Was ist ein Zaanstreek?

Die Antwort auf diese Frage dürfte bei Günther Jauch gut und gerne einen sechsstelligen Betrag wert sein. Der FC Zaanstreek war ein holländischer Fußballverein, der sich 1967 mit Alkmaar ’54 zum AZ Alkmaar zusammenschloss (bis 1986 hießen sie AZ ’67). Der Vorname des heutigen Viertelfinalgegners wäre damit also erklärt. Interessanter dürfte jedoch die jüngere Geschichte dieses Vereins aus dem Norden der Niederlande sein, da sie der Bremer Geschichte doch ein bisschen ähnelt.

Jahre voller Frust hatte AZ zwischen 1988 und ’96 zu überstehen, als der Verein in der zweiten Liga vor sich hin dümpelte. Ende der 1990er etablierte sich Alkmaar dann wieder in der Ehrendivision, ohne jedoch groß aufzufallen. Das änderte sich, als 2002 Co Adriaanse dort Trainer wurde. Bevor der nämlich Gott sei Dank zum FC Porto ging um unseren Diego auf die Tribüne zu verbannen und so dessen Marktwert auf ein für Werder erschwingliches Niveau zu senken, führte er AZ im Jahr 2004 zurück ins internationale Geschäft. Im UEFA Cup der darauf folgenden Saison machte Alkmaar mit Siegen über Aachen, Donezk und Villareal auf sich aufmerksam. Im Halbfinale schied man in einem kuriosen Spiel gegen Sporting Lissabon durch ein Gegentor in der letzten Minute der Verlängerung aus. Unter dem aktuellen Trainer Louis van Gaal wurde Alkmaar noch stärker, wurde letzte Saison Vizemeister und hinterlässt in dieser Saison vor allem wieder im UEFA Cup einen super Eindruck.

Auffällig ist dabei, dass Alkmaar im heimischen Stadion kleine
Fußballwunder vollbringt, die ein wenig an die im Weserstadion
erinnern. Zwar ist die Tradition solcher Spiele dort nicht ganz so lang
wie bei uns, aber ein Blick auf die letzten beiden Runden dieser Saison
reicht um zu sehen, dass man sich gegen diese Mannschaft nie allzu
sicher fühlen darf: Gegen Fenerbahce schien beim Stande von 0:3 im
Hinspiel schon alles gelaufen. Dann drehte Alkmaar kurz auf und
schaffte noch ein 3:3, also ein gutes Auswärtsresultat. Im Rückspiel
wollte man es dann aber doch lieber nochmal so richtig spannend machen
und fing sich einen 0:2 Rückstand ein. Auch in diesem Spiel stand die
Mannschaft wieder auf, schoss noch zwei Tore und zog ins Achtelfinale
ein. Dort drohte in Newcastle eine Klatsche. Zur Halbzeit stand es
schon 1:4. Am Ende schoss Alkmaar wenigstens noch ein Tor, so dass eine
Woche später der 2:0 Heimsieg reichte um auch die Magpies nach Hause zu
schicken.

Angesichts dieser Bilanz scheint es für Werder ein Vorteil zu sein,
das Hinspiel in Alkmaar zu haben. Beim Rückspiel im Weserstadion ist
dann nämlich eine andere Mannschaft für Wunder zuständig. Damit das
klappt, wird der Gegner von Werders Seite sehr ernst genommen: "Alkmaaar ist wie Ajax plus 10 Prozent", sagt beispielsweise Klaus Allofs. Auch Thomas Schaaf warnt: "Sie schießen viele Tore und haben tolle Spiele gezeigt."
Ein Name wie Alkmaar eignet sich leider nur zu gut um einen Gegner trotzdem zu
unterschätzen. Das wäre fatal: Der "Dorfverein" (Tim Wiese) spielt einen gepflegteren
Ball als die meisten Bundesligisten und kann sich spielerisch durchaus
mit Werder messen. Beweis für die Offensivkraft dürften die bisherigen
25 Treffer sein, womit Alkmaar das torgefährlichste Team im Wettbewerb
stellt. Die oben angedeutete Heimstärke ist keine Momentaufnahme,
sondern beste Tradition: Alkmaar hat noch nie ein Heimspiel im
Europacup verloren.

Wer heute Abend auf einen einfachen Auswärtssieg hofft, dürfte wohl
enttäuscht werden. Es gilt, eine gute Ausgangsposition zu erspielen und
hoffentlich ein Auswärtstor zu erzielen. Dabei kann Werder zum ersten
Mal in dieser Rückrunde wieder auf einen fast vollständigen Kader
zurück greifen. Tim Borowski und Frank Baumann sind wieder fit. Ob das
für dieses Spiel schon was bringt ist zweifelhaft. Für die Schlussphase
der Saison ist es jedoch immens wichtig.

Das Pendant zu Werders Doublesaison 2003/04 erlebte Alkmaar übrigens
1981. Damals gewannen sie nicht nur Meisterschaft und Pokal, sondern
standen auch dort, wo Werder in dieser Saison gerne hinmöchte: im UEFA
Cup Finale (0:3 und 4:2 gegen Ipswich Town).

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