Vorzeigefantour – Werder in Belek Tag 7

In der Reihe “Werder in Belek” berichtet Gastautor Sebastian Cario täglich in kleinen Notizen aus dem Trainingslager der Bremer.

Der heutige Tag wurde für die Mannschaft von zwei Trainingseinheiten geprägt, die um 11:00 und 17:00 Uhr stattfanden. Am Vormittag bekam die Startelf vom gestrigen Test gegen Anderlecht eine Pause und regenerierte im Hotel. Auch Naldo und Avdic fehlten weiter verletzt. Die verbliebenen acht Akteure trainierten erst Kurzpässe, dann 6 gegen 2 und suchten später den Abschluss in Überzahlsituationen. Bemerkenswert war für mich, dass Füllkrug eine sehr gute Physis mitbringt und die Bewegungen extrem rund und leichtfällig aussehen. Trinks konnte einige gute Torschüsse zeigen, die unhaltbar im Kasten von Miele und Düker einschlugen.

Am Nachmittag war dann wieder gesamte Kader auf dem Trainingsplatz, um in vielen kleineren Übungen die Beweglichkeit, erneut das Kurzpassspiel und den Torabschluss zu verbessern. Anschließend wurde “gegen” ein Team aus Pappkameraden gespielt. Hier sollten die Lauf- und Passwege, sowie das grundlegende Aufbauspiel verbessert werden. Im A-Team sah das auch schon ganz gut aus. Es war gut zu erkennen, das Schaaf weiterhin auf die Raute setzt, auch wenn Trybull und Iggy ihre Rollen in den bisherigen Trainingseinheiten und Spielen deutlich defensiver interpretieren und im Rückwärtsgang häufig zu einer Dreierreihe aus 6ern mutierten.

Spiel gegen Pappkameraden

Nach den Eindrücken von heute kann davon ausgegangen werden, dass Schaaf zum morgigen Test gegen den AZ Alkmaar wieder auf eine ernsthafte Formation aus Stammspielern setzt. Sollte Arnautovic morgen seine Erkältung auskuriert haben, bekommt er sicher ebenfalls Spielpraxis. Heute wechselte er sich im Pappkameradenspiel mit Pizarro und Rosenberg ab. Mit folgender Startformation ist zu rechnen:

Wiese
Fritz – Prödl – Sokratis – Schmitz
Iggy – Bargfrede – Trybull
Ekici
Rosenberg/Arnautovic – Pizarro

Gladbacher Vorzeigefantour

Heute morgen konnte ich im Weser-Kurier eine Lobhudelei auf die Fanreise von Gladbach lesen, die ich hier gerne einmal kommentieren möchte. Dort fanden sich ein paar interessante Aussagen:

„Der Gladbacher Anhang hat seit Sonntagabend noch eine weitere Möglichkeit, gegen die Kollegen aus Bremen zu sticheln. Denn auch die etwa 200-köpfige Borussen-Schar in Belek bekam Besuch im “Voyage” – und das gleich vom kompletten Gladbacher Kader. Werders Fans staunten nicht schlecht, als ihnen plötzlich Reus, Dante, Favre und Co. über den Weg liefen. Für Gladbachs Anhänger dagegen sind solche Fan-Abende mit der gesamten Mannschaft gute Tradition.“

Ich habe mich selbst inkognito auf dieser Veranstaltung eingefunden, um davon einen Eindruck zu bekommen. Ich muss ehrlich sagen, dass mir diese Form des Zusammentreffens nicht gefallen hätte. 200 Fans mit den Spielern in einem dunklen, stickigen und überfüllten Raum? Was sollte das? Eine normale Konversation war durch Musik und Geräuschkulisse nicht möglich und ständig drängelten sich Menschen an einem vorbei. Der Trainerstab fehlte übrigens komplett. Es mag Geschmacksache oder auch die Werderbrille sein, aber für mich war unsere, wirklich sehr offene Fragerunde mit Kapitän Fritz, Co-Trainer Rolff und Frank Baumann um einige Klassen besser. Des Weiteren haben wir Werderfans hier in Belek jeden Tag nach den Trainingseinheiten die Möglichkeit, Fotos mit den Spielern zu machen, Autogramme zu ergattern oder einen kleinen Schnack abzuhalten. Ich glaube auch nicht, dass es den Gladbach-Spielern übermäßig viel Spaß bereitet hat, im Gedränge den Fans ausgesetzt zu sein. Übrigens haben wir eine Führung durchs Mannschaftshotel bekommen und durften Räume besuchen, die nicht einmal die Presse gesehen hat. Bei Gladbach gibt es so etwas nicht.

„Organisiert und betreut wird die Reise wie bei Werder von Fan-Beauftragten, gekostet haben die acht Tage Belek 430 Euro inklusive Flug. Zum Vergleich: Das Bremer Angebot (über neun Tage) lag bei 589 Euro im Doppelzimmer.“

Das es diesen Preisunterschied gibt ist richtig, aber im Unterschied zu Gladbach reisen die Werderfans in der Chartermaschine der Mannschaft. Eine Boeing 737-800 ist nun einmal nicht das allergünstigste Verkehrsmittel, somit ist der Preisunterschied auch ein Leistungsunterschied. Übrigens: Die Betreuung unserer Fans ist wirklich erstklassig, Julia und Till reißen sich echt den Arsch für uns auf und erfüllen jeden Wunsch.

Mannschaftsfoto mit Werderfan Christian und Ehefrau Regina

Mannschaftsfoto mit Werderfan Christian und Ehefrau Regina

Heute gab es noch eine Aktion, die vielleicht zeigt, wie eng Mannschaft und Fans verbunden sind und dass das Gladbacher-Modell vielleicht doch nur über die Tatsache hinwegtäuscht, dass es in der Normalität kein familiäres Verhältnis zwischen Mannschaft, Offiziellen und Team gibt. Fan Christian wurde gestern 60 Jahre alt und erhielt nach den persönlichen Glückwünschen von Allofs und Schaaf ein “privates” Mannschaftsfoto. Werder-Familie at its best!

Und sonst so? Es gab heute Gerüchte über einen Abgang, der unmittelbar bevorsteht. Dazu morgen mal einen Blick in die [sic] BILD werfen…

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