Junuzovic und der Wunsch nach einem neuen Andi Herzog

Nach François Affolter am letzten Wochenende könnte morgen erneut eine Neuverpflichtung direkt in der Startelf stehen. Die Rede ist natürlich von Zkatko Junuzovic, den Werder von Austria Wien verpflichtet hat. Christoph Luke, stellvertretender Chefredakteur bei sportnet.at (und Autor des sehr lesenswerten Serie A Blogs “Lo Scudetto“), war so freundlich, mir ein paar Fragen über “Juno” zu beantworten:

Der österreichische Fußball ist ja für viele Deutsche immer noch etwas exotisch. Viele Werderfans kennen Zlatko Junuzovic daher hauptsächlich von YouTube-Videos. Beschreib ihn doch mal. Was ist er für ein Spielertyp? Der deutsche Boulevard hat sich schon vor längerer Zeit auf den Spitznamen „Ösi-Özil“ festgelegt. Ähneln sich die Beiden auf dem Platz?

Junuzovic kann offensiv alle Rollen bekleiden, im zentralen Mittelfeld, aber auch links und rechts spielen. Er ist stark am Ball, technisch sehr gut. Er will – auch wenn das ein bisschen platt klingt – Fußball in erster Linie spielen, was ja grundsätzlich der Spielweise der Austria in den letzten Jahren entsprochen hat. Seine Stammposition ist das zentrale Mittelfeld, erst in den letzten Monaten spielte er bei der Austria auf der linken Seite.

Die 10er-Position gehörte in dieser Saison bislang zu den Problemzonen bei Werder. Am liebsten wäre den meisten Fans deshalb ein Spieler, der diese Lücke sofort füllen kann. Traust du Junuzovic zu, bei Werder direkt einzuschlagen? Oder müssen wir noch Geduld mit ihm haben?

Ich wünsche es ihm, den Werder-Fans und den österreichischen Fans, die einen guten Junuzovic im Nationalteam sehen wollen. Ich glaube, dass er so cool bleiben kann, dass ihn die große Erwartungshaltung nicht hemmt. 2010 wurde er nach dem Karriereende von Austrias Milenkos Acimovic in die Nachfolgerrolle des Spielmachers gedrängt und hat das, meiner Meinung nach, gut gelöst. Jetzt kann man natürlich (zu Recht) argumentieren, dass die Deutsche Bundesliga wieder etwas anderes ist, aber Druck bleibt Druck und dem hat er in Wien, wo es medial um einiges aufgeregter zugeht als etwa in Klagenfurt, standgehalten.

Junuzovic weckte schon sehr früh große Hoffnungen in Österreich, gehörte z.B. zum Team, das 2007 bei der U20-WM überraschte. Ist er diesen Erwartungen bislang gerecht geworden? Man hört ja durchaus auch kritische Stimmen, was seine Entwicklung angeht.

Ich würde das in die typische Kategorie der Ups & Downs einer jungen Karriere einordnen. Junuzovic debütierte im Frühjahr 2005, mit 17 Jahren, für den Grazer AK, ist ja jetzt, bald sieben Jahre später, fast schon eine halbe Ewigkeit im Geschät. Dass es da nicht immer nach Wunsch laufen kann, sollte klar sein. Aber: Ein paar Tore mehr dürften es schon sein.

Unsere beiden anderen Österreicher Marko Arnautovic und Sebastian Prödl sind ja zwei sehr unterschiedliche Typen. Wie ist Junuzovic charakterlich einzuschätzen? Kann er sich gut anpassen oder könnte er auch zum Problemfall werden, wie Arnautovic in seiner ersten Saison?

Charakterlich sehe ich ihn, sofern man hier überhaupt Vergleiche anstellen kann, ganz klar eher bei Prödl. Ruhig, bescheiden, kein Typ für Skandale. Mir wäre in seiner Zeit in Wien (und auch davor) nie zu Ohren gekommen, dass es irgendwelche Probleme gegeben hätte. Ich glaube, dass er sich in einer Stadt wie Bremen sicher wohlfühlen kann.

Österreichische Spieler haben bei Werder schon seit Rehhagels Zeiten Tradition. Jetzt spielen gleich drei Österreicher an der Weser. Wird Werder in Österreich von Fans und Medien deshalb besonders intensiv verfolgt?

Auf jeden Fall. Die Deutsche Bundesliga ist generell dank der zahlreichen österreichischen Legionäre mit Sicherheit jene ausländische Liga, die von Österreichs Fußballfans am intensivsten verfolgt wird. Werder ist spätestens seit den Herzog-Zeiten populär – die Transfers von Prödl (war 2007 U20-Kapitän) und Arnautovic, der einfach immer polarisiert und bei dem alle darauf warten, dass er endlich durchstartet, haben das erneut angefeuert. Der Wunsch nach einem “neuen Andy Herzog” ist sehr groß.

Wenn Werder sich noch einen vierten Österreicher zulegen sollte, wen würdest du da vorschlagen?

Da gäbe es sicher einige. Ein paar Namen, einfach mal so in den Raum geworfen: Georg Teigl (Red Bull Salzburg, Mittelfeld), Christopher Dibon (Admira, Abwehr), Florian Kainz (Sturm Graz, Mittelfeld).

Vielen Dank für das Interview und ich hoffe Klaus Allofs schreibt sich die Namen schon mal auf.

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