UEFA-Cup Viertelfinale, Hinspiel: Das böse Wort mit K

Werder Bremen – Udinese Calcio 3:1

Der erste Schritt auf dem Weg zum Nordderby im Halbfinale ist gemacht. Werder siegt gegen eine taktisch wie erwartet starke Mannschaft aus Udine, macht sich aber eine beruhigende 3:0 Führung durch eine sehr unkonzentrierte Schlussphase etwas kaputt. Trotzdem hat man ein gutes Ergebnis erzielt, das die Chancen auf ein Weiterkommen sicher nicht gemindert hat. Vielleicht hat das Gegentor ja auch einen positiven Effekt und wird als Warnschuss fürs Rückspiel ernst genommen. Thomas Schaaf bezifferte die Chancen auf ein Weiterkommen nach dem Spiel auf 50:50. Eine gesunde Einstellung, die er hoffentlich auf die Mannschaft übertragen kann.

Erfreulich war bei Werder vor allem die Chancenverwertung. Obwohl das Offensivspiel lange hakte und die Fehlpassquote wie schon gegen Hannover hoch war, nutzte man die wenigen guten Angriffe aus und zeigte ungewohnte Vollstreckerqualitäten. Diego unterstrich mal wieder, wie wichtig er für Werder in dieser Rückrunde ist und noch werden kann. In den Spielen, in denen es drauf ankam, zeigte er stets hohen Einsatz und exzellente Leistungen. Nachlässigkeiten wie in den letzten 10 Minuten wird sich Werder in Udine jedoch kaum erlauben können. Ein 1:3 ist schnell aufgeholt und wer Udines Chancen gesehen hat, der weiß, dass es durchaus zu mehr als einem Tor hätte reichen können. Werders Auswärtsbilanz im Europapokal macht jedoch Mut: Man hat in dieser Saison noch nicht verloren (5 Spiele, 5 Unentschieden).

In den Tagen vor dem Spiel sorgte vor allem ein Name für Aufregung in Bremen: Kevin Kuranyi. Vor ein paar Wochen sagte ich bereits seinen Wechsel nach Bremen voraus. Naja, sowas ähnliches jedenfalls. Wie realistisch diese Spekulationen sind, kann ich nicht beurteilen. Ich glaube eigentlich nicht, dass der Name ganz oben auf Allofs Liste steht, schon allein aus Kostengründen. Ich bin ehrlich gesagt überrascht, dass es neben den erwarteten empörten Protesten seitens gar nicht so weniger Fans auch positive Reaktionen gab: Kuranyi? Warum nicht?

Ja, warum eigentlich nicht? Abgesehen von persönlichen Sympathien (bzw. Antipathien) gibt es nicht vieles, das gegen Kuranyi spricht. Damit will ich nicht sagen, dass der Kevin keine Schwächen hat, ganz im Gegenteil. Man kennt seine Schwächen nur zu genau, werden sie doch Woche für Woche, Monat für Monat in den Medien wiedergekäut. Genau das ist das Problem: Der Name Kuranyi verleitet nicht zum träumen. Man weiß genau, was man bekommt, nämlich einen torgefährlichen, kampf- und kopfballstarken Stürmer der gehobenen Klasse, der technische Mängel aufweist, lispelt und selten etwas kluges sagt. Ein Brasilianer wie Fred, den nur wenige Fans mehr als dreimal live spielen gesehen haben, taugt dagegen besser als Objekt der Begierde. Er könnte sich ja zum Weltklassespieler entwickeln.

Um es kurz zu machen: Ich könnte mir Kuranyi als Sturmpartner für Pizarro gut vorstellen, weil ich glaube, dass sie sich gut ergänzen würden. Als Pizarro-Ersatz hingegen nicht wirklich. Allerdings muss ich schon sagen, dass ich mich mit einem Kuranyi im Werdertrikot aus menschlicher Sicht sehr schwer tun würde. Wer jedoch ernsthafte Zweifel an Kuranyis Klasse hat, dem  empfehle ich, sich nochmal einige der letzten Werderspiele gegen Schalke anzuschauen.

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