleich zweimal, wie man einen rechtsfüßigen Linksverteidiger über außen umspielt. Die Szene ist sinnbildlich für Werders Probleme auf der linken Seite.

eins02

Ibisevic geht mit dem Ball an der Außenlinie entlang, verfolgt von Pasanen. Prödl rückt einige Meter raus, um Pasanen zu unterstützen.

Eins03b

Pasanen geht zweimal mit dem rechten Fuß zum Ball, macht dazu eine halbe Drehung in Richtung Grundlinie. Ibisevic geht beide Male mit einem einfachen Trick außen an Pasanen vorbei. Beim zweiten Mal zieht er anschließend in die Mitte und spielt einen scharfen, flachen Ball vors Tor.

Eins05b

In der Mitte gibt es ein Missverständnis zwischen Wiese und Fritz, der den Ball vor dem heranrauschenden Mlapa zurück vor den kurzen Pfosten spielt. Dort kommt Ba an den Ball und kann ihn ins leere Tor schieben. Prödl steht zu weit von ihm weg und kann nicht mehr eingreifen.

Das 2:1

Eine funktionierende Abseitsfalle ist ein gutes defensives Stilmittel. Eine nicht funktionierende Abseitsfalle ist defensiver Selbstmord. Gegen Sampdoria spielten Fritz, Mertesacker, Prödl und Pasanen sie nahezu perfekt. Gegen Hoffenheim steht Pasanen zwei Meter hinter der Kette während Mertesacker herausrückt und einen Fehlpass spielt. Eine haarsträubende Aktion, die Hoffenheim das zweite Tor auf dem Silbertablett serviert.

Zwei01a

Ein Einwurf als Ausgangssituation. Compper (schwarzer Balken) wirft ein und Mertesacker (gelber Balken), der in dieser Situation näher an der Seitenauslinie steht als Außenverteidiger Fritz, antizipiert den Ball.

Zwei02a

Statt beim freistehenden Bargfrede (rot) landet Mertesackers Pass erneut bei Compper, der sofort den Pass in die Tiefe auf den startenden Mlapa spielt. Prödl (blau) versucht auf eine Höhe mit Fritz (magenta) zu kommen, um Mlapa abseits zu stellen.

Zwei03a

Pasanen (grün) merkt dies zu spät und hebt das Abseits auf. Mlapa kommt an den Ball und geht allein auf Wiese zu. Da Prödl in der Vorwärtsbewegung ist und sich erst drehen muss, kann er Mlapa nicht mehr rechtzeitig stellen. Werders Viererkette gibt bei einem gegnerischen Einwurf in der eigenen Hälfte ohne Not jegliche Formation auf. Hoffenheim nimmt mit einem einzigen Pass in die Tiefe acht (!) Bremer aus dem Spiel.

Das 3:1

Ein blitzsauberer Konter, der Mertesackers fehlenden Antritt gnadenlos offenlegt.

Drei01a

Frings (gelb) verliert als hinterster Mittelfeldspieler 30 Meter vor dem Hoffenheimer Tor den Ball im Zweikampf gegen Gustavo (schwarz). Bleiben über 50 Meter für Hoffenheim, die sich in der Rückwärtsbewegung befindende Abwehrkette auszuspielen.

Drei02a

Der Raum vor der Viererkette (weiße Fläche) ist komplett blank, das Bremer Mittelfeld nicht mehr existent. Die Hoffenheimer Stürmer positionieren sich gut, Ibisevic (rot) zieht in die Lücke zwischen Mertesacker und dem weit aufgerückten Fritz (magenta). Mlapa (blau) besetzt das Zentrum zwischen den Innenverteidigern und verhindert somit, dass Mertesacker sich voll auf Ibisevic konzentrieren kann.

Drei03a

Gustavo spielt den Pass außen an Mertesacker (grün) vorbei auf Ibisevic. Werders Innenverteidiger bleiben kurz stehen und spekulieren auf Abseits.

Drei04a

Der langsame Mertesacker hat keine Chance mehr, den Stürmer zu stellen. Auch Fritz kommt zu spät. Stark gekontert von den Hoffenheimern, die den Platz zwischen Werders Mittelfeld und Abwehr sowie das Risiko einer hoch stehenden Viererkette mit einem langsamen Innenverteidiger eiskalt ausgenutzt haben.

23. Spieltag: Hoffenheim-Jetlagging

Ich bin gestern aus den USA zurück gekommen. Langer Flug + Jetlag = Viel Schlaf aufzuholen. Mit dem Bloggen bin ich in den letzten Tagen nicht ganz hinterher gekommen. Immerhin habe ich in 16 Tagen "Urlaub" (der eigentlich kein Urlaub war) 13 Blogeinträge geschrieben, so dass ich mich jetzt nicht allzu schlecht fühlen muss. Dennoch, der Terminkalender lässt keine Pausen zu, Donnerstag geht es schon weiter im UEFA-Cup gegen St. Etienne. Und die Vorwürfe gegen Jürgen L. Born wollen auch aufgearbeitet werden. Doch zunächst einmal ein Blick zurück:

Hoffenheim – Werder 0:0

Hoffenheim. Der Überflieger der Saison. Die Mannschaft der Stunde. Der Aufsteiger, der die Bundesliga durcheinander würfelt und die etablierten Vereine das Fürchten lehrt. Der mit feinem Offensivfußball und Schnelligkeit beeindruckt. Der Beweis, dass Erfolg auch außerhalb Münchens planbar ist, nicht nur mit Geld, sondern auch mit Geduld und Know-How von Fachleuten wie Ralf Ragnick, Bernhard Peters und Jan Schindelmeiser. Der neue Liebling der Fachpresse.

Vor wenigen Wochen wäre das noch eine absolut zutreffende Beschreibung gewesen. Heute klingt es fast wie Sarkasmus. Hoffenheims Rückrunde verlief bislang eher mittelmäßig. Nur ein Sieg im Jahr 2009, dazu 4 Unentschieden und eine 1:4 Klatsche in Leverkusen. Trotzdem liegt man nun punkt- und torgleich mit den Bayern auf Platz 2, 4 Punkte hinter Spitzenreiter Hertha, und hat immer noch gute Chancen auf die Meisterschaft oder zumindest die Champions League Qualifikation.

In den letzten Wochen gibt es jedoch vermehrt Negativschlagzeilen. Die Affäre um die Spieler Janker und Ibertsberger und eine verspätete Dopingkontrolle sorgte für viel Aufsehen und eine – nun ja – mit etwas Halb- und viel Unwissen geführte Dopingdebatte im Fußball. Die Stammtischgroßmäuler um Udo Lattek meldeten sich gewohnt lautstark zu Wort, ohne auch nur ansatzweise Regelwerk und Kontrollpraktiken zu kennen. Verantwortliche anderer Vereine gaben ihren Senf dazu: Peter Neururer, Michael Meier und auch Rudi Völler bezeichneten die drohenden Sperren als lächerlich bzw. "grob unsportlich" (Neururer). Es gab allerdings auch kritische Stimmen, unter anderem von Klaus Allofs, der auf das eindeutige Regelwerk hinweist und die Verspätung zumindest nicht verharmlost. Die seriöse Presse ist in ihrer Kritik mitunter schon etwas direkter und prangert unter anderem die laschen Dopingkontrollen im Fußball und das Verhalten der Hoffenheimer Spieler und Verantwortlichen an. Inzwischen hat der DFB das Verfahren gegen die beiden Spieler eingestellt. Ausführlich informieren kann (und sollte) man sich bei Leuten, die sich mit dem Thema auskennen, z.B. bei Jens Weinreich, dogfood sowie Jens Peters' ausführlicher Chronologie des Vorfalls.

Continue reading