Zeugnisausgabe – Die Einzelkritik

Im letzten Teil meiner Hinrundenbilanz geht es an die Einzelkritik. Da wir uns in einem Umbruch befinden und die sensiblen Jungs nicht gleich wieder demotiviert werden sollen, verzichte ich dabei dieses Jahr auf Schulnoten.

Sebastian Mielitz

Macht seine Sache gut. Es ist ein deutlicher Unterschied zu Wiese erkennbar. Kein Linientorwart. Baut das Spiel fast immer über Abwürfe auf und sucht auch die schnelle Option, die ihm seine Mitspieler noch zu selten bieten. Hat noch Steigerungspotenzial und ein Gurkenspiel gegen Augsburg war auch dabei, aber insgesamt war das absolut in Ordnung.

Assani Lukimya

Nicht unbedingt der Prototyp des modernen Verteidigers. Spielaufbau lässt zu wünschen übrig. Kennt aber seine Grenzen und geht kaum Risiken ein. Erfüllt defensiv seine Aufgaben und hat gute körperliche Präsenz. Ohne die beiden Platzverweise hätte er vielleicht schon einen Stammplatz.

Kevin de Bruyne

Gehört für mich zu den talentiertesten Spielern in Werders jüngerer Geschichte. Ist aber längst noch nicht so weit, dass er sein Potenzial voll ausschöpft, sonst hätte Chelsea ihn wohl auch nicht nach Bremen ausgeliehen. Zentimetergenaue Flügelwechsel und tolle Tempodribblings wechseln sich ab mit Fehlpässen über fünf Meter. Übertreibt es mit seinen Freiheiten ein wenig und lässt teilweise Spieler drei Meter von ihm entfernt kampflos ziehen, im Angriffspressing ansonsten aber gut. Insgesamt eine Bereicherung und es wäre toll, wenn man ihn noch ein Jahr behalten könnte.

Marko Arnautovic

Blüht auf dem rechten Flügel auf. Starke Flankenläufe, gute Dribblings und auch gutes Kombinationsspiel. Arbeitet viel mit nach hinten. Könnte noch torgefährlicher sein, wenn er weniger linear spielen würde. Seine Hereingaben sind teils zu unüberlegt. Lässt sich noch immer zu leicht entmutigen. Insgesamt aber klar seine beste Halbserie bisher.

Clemens Fritz

Eine Enttäuschung, auch wenn die Verletzung sicher einiges dazu beigetragen hat. Als Kapitän und Stammsechser in die Saison gegangen, dann zunächst auf die linke Verteidigerposition abgeschoben und dort wechselhaft gespielt. Nach der Verletzung waren seine Leistungen bestenfalls solide und der Stammplatz ist weg. Von ihm muss man mehr erwarten.

Mehmet Ekici

Kaum zu bewerten. Gegen Ende der Vorbereitung mal wieder verletzt gewesen. Wird von Schaaf seitdem komplett ignoriert und nur noch in Spielen eingewechselt, in denen es um nichts mehr geht (zuletzt beim 1:4 gegen Leverkusen). Unverständlich, warum er dann überhaupt nominiert wird, wobei er erst seit Bargfredes Verletzung regelmäßig im 18er-Kader ist. Bei drei Kurzeinsätzen mit 25 Minuten Spielzeit kann die Lösung eigentlich nur eine Trennung im Winter sein, doch die ist nicht in Sicht.

Eljero Elia

Das komplette Gegenteil von dem, was ich erwartet habe. Elia spielt einen absolut soliden Part auf dem linken Flügel, arbeitet diszipliniert mit nach hinten und fällt auch sonst nicht negativ auf. Die erhofften Geniestreiche hat er jedoch kaum einmal gezeigt. Für einen Flügelstürmer zu torungefährlich, aber das könnte mehr am System liegen, als an ihm. Um seine Ablösesumme zu rechtfertigen, muss er sich noch steigern.

Lukas Schmitz

Verlor nach guter Vorbereitung seinen Stammplatz und es sah so aus, als würde er keine große Rolle mehr spielen. Profitierte dann von Fritzs Verletzung und konnte sich nach dem sehr schwachen Auftritt in Augsburg immer mehr steigern. Zum Ende hin unumstrittene Nummer 1 als Linksverteidiger. Hat den rechten Fuß leider nach wie vor nur zum stehen, dadurch ist er im Spielaufbau limitiert. Insgesamt besser als erwartet.

Aaron Hunt

Es wurde viel über seine Führungsrolle gesprochen und er ist ihr weitgehend gerecht geworden. Konnte das hohe Niveau meiner Ansicht nach nicht ganz über die Hinrunde retten, aber insgesamt war es ein starkes halbes Jahr von ihm. Hat offenbar Strafraumverbot und bleibt selbst dann an der 16er-Grenze stehen, wenn der Ball auf dem Flügel ist und kein anderer Mitspieler mitgelaufen ist. Der neue Status in der Mannschaft scheint ihm gut zu tun und ich hoffe auf eine weitere Steigerung in der Rückrunde.

Sebastian Prödl

Seit Naldos Abgang ist er die Nummer 2 und war zunächst der bessere, der beiden Innenverteidiger. Während sich Sokratis im Saisonverlauf steigerte, ist Prödl jedoch stagniert und stand kurz davor, seinen Stammplatz an Lukimya zu verlieren. Zum Ende der Hinrunde mit vielen Fehlern. Immerhin der einzige verbleibende Innenverteidiger, der konstruktiven Spielaufbau versucht. Trotzdem zu wenig für einen Spieler mit seinen Ansprüchen.

Zlatko Junuzovic

In allen Belangen gesteigert im Vergleich zu seinem enttäuschenden ersten halben Jahr. Fegt als Staubsauger durchs Bremer Mittelfeld und ist mit enormer Laufstärke und Bissigkeit ein guter defensiver Mittelfeldspieler geworden. Dazu kommen gute Übersicht und Stärken im Umschaltspiel. Ich würde mir von ihm teilweise mehr Beruhigung des Spiels wünschen. Die fehlende Balance im Mittelfeld will ich ihm aber nicht persönlich ankreiden. Insgesamt eine starke Hinrunde.

Aleksandar Ignjovski

Zunächst als Linksverteidiger für Schmitz ins Team gerutscht, doch nach dem schwachen Auftritt in Dortmund war er den Platz auch schon wieder los. Beste Saisonleistung gegen Hoffenheim, wo er einen bärenstarken Part auf der Sechserposition spielte. Ich traue ihm eine größere Rolle zu und hoffe Schaaf setzt ihn in der Rückrunde häufiger im Mittelfeld ein. Für eine kleine Nebenrolle eigentlich zu talentiert.

Joseph Akpala

Wurde in nahezu jedem Spiel eingewechselt und konnte dabei kaum etwas von dem zeigen, was ihn in Belgien stark gemacht hat. Wirkt in seinen Bewegungen etwas ungelenk und seine Schnelligkeit kommt nicht zur Geltung. Wurde aber auch spät verpflichtet und man sollte ihm eine längere Eingewöhnungszeit zugestehen. In der Hinrunde kein gleichwertiger Ersatz für Petersen.

Sokratis Papastathopoulos

Nach dem Ärger im Sommer und den Problemen zu Saisonbeginn hat sich Sokratis über die Saison hin gesteigert und ist inzwischen wieder der beste Bremer Innenverteidiger. Gewohnt kampfstark, bissig und unangenehm für die Gegenspieler. Lamentiert mir zu oft und zu viel. Weiterhin Schwächen im Spielaufbau, weshalb er eher den Pass auf den Außenverteidiger und den gelegentlichen hohen Ball nach vorne sucht.

Theodor Gebre Selassie

Brauchte eine Weile, um sich an Tempo und Intensität der Bundesliga zu gewöhnen. Defensiv mit der Zeit stabilisiert, was etwas zulasten seiner Offensivqualitäten geht. Das Bremer Spiel ist nicht auf offensive Außenverteidiger ausgelegt, sonst könnte er seine Stärken wohl noch besser einbringen. Insgesamt erfüllt er seinen Part aber.

Nils Petersen

Lange Zeit habe ich nicht verstanden, warum Petersen bei den Bayern gespielt hat. Technisch schien er mir doch zu limitiert und gerade im Vergleich zu Pizarro (Vorgänger in Bremen, möglicher Konkurrent in München) ist sein Kombinationsspiel recht dürftig. Seine große Stärke liegt aber im Pressing und insgesamt in der Arbeit gegen den Ball. Da hatte Werder noch nie einen besseren. Insgesamt auch ein guter und kopfballstarker Strafraumstürmer. Die Chancenverwertung mit dem Fuß muss noch besser werden. Ich hoffe auf eine feste Verpflichtung im Sommer.

Niclas Füllkrug

Schaaf sieht in ihm hauptsächlich einen Flügelstürmer. Ich fand seine Auftritte auf der linken Außenbahn nur selten überzeugend. Als Option für eine direktere Spielweise auf dem Flügel sicher tauglich, aber in der Mitte würde er meiner Meinung nach mehr zur Geltung kommen. Sehr erfreulich, dass zumindest er (im Gegensatz zu Trybull und Hartherz) weiter eine Rolle bei den Profis gespielt hat.

Philpp Bargfrede

Bis zu seiner Verletzung nah dran an der ersten Elf und immer einer der ersten Einwechselspieler. Wegen der langen Verletzung kaum zu bewerten.

Thomas Schaaf

Hat sein Team in zwei Bereichen deutlich verbessert: Flügelspiel und Pressing. Werder spielt im neuen System phasenweise richtig guten Fußball, kann jedoch selten über 90 Minuten ein hohes Niveau halten. Defensiv ist es noch immer ein Ritt auf der Rasierklinge; Werder kassierte mehr Gegentore als in der letzten Rückrunde. Allerdings scheint mir Schaaf nicht mehr unbedingt auf Spektakel aus zu sein und Werder lässt sich nicht mehr so häufig auskontern. Nach dem Weggang von Allofs sitzt Schaaf trotz mageren Ergebnissen wohl noch fester im Sattel.

Klaus Allofs

Unwürdiger Abgang. Alles andere ist gesagt.

Die Hinrundenbilanz:

Teil 1: Werders Hinrunde in Zahlen
Teil 2: Mit neuem System zu neuen Höhen?
Teil 3: Zeugnisausgabe – Die Einzelkritik

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