UEFA-Cup Achtelfinale, Rückspiel: Feuerteufel

AS St. Etienne – Werder Bremen 2:2

Wenn es im Fußball lästige Pflichtaufgaben gibt, die man erfüllen muss, dann gehört dieses Spiel mit Sicherheit dazu. Werder zeichnete sich in dieser Saison bisher nicht unbedingt dadurch aus, diese lästigen Pflichtaufgaben mit voller Konzentration anzugehen. Die Motivation gegen die großen Mannschaften stimmte hingegen. Doch bei allem Respekt, den man einem Gegner im Achtelfinale des UEFA-Cups entgegen bringen muss: St. Etienne ist keine große Mannschaft.

Umso erfreulicher, dass Werder nicht gestolpert und ins Viertelfinale eingezogen ist. Durch das frühe 1:0 und das souveräne Auftreten in der Defensive nahm man den Hoffnungen der Franzosen früh den Wind aus den Segeln. Die schienen daraufhin der Ankündigung ihres Trainers Taten folgen lassen zu wollen und rumpelten dem Ausscheiden entgegen. Zur Halbzeit war das Spiel durch, was Werders Spiel nicht gut tat. Die Mannschaft hat einfach Probleme damit, ein Spiel dahinplätschern zu lassen, ohne sich selbst dabei einzuschläfern. Entweder sie legt wie am Wochenende gegen Stuttgart selbst nach oder sie gerät in Bedrängnis, wie in diesem Spiel oder auch schon im Hinspiel gegen St. Etienne. ASSE tat im zweiten Durchgang viel, um eine Blamage vor eigenem Publikum zu verhindern, hatte jedoch in beiden Spielen nicht die Qualitäten, mehr daraus zu machen.

Überschattet wurde das Spiel von Ausschreitungen einiger Werderfans. Während des Spiels wurden wiederholt Feuerwerkskörper im Bremer Fanblock abgebrannt. Das ist für Werder ärgerlich, da es eine Geldstrafe von Seiten der UEFA geben dürfte, doch an sich ist es noch kein außergewöhnlicher Vorgang. Es ist noch nicht so lange her, dass das Abbrennen von "bengalischen Feuern" im Stadion zum Fußball dazugehörte, wie die Bratwurst und das Bier. Wirklich problematisch ist jedoch, dass eine Rakete aus dem Werderblock in die benachbarte Tribüne geschossen wurde. Es wurde zum Glück niemand verletzt, doch da hört der Spaß dann wirklich auf. Drei Werderfans wurden im Rahmen des Spiels von der Polizei festgenommen.

Klaus Allofs kündigte an, die Verantwortlichen ausfindig machen und bis hin zur Schadenersatzklage zur Verantwort ziehen zu wollen. Auch Stadionverbote drohte er an. Aus Vereinssicht völlig verständlich und richtig, denn noch mehr schlechte Presse kann Werder dieser Tage nun wirklich nicht gebrauchen. Zumal die Spieler sichtlich genervt waren, wie Per Mertesacker bestätigte: "Es ist ja nicht nur gefährlich, sondern man sieht auf dem Platz auch
ganz wenig, ist schon abgelenkt dadurch. Gerade in der zweiten Hälfte
kam noch mal so eine grüne Wolke, obwohl wir mit der Viererkette direkt
davor standen."

Es macht trotzdem einen gewaltigen Unterschied, ob nun in der Kurve ein paar bengalische Feuer gezündet werden, die an sich relativ ungefährlich und in anderen Ligen völlig normal sind (und die dann in den deutschen Medien für die tolle Stimmung in ausländischen Stadien stehen, wie etwa in der "Hölle" von Istanbul), oder ob Feuerwerkskörper in eine Menschenmenge geschossen werden. Einen sehr guten Beitrag dazu habe ich heute bei altravita.com gelesen:

"Es würde mir schon reichen, wenn beobachtet werden würde, dass das
Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion zwar illegal ist, aber für sich
genommen ein harmloses Vergehen. Wenn Bengalos auf Leute geworfen
werden, handelt es sich hingegen um eine Gewalttat von Gewalttätern,
die dafür bestraft werden müssen. Für das Werfen. Nicht für
das Halten. Wenn Bengalos in der Hand für leuchtende Stimmung in der
Kurve sorgen, ist das keine Gewalttat, sondern schlimmstenfalls eine
Ordnungswidrigkeit. Selbst Ultràs sind also erst dann Gewalttäter, wenn
sie Gewalttaten begehen."

Aus der Kategorie priceless war das Interview, das Claudio Pizarro nach dem Spiel einem verdutzten ARD-Reporter gab. Dieser fragte ihn nach seinen Problemen mit der Staatsanwaltschaft in Peru woraufhin Pizarro den Ahnungslosen gab und nach dem dritten Nachfragen schließlich zum Ausdruck brachte, was er von der Angelegenheit hält: "Ach du meinst das Ding da drüben? Da sag ich nichts zu." Der ARD hat das Interview anscheinend so gut gefallen, dass sie den fraglichen Teil einfach aus der Version in ihrer Mediathek gestrichen hat.

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