7. Spieltag: A game of two halves

Werder Bremen – 1. FC Nürnberg 3:3 (2:1)

Zweit Schritte vor, zwei zurück: Der wohl besten Halbzeit der bisherigen Saison folgt nach dem Seitenwechsel eine schwache Defensivleistung. Am Ende steht ein leistungsgerechtes Unentschieden, bei dem man sogar noch froh sein musste, dass Nürnberg nicht noch den Siegtreffer erzielte.

Verbessertes Kombinationsspiel, Flügelflitzer Garcia

Nach dem Sieg im Nordderby stellte Dutt mit Ekici für Kobylanski sowie Rückkehrer Junuzovic für den verletzten Ignjovski zwei neue Spieler in die Startelf. Werder begann sehr flexibel, mit viel Bewegung im Mittelfeld und Geduld im Spielaufbau. Beim Passspiel zeigen sich langsam Verbesserungen. Offensiv ging vor allem auf der linken Seite die Post ab. Neuzugang Santiago Garcia schaltete bei Ballbesitz immer direkt auf Offensive um und suchte den direkten Weg hinter die Viererkette des Gegners. Hieraus entstanden schnell die ersten gefährlichen Situationen, von denen eine abgefälschte, scharfe Hereingabe im gegnerischen Tor landete. Auch in der Folge blieb Garcia der auffälligste Spieler auf dem Platz, sorgte mit selbstbewusstem und direktem Spiel für gefährliche Szenen. Auch die Absicherung dahinter funktionierte, da Ekici aufmerksam war und Caldirola weit nach links herausrückte.

Nürnberg kam in der ersten Halbzeit nur sporadisch vor Werders Tor und konnte selten über mehr als zwei Stationen in der gegnerischen Hälfte spielen. In einem körperlich intensiven Spiel gewann Werder die entscheidenden Defensivzweikämpfe in den meisten Fällen. Da auch die Offensivreihe viel mit nach hinten arbeitete, fand der Gegner kaum einmal Räume zum kombinieren. Dies änderte sich auch nach dem 2:0 durch Elia nicht, auch wenn Werder das Spiel nun mehr zu verwalten schien. Kurz vor der Pause leistete man sich jedoch eine Unkonzentriertheit, die Nürnberg zum Anschlusstreffer nutzte. Der Pausenstand war bitter für Werder, da es das erste Mal überhaupt in dieser Saison war, dass man einen Gegner spielerisch beherrscht hatte und offensiv wie defensiv souverän wirkte.

Nürnberg dreht auf, Werder zahlt Lehrgeld

Nach dem Wechsel drehte sich das Spiel komplett. Nürnberg spielte, beflügelt durch das Anschlusstor und die Einwechslung von Drmic, viel konsequenter und selbstbewusster und legte in Werders Defensive die Schwachstellen offen. Beim Ausgleich reichte ein recht simpler Pass in den Raum hinter dem aufgerückten Garcia, der eine scharfe Flanke auf Drmic ermöglichte. Auch in der Folge blieb Werder anfällig, insbesondere bei der Strafraumverteidigung zeigte man Schwächen. Offensiv blieb Werder jedoch weiterhin gefährlich. Wie schon in den letzten beiden Spielen kam Werder nach Standards zu guten Chancen. Zunächst scheiterte Lukimya per Kopfball nach Ecke von rechts noch knapp, doch kurz darauf landete ebenfalls nach einer Ecke ein Befreiungsschlag bei Elia, der aus dem Rückraum zur erneuten Führung traf.

Leider blieb Elias Doppelpack nicht die dominierende Geschichte des Abends. Nürnberg spielte nach dem erneuten Rückstand weiterhin selbstbewusst nach vorne und während Werder nach und nach die Kräfte ausgingen, trafen die Franken zum erneuten Ausgleich und drückten danach auf das Führungstor. Werder spielte sich nur noch selten kontrolliert ins Angriffsdrittel und war bei hohen Bällen nicht präsent genug – anders als auf der Gegenseite Pekhart. Hunt und Petersen schoben bis in die Schlussphase aggressiv auf die Nürnberger Innenverteidiger und versuchten den Spielaufbau zu unterbinden, doch sobald sie überspielt waren, blieben beide hoch stehen, was für einen großen Abstand zu den beiden tief stehenden Viererketten hinter ihnen sorgte und Nürnberg Überzahl im Mittelfeld ermöglichte.

Die Schlussphase war gekennzeichnet von zunehmender Vorsicht beider Teams, den wichtigen Punkt nicht noch zu verspielen. Werder versuchte noch einmal Druck aufzubauen, kam jedoch nur noch einmal gefährlich vors gegnerische Tor. Der Schuss von Ekici ging jedoch weit daneben und sorgte für eine merkwürdig fatalistische Stimmung im Weserstadion.

Alte Fehler, neue Stärken

Unterm Strich bleibt ein verdientes Unentschieden, über das man sich in Bremen nach der verspielten 2:0-Führung nicht wirklich freuen kann. In Anbetracht der derzeitigen Situation ist ein Unentschieden gegen Nürnberg jedoch kein Misserfolg. Es zeigt vielmehr, dass Werder in diesem Spiel eine Halbzeit lang deutlich verbessert war und einen Ausblick darauf gegeben hat, in welche Richtung es in den nächsten Monaten gehen soll. Die zweite Halbzeit war in dieser Hinsicht ein Rückschlag, der zwar nicht unerwartet kam, aber dennoch ein Warnsignal sein sollte, dass Werder noch weit davon entfernt ist, einen Gegner über 90 Minuten dominieren zu können.

Die Verbesserungen in der Defensive (wir haben jetzt schon so viele Zu-Null-Spiele wie in der gesamten letzten Saison) stehen noch auf wackligen Füßen, die bei jedem Nachlassen der Konzentration oder der Einsatzbereitschaft ins Stolpern geraten. Offensiv waren die letzten drei Spiele (das Debakel gegen Frankfurt zähle ich da mit) ein Lebenszeichen, da neben den verbesserten Standardsituationen zuletzt auch das Kombinations- und Flügelspiel sicherer und druckvoller geworden ist.

Vielleicht tut es Werder ganz gut, nach dem Spieltag nicht auf Platz 5 der Tabelle zu stehen, um keine falsche Euphorie zu entfachen, der das Team noch nicht gerecht werden kann (die Europapokalgesänge wurden nach dem 2:0 schon wieder ausgepackt). In den nächsten beiden Spielen gegen Stuttgart und Freiburg gilt es zunächst einmal, die Konzentration in der Defensive wiederzufinden. Das Thema Balance ist inzwischen überstrapaziert, aber angesichts der verbesserten Offensive wäre es mir recht, den Fokus in den nächsten Wochen wieder etwas mehr in Richtung Defensive zu verschieben.

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    2 Gedanken zu „7. Spieltag: A game of two halves

    1. Schön, dass du jetzt wieder recht regelmäßig deine fundierten Analysen der Welt zur Verfügung stellst.

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