Wer M sagt, muss auch M werden

In meinem letzten Beitrag erwähnte ich die Unzufriedenheit der Bremer Fans mit der momentanen Leistung des Teams. Obwohl einerseits bei vielen Fans die Ansicht besteht, Werder sei Deutschlands beste Fußballmannschaft und eigentlich auch erster Anwärter auf die Meisterschaft, wird es der Clubführung schon fast übel genommen, dass die Erwartungen "so hoch geschraubt wurden." So höre ich immer wieder Beschwerden darüber, dass Klaus Allofs in der Winterpause die Meisterschaft als Saisonzeil ausgelobt hat. Die Begründung lautet: "Eigentlich könnte ich ja damit leben, wenn Werder nur Dritter wird, aber wenn man schon den Mund so voll nimmt, dann muss man sich auch daran messen lassen!" Das wiederum ist doch sehr interessant: Allein das Erwähnen des bösen M-Worts reicht schon aus, um die Alarmglocken schrillen zu lassen. Es gehört spätestens seit 2001 und dem Last-Minute-Triumph der Bayern zum guten Ton, das Wort "Meisterschaft" lieber nicht in den Mund zu nehmen – außer man heißt Höneß, Rummenigge oder Kahn. Es scheint fast so, als ob ein Fluch auf dem Wort lastet, der jedem, der auch nur laut darüber nachdenkt, einen großen Knüppel zwischen die Beine wirft. Von der Meisterschaft sollte nach Möglichkeit erst gesprochen werden, wenn die Schale ihren Platz in der Vereinsvitrine gefunden hat.

Nun muss man sich allerdings fragen, warum die restlichen 17
Mannschaften überhaupt an der deutschen Fußballmeisterschaft
teilnehmen, wenn sie sie nicht gewinnen wollen. Sicherlich lautet das
Saisonziel für Cottbus und Aachen eher Klassenerhalt als Meisterschaft,
aber letztendlich ist es doch die Meisterschaft, die die 18
Bundesligamannschaften unter sich ausspielen. Will nicht jeder
Bundesligaspieler, -Trainer, -Manager gerne Meister werden? Warum darf
man es dann nicht sagen? Tiefstapelei, um die eigenen Worte später
nicht um die Ohren gehauen zu bekommen? Wer Meister sagt, muss auch Meister werden!

Kann mir bei der Gelegenheit vielleicht auch jemand erklären,
inwiefern sich die Saisonziele "Meisterschaft", "Internationaler
Wettbewerb" und "Klassenerhalt" überhaupt widersprechen? Wie oft werden
Trainer oder Manager nach einer schlechten Phase gefragt, ob sie jetzt
nicht "ihre Saisonziele korrigieren" müssen. Wäre es denn ein Problem,
wenn, sagen wir, Mönchengladbach jetzt statt Klassenerhalt das
Saisonziel Meisterschaft hätte? Klar, man könnte dieses Ziel nicht mehr
erreichen, aber braucht man zum Klassenerhalt nicht trotzdem dasselbe
wie für eine Meisterschaft? Tore, Siege und Punkte?

Eigentlich sollte man meinen, alle Bundesligamannschaften wollten
grundsätzlich alle Spiele gewinnen und so viele Punkte wie möglich
holen. Das liegt doch in der Natur des Spiels. Trotzdem fühlen sich
Fußballspieler immer wieder dazu genötigt zu betonen, dass sie das
nächste Spiel gerne gewinnen möchten (und das danach bitte auch). Das
ist in etwa so, als würden die Vorstände von BMW, VW und
Daimler-Chrysler alle zwei Wochen betonen, dass sie gerne möglichst
viele Autos verkaufen und dabei möglichst viel Geld verdienen möchten.
Ein Saisonziel spiegelt doch eigentlich das wider, was ein Verein vor
der Saison als gutes, realistisches Ergebnis ansieht. An der
kurzfristigen Zielsetzung ändert das nicht die Bohne. Muss also ein
Abstiegskandidat sein Saisonziel nach oben korrigieren, damit auch
wirklich jedem Spieler klar ist, dass bei besonders gutem Saisonverlauf
nach Erreichen der 40-Punkte-Marke die Spiele trotzdem nicht kampflos
abgegeben werden?

Ich jedenfalls stehe zu meinem Wunsch, dass Werder in dieser Saison
Meister wird. Und ich finde es gut, dass Klaus Allofs es ähnlich sieht
und das auch öffentlich kundtut. Der Grat zwischen Selbstbewusstsein und Arroganz mag schmal sein, doch als Herbstmeiser das Ziel zu
haben auch Meister zu werden, ist davon noch ein gutes Stück entfernt.

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