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Wiese in den Sturm

Tim Wieses Chancen bei der WM 2010 im Tor der deutschen Nationalmannschaft zu stehen sind eher gering. Beim Training mit seinen Werder-Kollegen am Donnerstag überlegte man sich daher eine Geheimtaktik, die den sympathischen Rheinländer doch noch in Jogis Kader bringen soll: Wiese spielte im Trainingsspiel einen klassischen Rechtsaußen. Man kommt nicht umhin, diese Position als Schwachstelle in Löws neuem Vier-Drie-Drie-System zu erkennen. Hier sehen Wiese und Trainer Schaaf offenbar die größten Chancen, noch auf den WM-Zug aufzuspringen.

Wiese vergab in bester Werderstürmer-Manier zwar auch die besten Torchancen, ließ seinen Gegenspieler Niklas Andersen mit einigen Tempodribblings jedoch reichlich blöd aussehen. Alles in allem dürften Schaaf und sein Trainergespann deshalb sehr zufrieden gewesen sein. Das Einsetzen von Spielern auf anderen Positionen hat bei Werder Tradition. So wurden die ehemaligen Stürmer Torsten Frings, Paul Stalteri, Clemens Fritz und Martin Harnik (mal mehr, mal weniger erfolgreich) in defensivere Rollen umpositioniert. Warum sollte dies nicht auch anders herum funktionieren?

Mein Neffe – 4 Jahre alt und riesiger Werder- sowie Wiese-Fan – freute sich jedenfalls jedes Mal, wenn Wiese den Ball zugespielt bekam. Er fragte mich zwar wiederholt, warum “Timmey” keine Handschuhe anhabe und gab sich mit meiner Antwort (“Frag doch mal den grimmigen Mann mit dem Schnauzer und der grauen Trainingsjacke.”) auch nicht wirklich zufrieden, doch insgesamt überwog die Freude, sein Idol mal aus nächster Nähe anschauen zu dürfen. Als er dann nach dem Training noch ein Autogramm auf sein Trikot bekam, war er vollends dahin geschmolzen und blieb auf der gesamten Rückfahrt sprachlos.

Tim Wieses neue Position hat noch einen weiteren positiven Nebeneffekt: Nun will mein Neffe nicht mehr unter allen Umständen Torwart werden, sondern liebäugelt mit einer Karriere als Torjäger. Gerd Müllers Rekord ist also wieder akut in Gefahr.