Wasserspiele – Werder in Belek Tag 3

In der Reihe “Werder in Belek” berichtet Gastautor Sebastian Cario täglich in kleinen Notizen aus dem Trainingslager der Bremer.

Nachdem sich ein kräftiger Platzregen über das Trainingsgelände ergossen hatte, kam pünktlich zum Start des Mannschaftstrainings die Sonne zwischen den dichten Regenwolken hervor. Dem Rasen hat der Regen aber erstaunlicherweise nicht geschadet, so dass die Mannschaft ohne Probleme trainieren konnte. Vermisst wurde neben Naldo auch Florian Trinks, der bis auf Weiteres mit Knieproblemen ausfällt. Nach dem Aufwärmen lies Schaaf zum Trainingsspiel bitten, welches in den folgenden Formationen abgehalten wurde:

Aufstellungen

Team A:

Düker
Fritz – Sokratis – Prödl – Schmitz
Iggy – Bargfrede – Trybull
Füllkrug (2. HZ Rosenberg) – Pizarro – Avdic (2. HZ Arnautovic)

Team B:

Vander
Boenisch – Silvestre – Wolf – Hartherz
Kroos – Wesley – Ekici -Marin
Wagner – Thy

Spielverlauf

Gespielt wurde über 2x 25 Minuten und es war meines Erachtens eine aufschlussreiche Partie. Die ersten Minuten versuchte das A-Team die Geschicke zu lenken, bekam aber kaum nennenswerte Offensivmöglichkeiten. Erst eine sehenswerte Einzelaktion von Pizarro brachte die verdiente Führung, nachdem er sich am Strafraum gegen Wolf und den nachrückenden Hartherz durchsetze und aus spitzem Winkel gegen den chancenlosen Vander einschob. Im Anlschuss fand die B-Elf besser ins Spiel, ohne dabei zu nennenswerten Gelegenheiten zu kommen. Die erste Halbzeit war von taktischer Disziplin und sicherem Aufbauspiel geprägt.

Fritz wieder auf seiner neuen alten Position des rechten Verteidigers

Fritz wieder auf seiner neuen alten Position des rechten Verteidigers

Die zweiten 25 Minuten begannen mit einem furiosen Offensivfeuerwerk des A-Teams, welches durch einen individuellen Fehler in der Abwehr der B-Mannschaft die Führung ausbauten: Boenisch sprang nach einer miserablen Flanke direkt vor dem eigenen Strafraum der Ball etwas weit vom Fuß, Trybull reagierte am schnellsten, legte den Ball am Verteidiger vorbei und schob aus 12 Metern ins lange Eck ein. Für Boenisch gab es aufmunternde Worte, die lange Verletzungszeit merkte man ihm einfach noch an. Keineswegs geschockt versuchte danach wieder die B-Elf ihr Glück, aber die gute Abseitsfalle und das konsequente Eingreifen von Sokratis und Prödl erstickten alle Möglichkeiten im Keim. Letzterer war es dann, der die B-Mannschaft zurück ins Spiel brachte: Prödl erkämpfte einen Ball am Strafraum und wollen diesen auf Düker zurücklegen. Dieser war jedoch schon einen Schritt aus dem Kasten geeilt und stand dann auf dem falschen Fuß, so dass das Spielgerät in aller Seelenruhe in den Kasten trudeln konnte. Peinlich, doch die Antwort folgte auf dem Fuß! Trybull spielte Arnautovic sehenswert auf der linken Seite frei, dieser lief auf Vander zu, drehte sich drei Mal um die drei nahenden Verteidiger und schob den Ball unhaltbar ein. Kurz danach trag sich der Österreicher ein weiteres Mal in die Torschützenliste ein: Pizarro schickte den bis dato unglücklich agierenden Rosenberg auf den rechten Flügel, dieser flankte halbhoch und fand in der Mitte den komplett freistehenden Arnautovic, der aus sieben Metern Vander ein weiteres Mal keine Chance lies. Kurz danach war Schluss, die Partie endete 4:1 für das A-Team.

Endstand A vs. B: 4:1
Torschützen: Pizarro, Trybull, Prödl (ET), Arnautovic (2)

Auch das Abendtraining bestand nach einem Kurzpasstraining aus einem Spiel in den gleichen Formationen vom Vormittag. Anstelle von Düker rückte allerdings Wiese ins Tor der A-Elf und wurde zur Halbzeit von Miele abgelöst. Ansonsten änderte sich fast nichts. Bis auf das Wetter. Wo am Morgen noch die Sonne den Regen verdrängt hatte, plätscherte es nun wie aus Eimern vom Himmel. Dem Spielgeschehen tat das allerdings keinen Abbruch.

Regen in Belek - Auch der Getty Fotograf kämpft um Durchblick

Regen in Belek - Auch der Getty Fotograf kämpft um Durchblick

Es dauerte gut 10 Minuten, bis sich die ersten echten Chancen ergaben. Nach einem langen Ball prallen im Strafraum Silvestre und Füllkrug zusammen. Hauptschiedsrichter Schaaf lässt aber weiterspielen, sodass Iggy am schnellsten reagiert, sich das Leder schnappt und ins kurze Eck an Vander vorbei einschießt. Doch fast im Gegenzug fällt der Ausgleich: Nach einer Unaufmerksamkeit auf der rechten Abwehrseite das A-Teams wird Wagner geschickt, der technisch einwandfrei den Ball in den Strafraum vorlegt und auf Wiese zuläuft. Der Querpass auf den ebenfalls vogelfreien Thy kommt perfekt, aber der Nachwuchsspieler scheitert an Wiese, der mit einer sehenswerten Parade genau richtige antizipierte. Eine Chance aus der Kategorie tausendprozentig, die die B-Elf leichtfertig vergab. Wenige Minuten später sorgte Pizarro für das 2:0, als sich Fritz über rechts durchsetzte, bis zur Grundlinie marschierte und den wartenden Stürmer mit einer flachen Hereingabe am langen Eck bediente. Auch die B-Mannschaft kam noch zu einer sehenswerten Möglichkeit, als Hartherz auf Wagner flankte, der den Ball per Brust auf Thy legte und dieser mit einem Volleyschuss kurz hinter der Strafraumgrenze abschloss. Wiese war allerdings ein weiteres Mal auf dem Posten und klärte zur Ecke.

Fast hätte Rosenberg den Spielstand nach der Halbzeit nochmals erhöht, als durch eine Kombination von Pizarro und Arnautovic in den Strafraum geschickt wurde. Vander verkürzte allerdings den Winkel und konnte den Ball abwehren. Einige Minuten später stand der Schlussmann erneut im Mittelpunkt, als er einen sehenswerten Volley von Trybull aus gut 20 Metern per Glanzparade um den kurzen Pfosten lenkte. Für den Endstand nach einer eher langweiligen Halbzeit sorgte wieder einmal Pizarro, der nach einer Ecke die kollektive Konfusion der Hintermannschaft ausnutze und um kurzen Pfosten einschoss. Das Spiel endete 3:0 für das A-Team.

Endstand A vs. B: 3:0
Torschützen: Iggy, Pizarro (2)

Analyse

Auffällig war, dass Fritz wieder als Rechtsverteidiger zum Einsatz kam. Auch Boenisch versuchte sich auf dieser Seite, da Hartherz auf Links den Vorzug erhielt. Fritz zeigte starken Zug zum Tor und leitete viele Angriffe mit ein. Eine hohe Anzahl Ballkontakte hatte im A-Team auch Trybull, der deutlich mehr für den Aufbau tat als der müde wirkende Bargfrede. Das Kommando in der Abwehr hatte Prödl, der souverän spielte, aber mit dem Eigentor in Spiel 1 alle positiven Aspekte erfolgreich wegwischte. Iggy arbeitete wie gewohnt sehr viel und belohnte sich mit seinem Treffer im Abendspiel. Pizarro, Rosenberg und Arnautovic fanden gut zusammen, wobei sich Pizarro immer wieder nach hinten fallen lies und mehr als Spielgestalter agierte.

In der B-Elf wirkte der lustlose Wesley wie ein Fremdkörper im Spiel, ohne Ideen und nur mit dem vermeintlich sicheren Pass. Immerhin war die Leistung am Abend etwas besser. Viel Einsatz zeigte dagegen Wagner, der zwar glücklos blieb, aber immerhin mit Willen und Kampfgeist agierte. Marin tauchte dagegen völlig ab, bis auf einen Lupfer auf den im Abseits stehenden Thy in Spiel 1, war von dem Dribbelkünstler nichts zu sehen. In der Mitte des Spieles ist er einfach komplett deplatziert.

Insgesamt wurde schon deutlich, wer A- und B-Elf ist und aus welchem Grund. Es bleibt abzuwarten, ob sich noch grundlegendes an den Formationen ändert und Fritz wieder ins Mittelfeld zurückkehrt. Das flexible 4-3-3 der A-Elf scheint eine Formation zu sein, mit der Schaaf immer mal wieder experimentiert und es ist gut möglich, dass diese auch im morgigen Testspiel gegen Pakhtakor Tashkent zum Einsatz kommt!

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    3 Gedanken zu „Wasserspiele – Werder in Belek Tag 3

    1. Chapeau, toller Bericht, vielen Dank! Das klingt in Bezug auf Trybull doch schon klasse, so solls sein ;)
      Schade, dass Thy scheinbar abschlusstechnisch noch immer nichts so richtig gelingen will und Wagner nach wie vor Effektivität vermissen lässt.
      Auf Boenisch/Fritz als RV hoffe ich für die Rückrunde doch sehr, damit Sokratis endlich den IV geben kann und dort allen in der Bundesliga (mindestens) zeigt, wie gut er tatsächlich ist.

      Die Eindrücke zu Wesley überraschen mich wenig, der scheint aufgegeben zu haben – aber was erlaubt sich Marin denn, abzutauchen? Da bin ich doch etwas enttäuscht, sollte sich das nicht ändern.

      Die Verletzungs Trinks’ ist ärgerlich, hoffentlich wird der schnell gesund.

      Das wars dann auch, noch mal danke, klasse Bericht!

    2. Interessante Aspekte dabei, bin auf das Testspiel morgen gespannt.

      Möchte hier nochmal meinen Dank für das ausführliche Trainingslager-Tagebuch raushauen. Machste super, macht Spaß zu lesen.

      Lebenslang grün-weiß!

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