8. Spieltag: Keine Geschenke zur Wasen

VfB Stuttgart – Werder Bremen 1:1 (1:1)

Werder holt einen hart erkämpften Punkt in Stuttgart. Nach einer starken Anfangsphase der Stuttgarter bekommt Werder das Spiel in den Griff, wird aber in der zweiten Halbzeit immer mehr hinten rein gedrängt.

Anfangsdruck und Gegenwehr

Dutt musste vor dem Spiel verletzungsbedingt umstellen und Kroos für Makiadi sowie Prödl für Lukimya einsetzen. Ansonsten setzte er auf die gleiche Mannschaft wie vor einer Woche gegen Nürnberg. Bei Stuttgart stand Ex-Bremer und zwischenzeitlicher Werder-Schreck Harnik in der Startelf. Der VfB begann mit viel Tempo und direktem Offensivspiel. Bei Werder positionierten sich die beiden Viererketten sehr tief und mit geringem Abstand zueinander. Junuzovic und Kroos spielten zudem sehr umsichtig und waren darauf bedacht, wenig Raum zwischen den Linien zuzulassen. Trotzdem fand Stuttgart in den ersten 15 Minuten den Weg in den Strafraum, indem sie die Außenbahnen clever nutzten. Traore spielte seinen Schnelligkeitsvorteil gegenüber Fritz aus und auf der anderen Seite nutzte Stuttgart die hohe Stellung (mit Ball) bzw. das frühe Herausrücken (ohne Ball) von Garcia, um Pässe in seinem Rücken zu spielen. So kam man einige Male zur Grundlinie durch, was Dutt nach dem Spiel zurecht als Problem bezeichnete.

Nach dem Rückstand fand Werder jedoch langsam ins Spiel. Fritz fing sich nach der schwachen Anfangsphase und stellte sich besser auf Traores Tempoläufe ein. Zudem war Caldirola sehr aufmerksam und rückte häufig auf die linke Seite heraus, wenn Garcia herausgerückt war. Dieser rückte dann diagonal nach hinten ein, so dass die beiden zwischenzeitlich die Position tauschten. Stuttgart kam nun nicht mehr so einfach über die Flügel durch und schon bekam das Spiel eine andere Färbung. Sie bauten im Zentrum recht langsam auf und probierten es früher mit Flanken, die von Prödl und Caldirola meist geklärt werden konnten. Werder kam unterdessen zu ersten eigenen Angriffen, bei denen Garcias Offensivpräsenz auf der linken Seite gut genutzt wurde.

Dominanz und Scheindominanz

Sah es einige Zeit noch so aus, als würde Stuttgart die Führung einigermaßen souverän verwalten, hatte Werder spätestens ab der 30. Minute einen Fuß im Spiel. Aus der tatsächlichen wurde eine Scheindominanz, die Werder ab und an durchbrechen konnte. Der Ausgleich fiel dennoch etwas überraschend und wurde mehr erkämpft als erspielt: Nach einer gegrätschten Weiterleitung von Garcia erläuft Junuzovic seinen abgeblockten Flankenversuch knapp vor der Torauslinie und bringt ihn flach und hart vor das Tor, wo Petersen den Fuß hinhält. Eine gewisse Ironie kann man der Tatsache entnehmen, dass Werder durch das Stilmittel zum Torerfolg kam, das Stuttgart in der Anfangsphase so gefährlich machte.

Zur Pause war das Unentschieden trotz Stuttgarts starkem Auftakt nicht unverdient. Die defensive Stabilität war nach dem Rückfall in der zweiten Halbzeit gegen Nürnberg wiederhergestellt. Nach dem Seitenwechsel wurde diese auf eine harte Probe gestellt. In den ersten 10 Minuten konnte Werder noch mithalten und hatte 2-3 im Ansatz gefährliche Kontersituationen. In der Folge überließ man Stuttgart jedoch das gesamte Mittelfeld und verteidigte noch tiefer als in Halbzeit 1. Die eigenen Bälle gingen meist schon verloren, bevor Werder überhaupt umschalten konnte. Das eigene Aufbauspiel wurde schließlich komplett eingestellt, um keine Ballverluste in gefährlichen Situationen zu riskieren.

Glück und Geschick

Stuttgart war hingegen ballsicher und sichtlich bemüht, die Überlegenheit in Torchancen umzumünzen. Werders Verteidigung im und um den Strafraum erinnerte nun wieder stark an die ersten Saisonspiele: Keineswegs souverän, aber in den entscheidenden Momenten meistens noch ein Fuß oder Kopf dazwischen. Stuttgart hatte etliche Halbchancen, doch klare Torgelegenheiten blieben Mangelware – auch, weil Werder wenig herschenkte. Das Team zeigte große Leidenschaft beim Verteidigen. Dies hinterließ Spuren beim Gegner. Stuttgart wirkte in der Schlussphase nicht mehr so überzeugt und so konnte Werder diese unbeschadet überstehen.

Am Ende ist es für Werder ein gewonnener Punkt. Der VfB war das Team, das das Spiel in der zweiten Halbzeit gewinnen wollte und den Sieg auch verdient gehabt hätte. Werder hatte in den ersten 15 Minuten und in der zweiten Halbzeit eine gute Portion Glück, blieb nach der Pause im Mittelfeld sehr passiv, hielt aber auch mit einer kämpferischen Leistung und guter Moral das Unentschieden. So kann man einen weiteren Teilerfolg mit in die Länderspielpause nehmen und steht mit elf Punkten aus acht Spielen gut im Soll.

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    4 Gedanken zu „8. Spieltag: Keine Geschenke zur Wasen

    1. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht so ganz, warum der Kicker Garcia statt Mielitz zum Spieler des Spiels gemacht hat… ohne ihn hätten wir in Stuttgarts starker Anfangsphase wohl höher zurückgelegen.

      1. Ich verstehe es auch nicht ganz, aber mMn sind Benotungen von Spielern und damit auch solche Auszeichnungen eh mit sehr viel Vorsicht zu genießen.

        Was ich aber interessant finde: Einer der Hauptkritikpunkte an Mielitz war ja, dass er angeblich dem Druck nicht gewachsen sei. Seit dem Wiese-Theater hat er nun aber in vier Spielen nahezu fehlerfrei gespielt, war gegen den HSV richtig stark (Wieses Paradedisziplin). Wenn sich das so fortsetzt könnte er am Ende sogar von der ganzen Geschichte profitieren.

    2. Ich finde auch, dass er mit jedem Spiel besser geworden ist, was angesichts der ganzen Diskussion um seine sportliche Eignung umso beachtlicher ist. (der Druck wurde ja maßgeblich erst durch die erzeugt, die nach jeder kleinen Unsicherheit gleich rumgezetert haben)
      Was mir gegen Nürnberg auch aufgefallen ist: Er kommuniziert offenbar sehr viel mit seinen Vorderleuten und versucht, sie weiter anzufeuern. Das wurde ihm vor nicht allzu langer Zeit ja auch angekreidet (er habe “keinerlei Ausstrahlung” etc.) Keine Ahnung, ob das mehr geworden ist oder ob da die Auswahl der Fernsehbilder lediglich täuscht. Fehlende Präsenz muss er sich da jedenfalls nicht vorwerfen lassen.

      1. Mielitz hat auch vorher schon mit seinen Vorderleuten kommuniziert, immer wieder angefeuert, angebrüllt. Ist wohl eher ein Fall von selektiver Wahrnehmung. ;)

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