5. Spieltag: Square One

Werder Bremen – Eintracht Frankfurt 0:3 (0:2)

In einem in vielerlei Hinsicht bemerkenswerten Spiel verliert Werder Bremen gegen Eintracht Frankfurt deutlich mit 0:3. Vor allem in der ersten halben Stunde enttäuschte Werder in allen Belangen. Die Eintracht war hingegen spielerisch deutlich verbessert im Vergleich zum Saisonauftakt.

Frankfurt dominiert das Mittelfeld

Werder begann taktisch ähnlich, wie in den letzten Spielen und stand defensiv in einem 4-4-2 System, mit Hunt und Neuzugang Di Santo an vorderster Front sowie Ekici im linken Mittelfeld. Mit einem Wechsel aus Angriffspressing und tiefem Verteidigen wollte man den Gästen den Zahn ziehen. Frankfurt zeigte sich im 4-3-3/4-1-4-1 hingegen relativ pressingresistent und nutzte die 3-gegen-2 Überzahl im Mittelfeld geschickt aus. Vor allem Russ hatte als zentraler Sechser viel Zeit am Ball und konnte das Frankfurter Aufbauspiel leiten. Mit starkem Kombinationsspiel und überraschend vielen Automatismen in der Offensive nahmen die Gäste von der ersten Minute an das Spiel in die eigene Hand und kamen dabei zu guten Torchancen.

Werder hatte sichtlich Probleme und es sah so aus, als könne sich die Mannschaft nicht so recht entscheiden, ob sie lieber spielerisch dagegen halten oder die gegnerische Überlegenheit anerkennen und alle Kraft in die Defensive stecken sollte. So nahm Frankfurt ihr die Entscheidung durch ein frühes Führungstor ab, das in seiner Entstehung zu den schönsten zählt, die ich in dieser Saison bislang gesehen habe, weil es fast alle Elemente schnellen Angriffsfußballs enthielt: One-Touch-Kombinationen, Ablage mit dem Rücken zum Tor, flache Spielverlagerung, Kreuzen, Hinterlaufen und eine harte, flache Hereingabe von der Grundlinie – alles perfekt aufeinander abgestimmt. Zu diesem Zeitpunkt war die Führung bereits absolut verdient.

Neue Waffe? Gefahr durch Standards

Aus dem Spiel heraus blieb Werders Offensivspiel in der Folge harmlos. Lauf- und Passwege sind noch nicht aufeinander abgestimmt, das Spiel ist wenig strukturiert und so war es für die Frankfurter Defensive keine schwere Aufgabe, den Gegner vom eigenen Strafraum fern zu halten. Dennoch kam Werder schon in der ersten Halbzeit zu einigen Torchancen, die dem Spiel eine Wende hätten geben können. Die Bremer Ecken und Freistöße sorgten nämlich für kaum mehr gekannte Torgefahr: Zunächst segelte eine Hereingabe von Ekici knapp am Tor vorbei, dann köpfte Di Santo nach einer Ecke an den Innenpfosten und schließlich rutschte Elia alleine im Fünfmeterraum so in eine Freistoßflanke herein, dass der Ball in Richtung Eckfahne geklärt wurde. Zusammen mit der ersten aus dem Spiel heraus entstandenen Torchance durch Hunt kurz vor der Pause waren dies genügend Gelegenheiten für Werder, die Unterlegenheit im Spiel auszugleichen.

Es kam anders, Di Santo fing sich eine rote Karte und Frankfurt nutzte die Überzahl schnell zum zweiten Tor aus. Auch dieses Tor war clever herausgespielt: Linke Seite überladen und den Gegner auf diese Seite ziehen, schnelle Verlagerung auf den aufgerückten Rechtsverteidiger, dieser nutzt die Zeit, in der Werder verschieben muss und keinen Druck auf den Ball bekommt für eine überlegte Flanke zwischen die Innenverteidiger, die sich nicht einig sind, wer von ihnen in den Zweikampf mit Kadlec gehen soll. In Unterzahl musste Werder den Frankfurtern das Zentrum noch mehr überlassen, wurde jedoch langsam kämpferischer.

Nach der Pause wechselte Dutt Ignjovski und Gebre Selassie für Kroos und Ekici ein; Elia wechselte auf die linke Seite. Das Signal war deutlich: Strukturiertes Aufbauspiel ist nicht mehr das Mittel der Wahl, jetzt geht es um Kampf- und Laufstärke. Tatsächlich kam Werder in der zweiten Hälfte etwas besser ins Spiel und hielt so leidenschaftlich dagegen, wie man es sich von Anfang an gewünscht hätte. Um dem Spiel noch eine Wende zu geben, hätte es aber eine perfekte Chancenverwertung gebraucht. Werder vergab jedoch auch die größte Chance des Spiels, als Trapp einen schwach geschossenen Elfmeter von Hunt hielt. Das Eigentor von Prödl zum 0:3 machte das in jeglicher Hinsicht misslungene Spiel schließlich perfekt.

Noch keine Fortschritte sichtbar

Frankfurt war die in allen Belangen bessere Mannschaft und hat deshalb auch in der Höhe verdient gewonnen. Dennoch war der Sieg nicht so deutlich, wie es das Ergebnis ausdrückt, denn Werder kam trotz spielerischer und bald auch numerischer Unterlegenheit zu sechs guten Torchancen, die mit etwas mehr Glück durchaus zu einem Punkt hätten reichen können. Alle spielentscheidenden Situationen verliefen jedoch zugunsten der Frankfurter.

Werder zeigte wie schon nach dem Rückstand gegen Gladbach, dass es gegen gut organisierte Gegner noch nicht reicht, um selbst das Spiel zu machen ohne dabei die Defensive zu entblößen. In der Offensive sind noch keine Automatismen zu erkennen, Torgefahr entsteht fast ausschließlich durch Einzelaktionen und Standards. Letztere waren gegen Frankfurt deutlich verbessert, was vielleicht die einzige positive Erkenntnis aus dem Spiel ist.

In Hamburg muss sich Werder auf die defensive Ausrichtung der ersten dreieinhalb Spieltage besinnen. Elf Gegentore in den letzten drei Spielen (inkl. Testspiel gegen St. Pauli) sprechen eine deutliche Sprache. Der HSV steht selbst mit dem Rücken zur Wand und wird vor eigenem Publikum mehr unter Zugzwang stehen, als Werder. Diesen Umstand sollte man ausnutzen und nicht – wie so oft in der Vergangenheit – dem Gegner mit einfachen Gegentoren beim Wiederaufbau helfen. Noch ist in dieser Bundesligasaison nichts wirklich schlimmes passiert, doch vielleicht war es genau dieses Bewusstsein, das nach den ersten vier Spieltagen dazu geführt hat, dass man gegen die Eintracht gewisse Dinge wieder schleifen ließ. Es sollte nun jedem Beteiligten klar sein, dass in dieser Phase der Saison jeder Punkt für Werder ein sehr hartes Stück Arbeit ist.

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