Gegen Dortmund – Wie ersetzt Werder Arnautovic?

Nachdem Sebastian hier wieder einmal tolle Arbeit abgeliefert und uns aus Werders Trainingslager auf dem Laufenden gehalten hat, geht es nun wieder zurück zum Tagesgeschäft Bundesliga. Zum Auftakt geht es gegen Borussia Dortmund, das die letzten Tage mit der Sahin-Rückholaktion für Schlagzeilen gesorgt hat.

Wie geht Werder mit der Arnautovic-Sperre um?

Werder hat sich wohl selten so akribisch auf das Fehlen eines einzelnen Spielers vorbereitet. Dank der Winterpause hatte man viel Zeit, sich Gedanken zu machen, wie man ohne Arnautovic gegen Dortmund spielen will. Die einfachste Lösung wäre, die Position mit einem anderen Außenstürmer zu besetzen. Mit Niclas Füllkrug ist der erste Kandidat hierfür jedoch nicht gerade in Bestform. Zudem enttäuschte er in der Arnautovic-Rolle gegen Bayer Leverkusen. Dahinter weist Werders Kader nicht gerade ein Überangebot an Flügelstürmern auf. Eine Alternative könnte es daher sein, einen der spielstarken Mittelfeldspieler auf die Außenbahn zu setzen. In der Mitte stünden mit Fritz und Ignjovski zwei Spieler parat, die dafür in die Startelf rücken könnten.

Doch Thomas Schaaf setzt auf dem Flügel in dieser Saison nur selten auf Mittelfeldspieler. Es könnte daher gut sein, dass das in den Testspielen gegen Trabzonspor und Zwolle geübte System ohne echten Mittelstürmer zum Einsatz kommt. Hierbei agierte Nils Petersen auf der Arnautovic-Position und zog im Laufe eines Angriffs in den Strafraum, während Hunt und De Bruyne flexibel das Zentrum beackerten. Schon zu Saisonbeginn spielte Werder in Dortmund ohne echte Spitze, wobei dort Fritz als alleiniger Sechser agierte, wohingegen in Belek eine Doppelsechs zum Einsatz kam.

Das 4-2-4-0-System hätte sicher einige Vorteile, wenngleich Dortmund sich von Petersens Auftauchen im Strafraum vermutlich nicht so einfach überrumpeln lassen würde. Es offenbart jedoch auch eine deutliche Schwachstelle, die nur durch perfekte Feinabstimmung vor Spielern wie Reus geschützt werden kann. Petersen ist ein hervorragender Pressingspieler, aber das Verteidigen auf dem rechten Flügel liegt ihm nicht so richtig. Vor allem aber ist Selassie offensiv mehr gefordert, wenn Petersen in die Mitte zieht, was zwangsläufig Räume hinter ihm offen legt. Hier wäre die Doppelsechs gefordert, diese durch gutes Verschieben zu verkleinern, was allerdings nicht unbedingt als Werders Stärke angesehen werden kann.

Defensivprobleme? Welche Defensivprobleme?

Eigentlich hat man auch ohne taktische Experimente schon genügend Sorgen in der Defensive. Darüber spricht man in Bremen jedoch nicht so gerne. Thomas Schaaf antwortet auf Fragen nach den vielen Gegentoren meist ausweichend und mit allgemeinen Hinweisen darauf, dass in der Defensive alle Spieler gefordert sind. Eine Erklärung dafür, dass man auch im neuen, konterlastigen System die Anzahl an Gegentoren nicht senken konnte, ist dies jedoch nicht. Allerdings hat man im Trainingslager den Berichten zufolge intensiv am Umschaltverhalten von Offensive auf Defensive gearbeitet. Die Hinrunde hat gezeigt, dass es hier noch Verbesserungbedarf gibt. Der Erfolg in der Rückrunde wird maßgeblich davon abhängen, ob sich das Team auch defensiv steigern kann. Mit 60 Gegentoren dürfte der Einzug in die Europa League schwierig werden.

Auch Dortmund kommt mit Defensivsorgen ins Weserstadion. Bei der Borussia liegen diese jedoch vor allem im personellen Bereich. Mit Neven Subotic fällt einer der beiden Stamminnenverteidiger für längere Zeit verletzt aus. Dazu hat sich der einzige gestandene Ersatzmann Felipe Santana das Nasenbein gebrochen, sollte im Spiel gegen Werder aber wieder zur Verfügung stehen. Falls nicht, stünde auch Sven Bender als Alternative für die Innenverteidigung parat, zumal es im defensiven Mittelfeld nach dem Sahin-Transfer genügend Optionen gibt.

Systemwechsel beim BVB wegen Sahin?

Taktisch erwarte ich vom BVB keine großen Experimente. Es wird derzeit viel über eine mögliche Umstellung auf ein 4-3-3 diskutiert, um Sahin einzubinden ohne Gündogan rauszunehmen. So richtig vorstellen kann ich mir das aber nicht, zumindest nicht in dieser Saison. Zum Saisonauftakt dürfte Jürgen Klopp auf Bewährtes setzen und bei seinem erfolgreichen 4-2-3-1 bleiben. Sahin wird noch etwas Zeit brauchen und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man ihn ohne Not direkt ins kalte Wasser wirft. Gegen Werder erwarte ich ihn jedenfalls nicht in der Startelf.

Ansonsten ist Dortmunds Spielweise hinlänglich bekannt. Die Umstellung nach dem Kagawa-Weggang und die Integration von Marco Reus haben sich in der ersten Hälfte der Hinrunde bemerkbar gemacht. Seitdem hat sich die Borussia sehr gut entwickelt und auch in der Champions League gezeigt, dass sie an Reife gewonnen hat. Ich würde keine große Hoffnung darauf setzen, dass Dortmund die Liga wegen des großen Rückstands auf die Bayern schleifen lässt und sich einzig auf die Champions League konzentriert. Gerade zum Beginn der Rückrunde werden sie noch einmal voll angreifen wollen.

Massives Zentrum als (einzige?) Chance

Für Werder wird es wieder einmal darum gehen, den richtigen Grad im Pressing zu finden. Für ein extrem hohes Pressing à la Freiburg ist die Raumaufteilung zu unorthodox. Ein offener Schlagabtausch ist ebenfalls nicht in Werders Sinne. Sich gegen Dortmund hinten zu verbarrikadieren ist jedoch auch keine Lösung, wenn man mehr als nur Schadensbegrenzung betreiben will. Gerade falls Petersen wirklich auf den Flügel rückt und Werder ohne Spitze spielt, ist die Arbeit von Hunt und De Bruyne gegen den Ball enorm wichtig. Mit einem so massiven Mittelfeld würde man das Dortmunder Spiel fast zwangsläufig über die abkippenden Sechser laufen lassen. Gerade Gündogan sollte man dabei alle Passoptionen ins Zentrum zustellen und frühe Pässe auf die Außenbahnen oder lange Bälle erzwingen.

Um Dortmund zu schlagen, müssten schon einige Dinge zusammenkommen. In der Hinrunde war man zumindest dicht an einem Punktgewinn dran und hat Dortmund mit schnellem Umschaltspiel sichtlich überrascht. Inzwischen sind beide Teams besser eingespielt und Werders System ist allen Gegnern hinlänglich bekannt. Schaaf muss sich entscheiden, ob er das Risiko eines 4-2-4-0 zugunsten eines erneuten (wenn auch kleinen) Überraschungseffekts eingehen will oder auch ohne Arnautovic auf sein bekanntes System setzt. Vielleicht überrascht er uns am Ende alle und spielt mit einer Raute…

Artikel teilen