Wie ich morgen spielen würde

Ich will ja nicht nur meckern. Die letzten Spiele waren fürchterlich, aber es muss ja weitergehen. Nordderby also. Heimspiel gegen den HSV. So würde ich die Mannschaft spielen lassen:

Formation

Wir spielen gegen eine Mannschaft, die ein 4-2-3-1 spielt, ohne bislang die mittlere Position der offensiven Dreierreihe überzeugend zu besetzen. Dennoch stellt diese Position eine potentielle Gefahr dar. Eine Raute funktioniert gegen solch ein System nur, wenn sich das Mittelfeld geschlossen verschiebt und aufeinander eingestellt ist. Ist im Moment nicht gegeben. Also spielen wir ebenfalls ein 4-2-3-1, nehmen eine vergleichsweise statischere Ausrichtung der Mannschaft in Kauf, um im Gegenzug mehr Stabilität ins Spiel zu bekommen.

Aufstellung

Der Torwart steht fest und in der Abwehr gibt es mangels Alternativen auch nur eine mögliche Aufstellung. Davor spielen trotz zuletzt schwacher Leistungen Frings und Bargfrede. Bei Wesley hätte ich in einem vermutlich körperbetonten Spiel noch Bedenken auf dieser Position. Borowski wäre eine Alternative, aber er ist auf dieser Position ebenfalls nicht wirklich zuhause und würde außerdem nach spätestens fünf Minuten das eigene Publikum gegen sich aufbringen. Jensen war so lange von der Stammelf weg, dass ich mir von ihm momentan nicht viel erhoffe. Schaaf hat offenbar große Vorbehalte gegen ihn und ich glaube nicht, dass die im menschlichen Bereich liegen. Drängt sich wohl im Training nicht wirklich auf. Also die zwei Platzhirsche der letzten Saison spielen lassen, auf dass sie sich fangen und zu alter Stärke finden. Beide mit der Anweisung, sich für das Aufbauspiel als Anspielstationen für die Innenverteidiger freizulaufen, sich ansonsten aber voll auf die Arbeit gegen den Ball zu konzentrieren und auch bei Ballbesitz Werder den Kontakt zur Viererkette beizubehalten (I’m looking at you, Lutscher!). Letztere stand in den letzten Spielen schon recht tief und sollte dies auch gegen den HSV tun.

Die offensive Dreierreihe besteht bei mir aus Marin, Hunt und Arnautovic. Marin und Arnautovic halten dabei ganz Werder untypisch ihre Positionen auf der linken, bzw. rechten Seite und versuchen mit Ball am Fuß in Richtung Strafraum zu ziehen. Rotiert wird erst – und ausschließlich dann! – wenn das Kombinationsspiel funktioniert und Werder ein Übergewicht hat. Aaron Hunt hat in der Mitte hingegen wesentlich mehr Freiheiten, darf auf die Außen ausweichen und sein gutes Spiel ohne Ball ausnutzen. Die einzige Spitze Pizarro muss daher wie gewohnt variabel agieren und sich gelegentlich ins Mittelfeld fallen lassen, um a) dafür zu sorgen, dass das Zentrum besetzt ist und b) Verteidiger aus der Kette zu locken und so Platz für die anderen Drei zu schaffen.

Taktik

Ich würde mit einer defensiven Grundausrichtung beginnen. Die Abwehr und die beiden defensiven Mittelfeldspieler sollen sich in erster Linie auf die Defensive konzentrieren. Marin und Arnautovic müssen keine defensiv keine Wunderdinge vollbringen, aber ihre Position auf den Flügeln halten und bei Ballverlusten auf Vorstöße der Hamburger Außenverteidiger achten. Hunt hat ein wenig Narrenfreiheit. Pizarro arbeitet sowieso immer gut mit nach hinten. Das Spiel gegen den Ball würde ich wie im Spiel gegen die Bayern variieren. Mal intensiv Pressing spielen, dann wieder weit zurückziehen. Bei einer Führung würde ich diese Taktik so beibehalten und irgendwann Wesley für einen der drei offensiven bringen. Bei Unentschieden das Risiko nur dann erhöhen, wenn man den Gegner wider erwarten im Griff haben sollte. Bei einem Rückstand würde ich in den letzten 30 Minuten auf Raute umstellen, d.h. entweder Marin oder Arnautovic raus, dafür Wesley oder Borowski rein. Nach einiger Zeit dann Almeida bringen (Pizarro wird kaum durchspielen können) und in den letzten 10 Minuten dann auch Wagner für Bargfrede und es mit hohen Bällen in den Strafraum versuchen.

So sieht es dann aus:

Weder meine Taktik noch meine Aufstellung sind sonderlich ausgefallen oder gar innovativ. Sollen sie auch gar nicht. Momentan geht es in erster Linie um Stabilität und nicht darum, den HSV aus dem Stadion zu schießen (auch wenn ich natürlich nichts dagegen hätte). Eine Siegesgarantie ist das natürlich noch lange nicht und sicher auch nicht die einzige richtige Lösung (sofern es überhaupt eine richtige Lösung ist). Thomas Schaaf wird schon wissen, wie er das Team einstellen muss. Zumindest hoffe ich das nach den letzten beiden Spielen sehr. Damit beenden wir dann auch den Klugscheißermodus, denn mit dem Trainer tauschen möchte ich in diesen Tagen nun wirklich nicht.

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    5 Gedanken zu „Wie ich morgen spielen würde

    1. Du sprichst mir aus dem Herzen. Laut Presse sieht es aber eher nach einer Raute mit Borowski/Wesley und Marin als Spielmacher aus.

      Prinzipiell kann auch eine Raute gegen ein 4-5-1 gut aussehen. Mir macht aber Sorgen, dass Petric zu oft in den Rücken von Frings geraten könnte. Und man muss Fritz gegen Elia unterstützen. Eine Doppel-Sechs wäre vielleicht besser.

      Vor allem aber ist mir unbegreiflich, dass Schaaf nicht auf Hunt setzt (ohne Hannover gesehen zu haben). Er kann uns spielerisch aus dieser Krise führen.

    2. Ich denke auch, dass heute eine Doppelsechs besser wäre, auch wenn du natürlich recht hast und man auch mit einer Raute gegen ein 4-5-1 gut aussehen kann. Aber das ist der schwierigere Weg und momentan sollte man es sich so einfach wie möglich machen.

      Ich hoffe doch sehr, dass die Press unrecht hat. Was soll sich denn diesmal ändern, wenn Marin den 10er gibt? Das wird dann wieder eine Art 4-3-3 mit einem großen Loch in der Mitte.

      Hunt war gegen Hannover schwach, aber gerade einem Spieler wie ihm muss man ein paar Spiele geben, um in die Rolle hineinzuwachsen. Hat Schaaf in der letzten Saison doch auch gemacht. Irgendwie bekommt er diesen Zwiespalt aus “auf Marin setzen” und “mit Raute spielen” nicht gelöst. Dabei muss er doch sehen, dass Marin auf der Außenbahn wesentlich besser aufgehoben ist.

      Naja, mal sehen was da heute bei rauskommt. Ich bin sehr gespannt.

    3. Sehr guter Post!
      Ich würde das 4-5-1 auch befürworten und einen weiteren Grund anfügen: Wenn Petric spielt, hat der HSV einen Spieler auf dem Feld der gerne und gefährlich aus 20-25m abschließt (s. Spiel gegen Pauli). Werder ist aus dieser Distanz verwundbar (s. letzte Saison) und ich glaube mit 2 Sechsern lässt sich der Raum für solche Aktionen eher verrringern als mit Raute. Weiterhin hoffe ich, dass die Rückkehr von Pizarro und Merte die Mannschaft insgesamt stabilisiert und die Jungs wieder etwas selbstbewusster auftreten. Das hat in den letzten Spielen doch sehr gefehlt. Dann klappts auch gegen den Nachbarn ;-)

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