Über mich

Ich bin Werderfan seit ich mich erinnern kann. 1986, gerade knapp 5 Jahre alt, habe ich zum ersten Mal bewusst Fußball geguckt. Es war WM in Mexiko und mein Herz schlug für die Mannschaft aus Belgien. Weil ich den Namen aus irgendeinem Grund toll fand.

Später in jenem Jahr bekam ich mein erstes Panini-Sammelalbum geschenkt. Eines meiner ersten Bilder war Rudi Völler, der – wie ich mir sagen ließ – der große Star bei Werder Bremen war und in den ich mich umgehend verliebte. In den folgenden Jahren verbrachte ich fast jedes Wochenende vor dem Radio und hörte mir die Bundesligaübertragungen an. Mit der Zeit löste ich die kleinen Rätsel, die der Fußball mir damals stellte (beispielhaft den Unterschied zwischen “München – Gladbach” und “Mönchengladbach” oder auch die geografische Lage der Städte Schalke, Wattenscheid und Uerdingen). Zu ungefähr derselben Zeit entwickelte ich die “Fähigkeit”, mir Unmengen an teils interessantem aber größtenteils unnützem Fußballwissen anzueignen (dabei spielt es keine Rolle, ob ich es mir merken möchte oder nicht). Ich weiß bis heute nicht, warum das so ist. Aber ich habe noch immer jedes Ergebnis aus der Meistersaison 2004 im Kopf und  weiß, dass der Tabellenletzte der zweiten Liga in der Saison 1986/87 FSV Salmrohr hieß. Wenn ich mir nur andere Dinge so einfach merken könnte…

Erster Höhepunkt war natürlich die Deutsche Meisterschaft 1988, deren Gewinn ich allerdings noch nicht so richtig einordnen konnte. Ich hatte ja die drei Vizemeisterschaften zwischen ‘83 und ‘86 noch nicht miterlebt. Die weitere Geschichte des Vereins brauche ich wohl kaum weiter auszuführen – zwei Meisterschaften, zwei Pokalsiege und ein Europapokalsieg sprechen für sich. Als Otto Rehagel 1995 zum FC Bayern wechselte, war ich ein erfolgsverwöhnter 13 Jähriger, der nicht bereit war, den Weg seiner Mannschaft durch die Niederungen der Liga bedingungslos mitzugehen. So kam es, wie es kommen musste: ich ging fremd. Aus heutiger Sicht betrachtet, habe ich mir die prallste Blondine ausgesucht, die zu der Zeit auf dem Markt war: Der VfB Stuttgart spielte den attraktivsten Fußball, hatte mit dem “magischen Dreieck” einen Mythos geschaffen und warf sich mir willig vor die Füße. Mit dem Abgang Jogi Löws und damit des attraktiven Fußballstils aus dem Schwabenland, kehrte ich reumütig zum SVW zurück.

Dieser wurde seinerzeit, im Herbst 1998, von Felix Magath trainiert, welcher damals noch Quälix hieß. Werder spielte eine desolate Saison, doch ich wusste, dass ich nur einmal eine zweite Chance bekommen würde. Ich war sogar willens, der Mannschaft durch die zweite Liga zu folgen. Doch dann kam alles anders: Meine “neue Treue” wurde belohnt. Mit Thomas Schaaf kam ein neuer Trainer, die Mannschaft schaffte im letztem Moment den Klassenerhalt und zu allem Überfluss wurde dann auch noch der FC Bayern im Pokalfinale geschlagen. Eine neue Ära brach an. Werder stand auf einmal für attraktiven Offensivfußball. Es wurden wieder junge, preisgünstige Spieler verpflichtet und nach ein paar Jahren als Stars verkauft, wie zu besten Rehagel-Zeiten.

Auch wenn es angesichts dieser Geschichte nicht sehr überzeugend klingen mag, ist mir der Erfolg meines Vereins immer ein wenig unheimlich geblieben. Erwartungen wurden aufgebaut, die irgendwann enttäuscht werden mussten. Was passiert nun, wenn es wieder UI-Cup gibt statt Champions League? Abstiegskampf statt Spitzenspiel gegen Bayern? Werde ich wieder schwach werden und mich nach schöneren Bräuten umsehen?

Nein, im Gegensatz zu 1996 weiß ich heute, dass ich mich zwar zu schönem Fußball hingezogen fühle, aber nur den SVW aufrichtig lieben kann. Nicht ich habe mir diesen Verein ausgesucht, sondern er mich! Wer diese Emotionen nicht verstehen kann, der weiß nicht was es heißt, ein Fußballfan zu sein und der wird auch an diesem Blog keine Freude haben.

Allen anderen wünsche ich viel Spaß beim Lesen! Bei Fragen, Anregungen oder Kritik schreibt einfach einen Kommentar zum dazugehörigen Artikel oder schickt mir eine E-Mail an tsb.singer(at)gmail.com

Grünweiße Grüße,

Tobias

Dieser Text stammt aus dem Sommer 2006 und auch, wenn er heute nicht mehr ganz zu meinem Blog passt, ist er noch immer einer meiner Lieblingstexte.

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