Zwischen Kaiserslautern und Leverkusen

Gegen Kaiserslautern hat Werder kämpferisch und in Ansätzen auch spielerisch das gezeigt, was ich mir in der frühen Phase dieser Saison erhofft habe. Fritz im Mittelfeld gefällt, genau wie Sokratis als Rechtsverteidiger (wobei er mir wohl auf jeder Position gefallen würde). Wolf hat sich im Spielaufbau gesteigert und die Fehlerquote gering gehalten. Im Mittelfeld passierte das Gegenteil von dem, was erwartet wurde: Hunt stabilisierte sich und spielte selbstbewusst, Marin wurde mit zunehmender Spieldauer zappeliger und ließ sich von seinen falschen Entscheidungen im Spiel herunterziehen.

Schaafs Wechsel trugen ihren Teil dazu bei, das Spiel in Werders Richtung zu entscheiden. Es war sowohl richtig, Fritz nach Bargfredes Verletzung auf die Sechserposition zu verschieben, als auch Wesley für Marin einzuwechseln, als sich das Mittelfeld eine Zeit lang destabilisiert zeigte. Bei einem Sieg lässt sich hinterher immer leicht sagen, dass der Trainer alles richtig gemacht hat. In jedem Fall war Schaafs Aufstellung mutig und nicht geleitet von irgendwelchen populären Forderungen.

In Leverkusen bekommt man es nun mit einem Gegner anderer Güte zu tun. Bayer ist spielerisch stark genug, um Werders Defizite gnadenlos offenzulegen. Die erste Halbzeit aus dem Pokalspiel gegen Dresden sollte Schaaf eine Warnung sein. Allerdings wirkt Dutts Team mental schwer angeschlagen und längst noch nicht so weit, wie ich es vor dem 1. Spieltag erwartet habe. Gegen Mainz kam spielerisch wenig, das war schon fast ein Armutszeugnis. Mainz hat exzessives Pressing gespielt, das ich in dieser Form von Werder in den letzten Jahren kaum mal gesehen habe. Sehr viel wird von der Laufarbeit abhängen. Wenn es gelingt, Leverkusen in deren Hälfte so unter Druck zu setzen, wie Mainz es geschafft hat, kann man die Verunsicherung ausnutzen und vielleicht noch verstärken. Ein Sturmduo Rosenberg/Thy scheint mir dafür gut geeignet, Pizarro kann man später bringen, wenn sich die beiden müde gelaufen haben.

Fragezeichen gibt es im Mittelfeld und in der Viererkette. Vertraut Schaaf nach Wolfs Verletzung schon wieder auf Prödl oder zieht er Sokratis ins Zentrum? Im letzteren Fall müsste Fritz wieder auf die Außenbahn wechseln und im defensiven Mittelfeld wäre ein Platz frei. Eine Raute aus Wesley, Ekici, Hunt und Marin wäre jedoch sehr offensiv und so könnte Ignjovski direkt zu seinem Bundesligadebut kommen. Eine andere Möglichkeit bestünde darin, Wesley als Rechtsverteidiger einzusetzen, doch das könnte angesichts der Sprunghaftigkeit des Brasilianers gegen Schürrle auch nach hinten losgehen.

Es ist in jedem Fall ein kleines Puzzle, das Schaaf vor dem Spiel lösen muss. Er wirkt dabei nicht annähernd so ratlos wie vor einem Jahr. Wer siegt hat eben Recht.

Zur Einstimmung aufs Spiel ein großartiger Text (gefunden im Blog von @anna_rosemary):

“Weil ich manchmal ein Esel bin und manchmal ein Hahn.”

Und morgen, morgen schrei ich mit.

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    7 Gedanken zu „Zwischen Kaiserslautern und Leverkusen

    1. Stimme dir nahezu uneingeschränkt zu, Wesley würde ich als RV aber lieber sehen, als Fritz. Allein aus Gründen der Geschwindigkeit, da würde mir Fritz viel zu leicht von Schürrle überlaufen werden können.
      Kleine Anmerkung: Ignjovski wird nicht zu seinem Debut kommen, die Spielberechtigung fehlt noch.

    2. Anna_rosemary: großartige Worte die ich als Bremer in Essen so sehr nachfühlen kann!!!! Danke.

    3. Ich bin für nachher “vorsichtig optimistisch”. Ich würde tippen, dass Sokratis zentral neben Merte spielt, dafür Fritz wieder auf die Rechtsverteidigerposition wechselt und dafür Wesley in die Raute rutscht. Ich denke, Ekici kann auch die 6m deshalb wäre mir die Raute mit Hunt, Marin, Ekici und Wesley eigentlich nicht zu offensiv.

      Wichtig wird sein, dass die Mannschaft presst und versucht, die Verunsicherung direkt auszunutzen, denn gerade im Tor hat Leverkusen nun doch ziemliche Probleme

    4. Die Torwart Probleme würde ich als eher geringfügig einstufen, Leno soll doch wirklich außerordentlich begabt sein und die mangelnde Erfahrung wird doch etwas überbewertet. Das Potenzial zum Ter Stegen 2.0 ist vorhanden, deswegen sollte man sich nicht auf den Torwart einschießen.
      Viel anfälliger ist die Viererkette im Gesamten und die Innenverteidigung im Einzelnen. Reinartz/Toprak sind noch überhaupt nicht abgestimmt und auch individuell alles andere als IV von internationalem Format. Da gilt es, dass Thy und Rosenberg beim Aufbauspiel früh stören und sie richtig unter Druck setzen und zu Fehlern zwingen.
      Fritz als RV gefällt mir nicht sonderlich, da er gegen Schürrle doch erhebliche Nachteile in Puncto Schnelligkeit aufweist. Wie gut bzw. schlecht er sowas kompensieren kann, konnte man bspw. im CL-Spiel gegen die Spurs und Bale sehen.
      Aber ich hoffe da auf einen schlechten Tag (damals) bzw. einen Sahnetag (heute) von Fritz. Es ist definitiv tierisch wichtig, dass Ekici und Hunt von den Halbpositionen viel nach hinten arbeiten und Wesley taktisch sehr diszipliniert spielt und das Zentrum hält. Wildes über-den-Platz-Gespringe kann er sich heute nicht erlauben, das wäre verheerend.
      Um Derdiyok – und mit Abstrichen Augusto – mache ich mir kaum Sorgen (oder gerade doch, wegen Comunio?) , die sind bei Merte und v.a. Sokratis in guten Händen.
      Marin kann ich momentan schwer einschätzen… Die Vorbereitung war mit einer kleinen Ausnahme im Spiel gegen Everton sehr stark und vor allem taktisch sehr diszipliniert.
      Gegen Heidenheim hat er das phasenweise gezeigt, brach dann nach seinem verschossenen Elfmeter aber total ein und verfiel in alte Verhaltensweisen. Gegen Lautern war das insgesamt sehr glücklos, da war er der mit Abstand schwächste Offensivspieler. Zwar hatte er auch da einige schöne Ideen, insgesamt war das jedoch entweder alles zu langsam, zu spät (im Abspiel) oder zu übermotiviert (Dribblings).
      Wichtig wird bei Marin heute “nur” sein, dass er die Bälle schnell auf Rosenberg und Thy weiterleitet. Defensiv sind Bender/Rolfes stark genug, um seine Dribblings zu unterbinden, deswegen müssen die beiden schnell überbrückt werden.
      Ich hab ehrlich gesagt ein leicht mulmiges Gefühl, aufgrund des Schürrle/Fritz Duells und der Unkonstanz gepaart mit oft zu lässiger Einstellung von Hunt.
      Mein Tipp bleibt jedoch – wie auch gegen Lautern – ein 2:1 Sieg für Werder.

    5. Mal abwarten, ob Schaaf wirklich so aufstellt. Mir wäre Fritz im Mittelfeld und Sokratis auf rechts auch lieber und eigentlich wäre das auch mehr Schaaf-like nach dem Sieg gegen Kaiserslautern. Prödl scheint aber noch nicht bei 100% zu sein. Wäre auf jeden Fall eine verdammt offensive Aufstellung für ein Auswärtsspiel in Leverkusen, aber andererseits auch ein sehr laufstarkes Mittelfeld.

      Lenos Talent steht außer Frage, aber Werder sollte ihn in den ersten 30 Minuten trotzdem ordentlich prüfen. Eine gewisse Unsicherheit wird da sein und die muss man ausnutzen. Vielleicht hält er dem Druck stand, aber probieren sollte Werder es trotzdem.

    6. Es ging mir bei Leno auch in erster Linie darum, ihn nicht zum erklärten Schwachpunkt zu machen, weil das meiner Meinung nach nicht – oder nur teilweise – stimmt. Wenn man sich auf Leno einschießt und er die ersten paar Schüsse gut hält, ist er sofort im Spiel, hat Selbstvertrauen und plötzlich könnten die Leverkusener dadurch motiviert werden, während Werder – mehr oder weniger – verzweifelt.
      Deshalb sollte man lieber nicht darauf bauen, dass Leno patzt, sondern darauf, um jedes bisschen Rasen zu kämpfen und insbesondere die Schwäche in der Viererkette anzupeilen und die allgemeine Verunsicherung bei Leverkusen auszunutzen.

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