Wie Diego einmal nicht zu Manchester City wechselte

19.05.2009, 0:44 Eine Userin mit dem Namen "Sandra" schreibt einen Kommentar unter diesen Artikel im Werderblog. In diesem Kommentar verlinkt sie einen angeblichen Artikel der Kreiszeitung Syke, in dem von einem Angebot Manchester Citys für Diego die Rede ist. Kolportiert wird eine Ablösesumme von 39 Millionen €. Dazu werden unter anderem Klaus Allofs, Diego, Djair da Cunha und Brian Marwood zitiert. Der Artikel ist im Layout der Onlineausgabe der Kreiszeitung verfasst und trägt "kreiszeitung.de" in der URL.

19.05.2009, 11:30
Als ich den Artikel einem Freund zeigen will, kann ich ihn nicht im Sportteil von kreiszeitung.de finden. Ich suche also in besagtem Blogeintrag nach dem Link, doch dieser führt nun auf die Startseite von smartdots.com, einem Anbieter kostenloser Web-Domains.

Auch auf transfermarkt.de ist die Meldung inzwischen angekommen, wo unter Berufung auf die sehr dubiose Quelle fansfc.com schon im April über ein mögliches Interesse ManCitys spekuliert wurde. Hier findet sich auch ein Zitat aus dem angeblichen Artikel der Kreiszeitung:

"Kochte die Gerüchteküche um den Wechsel des Bremer Spielmachers bereits
seit einiger Zeit recht hoch – so kocht sie nun geradezu über. Laut
übereinstimmenden Aussagen von Allofs und dem Diego-Berater Djair
Cunha, ist am Dienstag Morgen mit Manchester City ein weiterer Club im
den Poker um den Brasilianer eingestiegen. Aus vereinsnahen Quellen war
zu hören, dass der Club knapp 39 Millionen Euro Ablöse bietet – und ein
Gehalt, das etwa dem eineinhalbfachen des Juve-Angebots entspricht.
Brian Marwood, Geschäftsführer bei dem englischen Topclub: 'Wert ist er
das sicherlich.'"

In den Kommentaren wird bereits vermutet, dass es sich um einen Fake handelt.

19.05.2009, 13:00
Auch RTL berichtet inzwischen im Videotext und auf seiner Internetseite unter Berufung auf die Kreiszeitung Syke vom neuen Millionenangebot für Diego (siehe Screenshot). Auf Anfrage bestätigt die Kreiszeitung, die bislang von den Vorgängen nichts mitbekommen hatte, dass es besagten Artikel nicht gibt: "Da wird die Kreiszeitung von RTL falsch zitiert." Stattdessen wird auf einen anderen Artikel verwiesen, der den letzten Stand der Dinge darstelle.

Rtl_screenshot 
Quelle: RTL.de

19.05.2009, 17:00 Bei RTL.de ist das Gerücht noch immer online. Es wird weiterhin auf die Kreiszeitung verwiesen. Andere Medien haben die Faschmeldung meines Wissens nicht übernommen. Eigentlich ein gutes Zeichen.

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    5 Gedanken zu „Wie Diego einmal nicht zu Manchester City wechselte

    1. Naja, zum einen offenbart die Nummer doch wie albern zum einen der ganze Transferpoker geworden ist. Zum anderen zeigt es doch, dass die Tippsen der Medien teilweise auch einfach unüberprüft abtippen ohne mal das Hirn einzuschalten.

    2. Klar, das unüberprüfte Abschreiben ist ein großes Problem, aber da gibt es doch deutlich schlimmere Beispiele. Hier hielt es sich ja noch in Grenzen. Hätten bild.de oder Spiegel Online drüber berichtet, wäre das mit Sicherheit quer durch die deutsche Medienlandschaft gegangen.

    3. @stephen
      unüberlegt? Hm, warum hat der Faker denn dann die Kreiszeitung als sein Sprachrohr missbraucht? Um seriös zu erscheinen und als glaubhaft da zu stehen. Und das gilt für die Kreiszeitung in Bezug auf Werder schon seit Jahren.
      Und warum wurde auf diesen Beitrag von Sandra eingegangen? Weil ja auch dieser ihr glaubhaft erschien.
      Das Netzt üproduziert also falsches und die Medien sind sind schuld? Wie willst du denn in Köln beispielsweise überprüfen, ob in Syke etwas steht? Ist doch nur durch das Netz möglich. Und ins Netz kann ja jeder anscheinend alles reinhauen. Wer ist jetzt zu tadeln? Ich finde das Netz.

    4. @Bunki
      Das Problem ist ja nicht, dass ein Journalist auf eine Fälschung reinfällt, sondern dass allgemein immer mehr Meldungen von anderen Medien ungeprüft übernommen werden.
      Wenn Journalisten für sich beanspruchen, besser zu sein als Blogger etc., dann kann man ihre Arbeit (!) nicht mit dem Leseverhalten dieser Sandra vergleichen. Es gibt durchaus Möglichkeiten, den Wahrheitsgehalt einer Geschichte zu überprüfen, bevor man sie veröffentlicht. Ansonsten könnte man ja gleich auf Recherche verzichten und blind alles abschreiben, was im Web steht. Wozu bräuchte man dann noch Journalisten?
      Sicher sollte man nicht alle Journalisten pauschal kritisieren, denn es gibt durchaus viele die es besser machen. Pauschal “das Netz” zu tadeln halte ich aber für genau so unsinnig.

    5. @tobias
      natürlich hast du damit nicht unrecht. Aber, gernerell wird gerade jeder Journalist gebashed, der aufs Netz reinfällt. Ist er aber vielleicht nicht sogar ein zu Lobendes, weil er sich nicht nur auf dpa und sid verlässt, sondern versucht darüber hinaus zu gehen (auch wenn er dann man Fehler macht)?
      Die Möglichkeiten der Kontrollen sind nicht so groß. Erst recht nicht nicht, wenn ein Faker im seriösen Gewand auftritt. Ich habe nicht die Zeit und die Kenntnis, bei jeder Meldung des Netzes die url (und mehr als das) zu überprüfen.
      Die Vereine belügen jeden Journalisten aus Eigennutz. Und wenn sie denn mal die Wahrheit sagen, glaubt man ihnen als Journalist nicht mehr. Und nun?

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