Schlagwort-Archiv: Zlatan Ibrahimovic

Meine EM: 2. Spieltag, Gruppe D

Frankreich lässt die Ukraine nach der Regenunterbrechung ziemlich hilflos aussehen. England liefert sich mit Schweden ein spannendes und offenes Spiel.

Ukraine – Frankreich 0:2

Dem Gewitter sei dank, bekam ich doch noch etwas mit von diesem Spiel, wenn auch nur die letzten 40 Minuten. Zwei Erkenntnisse gab es dabei für mich: Frankreich gehört doch zu den Mitfavoriten des Turniers, auch wenn sie die englische Mauer in der Schlussphase des Eröffnungsspiels nicht knacken konnten. Das fluide Spiel im Angriff gefällt mir gut und erinnert mich ein wenig an Werder 09/10 mit vier ständig rochierenden Offensivkräften. Ich bin sehr gespannt, wie sie sich damit gegen die Topmannschaften schlagen werden.

Die Ukraine wirkte nach dem gedrehten Spiel gegen Schweden und dem Doppelpack von Shevchenko so, als hätte sie ihr Ziel im Turnier schon erreicht. Vielleicht ist mein Eindruck etwas verzerrt, weil ich die erste Halbzeit nicht gesehen habe, aber in der zweiten waren sie völlig chancenlos und hatten auch kein erkennbares Konzept, wie sie Frankreich in ernsthafte Probleme bringen könnten. Jetzt gibt es ein Endspiel gegen England, das die Ukraine in jedem Fall gewinnen muss. Für mich sind sie dabei klarer Außenseiter und viel zu abhängig von ihren alten Stars. Aber vielleicht beschert uns das Turnier ja noch einen zweiten Abend wie beim Spiel gegen die Schweden.

England – Schweden 3:2

Nicht jedes Spiel mit vielen Toren ist unterhaltsam. Das muntere Hin und Her zwischen England und Schweden würde ich aber schon dazuzählen, auch wenn es fußballerisch eher mittelmäßig war. Die Tore waren weniger Produkte durchdachter Angriffszüge, als das Resultat aus Einzelaktionen. Die schiere Gewalt bei Carrolls Kopfballtor war beeindruckend und ein Beweis, dass eine Halbfeldflanke effektiv sein kann, wenn die gegnerische Abwehr nicht fünf Sekunden Zeit hat, sich darauf einzustellen. Danach war es vor allem der Spielverlauf, der dieses Spiel so packend machte. Erst drehte Schweden das Spiel, dann die Engländer. Dazwischen gab es viele Ungenauigkeiten, aber auch durchaus hohes Tempo.

Schwedens Abhängigkeit von Ibrahimovic ist ein hausgemachtes Problem. Die Mitspieler verlassen sich zu sehr auf ihn, bürden ihm zu viel Verantwortung auf. Ibrahimovics arrogante Körpersprache deutet darauf hin, dass er seine Mitspieler als minderwertig betrachtet. So hat man bei jedem Pass zu ihm den Eindruck, dass die Botschaft mitschwingt: Du kannst doch alles besser, also mach mal. Es ist wohl kein Zufall, dass sich die Teams, die um einen Superstar gebaut sind, bei dieser EM so schwer tun (Schweden, Portugal, teilweise auch die Ukraine). Um bei der im Fußball so beliebten Militärsprache zu bleiben: Ibrahimovic ist eine Waffe, kein General. Ähnlich ist es mit Theo Walcott bei den Engländern. Der kam in der Schlussphase und brachte mit seiner Schnelligkeit den Odonkor-Effekt ins Spiel, der England zum Sieg führte.

Schweden ist damit raus und England hat gute Chancen, mit einem Unentschieden gegen den Co-Gastgeber ins Viertelfinale einzuziehen.

Meine EM: 1. Spieltag, Gruppe D

Frankreich und England neutralisierten sich mit ihren gegensätzlichen Spielanlagen. Der Ukraine gelang gegen Schweden ein beeindruckendes Comeback.

Frankreich – England 1:1

Das erste Spiel bei dieser EM, das ich nicht live gesehen habe. Was ich hinterher in Zusammenfassungen gesehen und in Spielberichten gelesen habe, war nicht sehr erbaulich. Beide Teams in ihrer Ausrichtung in etwa so wie erwartet. Das Ergebnis ist auch wenig überraschend, wobei ich den Franzosen nach den letzten Testspielen doch etwas mehr offensive Durchschlagskraft zugetraut hätte. Am Ende rannte man vergeblich an gegen eine englische Mannschaft, die von Hodgson in der kurzen Vorbereitungszeit offenbar gut eingestellt wurde. Mal sehen ob man sich gegen die anderen beiden Gegner auch in einer Außenseiterrolle gefällt oder dort offensiver zu Werke geht.

Ukraine – Schweden 2:1

Es ist ein schmaler Grat zwischen abwartendem und passivem Fußball. Für letzteren bestand in diesem Spiel eigentlich kein Anlass, denn keine der Mannschaften ist der anderen so überlegen, dass man sich verstecken müsste. Es war verständlich, dass Schweden den vor dem Turnier strauchelnden Ukrainern in Kiew die Initiative überlassen würden. Statt ihnen dabei nach und nach den Schneid abzukaufen und so noch nervöser zu machen, ließ man sie zu lange auf mittelmäßigem Niveau gewähren, bis sie immer besser zu ihrem Spiel fanden.

Bei Schweden gefiel mir die Raum- oder vielmehr Aufgabenaufteilung in der Offensive nicht. Rosenberg machte das, was er auch bei Werder machte: Diagonale Läufe hinter die Viererkette. Die hierfür benötigten Vertikalpässe durch die Schnittstellen blieben jedoch aus. Ibrahimovic spielte wie erwartet deutlich hinter ihm, ließ sich dabei aber so tief fallen, dass große Lücken im Zentrum entstanden. Über die Flügel kamen zu wenig Vorstöße und das Spiel wirkte insgesamt wenig ausgewogen. Die einzige Spielidee der Sechser bestand offensichtlich darin, den Ball zu Ibrahimovic zu spielen. Dennoch ging Schweden etwas glücklich in Führung.

Die Ukraine überzeugte nicht nur durch ihren Kampfgeist, mit dem sie das Spiel nach dem Rückgang drehten. Auch spielerisch war die Leistung besser als erwartet. Mit Shevchenko und Voronin setzte Trainer Blochin vorne auf die alte Brigade, was man ihm bei einer Niederlage sicher vorgeworfen hätte. Doch gerade die beiden rissen nach dem Rückstand das Spiel an sich. Ein Doppelpack von Sheva zum Auftakt der Heim-EM war nach den Verletzungsproblemen und nachlassenden Leistungen der jüngeren Vergangenheit fast zu schön um wahr zu sein. Die Ukraine feierte also einen Auftakt nach Maß und drehte das Spiel gegen eine schwedische Mannschaft, die sich den Vorwurf gefallen lassen muss, über weite Strecken des Spiels gegen einen schlagbaren Gegner zu passiv gewesen zu sein. Die Ukraine hat nun eine realistische Chance aufs Weiterkommen, während sich Schweden keine großen Hoffnungen machen sollte, den Patzer noch auszubügeln.

Meine EM: Schweden wie immer, aber anders

Wann immer ein großes Turnier ansteht und man sich die schwedische Mannschaft anschaut könnte man zu dem Schluss kommen, dass man es mit dem Otto Normalverbaucher unter den Fußballmannschaften zu tun hat. Das Wort “Durchschnitt” ist im Fußball negativ behaftet, aber auf die Schweden trifft es dennoch zu. Wo Schweden ist, ist die Mitte.

Offensiver als früher

Das soll nicht heißen, dass Schweden langweiligen Fußall spielte oder eine langweilige Mannschaft hätte. Dafür sorgt schon allein Zlatan Ibrahimovic mit seinem großen Ego und seiner ebenso großen individuellen Klasse. In der Nationalmannschaft spielt er eine tiefere Rolle, als im Verein. Er agiert mehr als falsche Neun, teils sogar als echter Zehner. Vor ihm kommt mit Elmander bzw. Toivonen ein weiterer Mittelstürmer zum Einsatz. Markus Rosenberg hat nur Außenseiterchancen. Das Spiel der Schweden wird durch die starke Zentrierung auf Ibrahimovic leicht ausrechenbar, profitiert aber auch von seiner stärkeren Einbindung ins Spiel. Interessanterweise ist Schwedens Bilanz ohne Ibrahimovic besser als mit ihm. Dennoch hebt er die offensive Klasse durch seine Anwesenheit um ein paar Prozentpunkte.

Ein anderer Aspekt, der Schweden 2012 interessant macht ist der neue Trainer. Lars Lagerbäck betreute Schweden 18 Jahre lang, feierte mit dem dritten Platz bei der WM 1994 einen der größten Erfolge der nationalen Fußballgeschichte, verpasste aber die WM 2010. Mit Erik Hamrem übernahm ein Trainer das Kommando, der Schweden einen moderneren und offensiveren Fußball spielen lässt – bislang mit Erfolg. Das Mittelfeld ist offensiv ausgerichtet. Die Flügelspieler pressen nach vorne und auch Kim Kallström als nomineller Teil einer Doppelsechs rückt häufig mit nach vorne. Der eher statische Fußball unter Lagerbäck gehört der Vergangenheit an.

Probleme in der Defensive und im Spielaufbau

Das Problem der Schweden ist jedoch ihre Defensive. Hier hat man in Olof Mellberg immer noch den besten Verteidiger im Kader. Mit seinen 34 Jahren ist er nicht mehr auf dem absoluten Topniveau. Neben ihm fehlt es den Schweden an großer Klasse in der Abwehrreihe. Durch den stärkeren Fokus auf die Offensive und das Nachrücken des Mittelfeldes sowie der Außenverteidiger sind die Schweden hinten anfälliger geworden, als man es von ihnen gewohnt ist. Gegen Frankreich, aber auch gegen England dürfte man Probleme bekommen, wenn der Ball schnell in die Lücken hinter den Außenverteidigern gespielt werden. Die Niederlande haben dies in der Qualifikation gut offengelegt.

Auch die Spieleröffnung der Schweden ist nicht auf höchstem Niveau bei diesem Turnier. Mellbergs Stärke ist nicht der öffnende Pass und auch sonst überlässt man den Spielaufbau lieber dem Mittelfeld. Von dort aus richtet sich das Spiel sehr stark auf Ibrahimovic aus, der den Ball hält, während das Mittelfeld nachrückt. So bleibt Schweden letztlich eine Kontermannschaft, die defensiv dafür eigentlich nicht sattelfest genug ist. Der Spielplan der Gruppe D dürfte ihnen jedoch entgegen kommen. Mit einem Auftaktsieg gegen die schwachen Ukrainer hätte man für ein dann vielleicht schon entscheidendes Spiel gegen England eine gute Ausgangsposition.

Meine Prognose: Schweden ist defensiv zu anfällig und offensiv zu abhängig von Ibrahimovic, um bei diesem Turnier zu überraschen. Sie sind zwar nicht chancenlos, aber ich rechne mit einem Vorrundenaus.

Schwedens Vorrundengegner

Ukraine
Frankreich
England